Start-ups im Public Sector Der neue Motor der Verwaltungsdigitalisierung

Von Johannes Kapfer 5 min Lesedauer

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Mehr als 400 Start-ups bringen Bewegung in deutsche Behörden. Mit KI-gestützten Vergabeanalysen, automatisierten Antragsbearbeitungen und Low-Code-Plattformen lösen sie konkrete Verwaltungsprobleme. Föderale Hürden und komplexe Finanzierung fordern die jungen Unternehmen heraus. Warum GovTech trotzdem zur treibenden Kraft wird – und welche Erfolgsfaktoren entscheidend sind.

Start-ups haben immer noch den Nimbus, chaotisch und chronisch unterfinanziert zu sein. Insbesondere im Public Sector könnte dies nicht weiter von der Realität entfernt liegen. Aufgrund cleverer Ideen sind GovTech-Start-ups für externe Investoren durchaus interessant.(Bild: ©  Vasyl - stock.adobe.com)
Start-ups haben immer noch den Nimbus, chaotisch und chronisch unterfinanziert zu sein. Insbesondere im Public Sector könnte dies nicht weiter von der Realität entfernt liegen. Aufgrund cleverer Ideen sind GovTech-Start-ups für externe Investoren durchaus interessant.
(Bild: © Vasyl - stock.adobe.com)

Wer an Verwaltungsdigitalisierung denkt, hatte bis vor kurzem meist große IT-Konzerne vor Augen. Doch mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Immer mehr Start-ups drängen in den Markt und bringen frischen Wind in eine Branche, die lange als schwerfällig, leicht angestaubt und wenig attraktiv für innovative Technologieunternehmen galt. Inzwischen gibt es in Deutschland über 400 GovTech-Start-ups, und die Zahl wächst stetig.

Ein Beispiel, das zeigt, wohin die Reise geht, ist GovIntel aus Berlin. Das Unternehmen gewann 2025 den Start-up-Award der Smart Country Convention und hat sich auf KI-gestützte Vergabeanalysen spezialisiert. Die Plattform wertet öffentliche Vergabemitteilungen, Haushaltsdaten und Sitzungsunterlagen aus, um anderen GovTechs frühzeitig fundierte Informationen zu geplanten Beschaffungen zu bieten.

Solche Lösungen sind charakteristisch für die neue Generation von Public-Sector-Start-ups. Sie entwickeln keine allgemeinen IT-Tools, sondern spezialisieren sich auf eine spezifische Herausforderung der öffentlichen Verwaltung. Das unterscheidet sie fundamental von klassischen Softwareanbietern, die ihre Produkte oft nur geringfügig an die Bedürfnisse von Behörden anpassen.

Deutschland-Stack und GovTech Campus: Die Infrastruktur wächst

Die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren sehr verbessert. Mit dem GovTech Campus Deutschland entstand 2021 in Berlin-Mitte eine zentrale Anlaufstelle, wo Verwaltungen, Start-ups und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten können. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung treibt zudem mit dem Deutschland-Stack-Projekt eine gemeinsame technische Basis für alle Verwaltungsebenen voran. Die zweite Beteiligungsrunde startete im Januar 2026. Erstmals zeigt sich, dass Bund, Länder und Kommunen tatsächlich an einem Strang ziehen wollen.

Dennoch bleibt die Finanzierung eine der größten Hürden für GovTech-Start-ups. Anders als in anderen Branchen, wo Risikokapitalgeber mit teils exorbitant hohen Summen einsteigen, ist der Public Sector komplexer. Nur etwa 36 Prozent der GovTech-Start-ups sind überhaupt VC-finanziert. Der Grund dafür liegt in langen Verkaufszyklen, komplexen Vergabeverfahren und durch föderale Strukturen erschwerte Saklierungsmöglichkeiten. Was in einer Kommune funktioniert, lässt sich eben nicht automatisch auf eine andere übertragen, weil sich Regularien und Prozesse unterscheiden.

Viele Start-ups setzen deshalb auf eine Mischfinanzierung aus öffentlichen Förderprogrammen, Entwicklungsaufträgen und privaten Investoren. Berlin beispielsweise hat den GründungsBONUS Plus aufgelegt, der Frühphasen-Ausgaben bis zu zwei Jahre bezuschusst. Auf Bundesebene mobilisiert die WIN-Initiative bis 2030 zusätzliches Kapital, darunter zwölf Milliarden Euro aus privaten Investitionen. Der externe Kapitalbedarf liegt bei den meisten Start-ups im Schnitt bei etwa 2,3 Millionen Euro – eine Summe, die ohne gezielte Förderung kaum aufzubringen wäre.

Das Programm GovStart, ein Accelerator speziell für GovTech-Unternehmen, zeigt, was möglich ist. Die Alumni des Programms haben zusammen über 750 Millionen Euro Start-up-Finanzierung eingeworben und öffentliche Aufträge im Wert von 23,5 Millionen Euro erhalten.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis ist das Münchner Start-up Govradar, das 2024 eine Seed-Finanzierung von einer Million Euro verbuchen konnte. Govradar hat eine Plattform entwickelt, die Kommunen dabei unterstützt, öffentliche Ausschreibungen und Fördermittel systematisch zu überwachen. Gerade kleinere Städte und Gemeinden profitieren davon, weil sie oft nicht die Kapazitäten haben, um alle relevanten Informationen im Blick zu behalten.

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