Start-ups im Public Sector

Der neue Motor der Verwaltungsdigitalisierung

< zurück

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Künstliche Intelligenz wird in diesem Jahr eine zentrale Rolle in der Verwaltungsdigitalisierung einnehmen. Das zeigt sich nicht nur bei spezialisierten Start-ups, sondern auch bei größeren Projekten wie NRW.Genius in Nordrhein-Westfalen. Dort setzt die Landesverwaltung erstmals flächendeckend auf generative KI bei Routineaufgaben. Der GovTech Gipfel 2025 in Berlin hatte Prozessautomatisierung und KI als Schwerpunktthemen – und das aus gutem Grund. Die Verwaltungen stehen vor enormem Personalmangel, und gleichzeitig steigen die Erwartungen der Bürger und Bürgerinnen an digitale Services. KI könnte hier einen Teil der Lücke schließen, allerdings nur, wenn die Lösungen datenschutzkonform und transparent sind.

Compliance als Wettbewerbsvorteil

Genau hier liegt eine der Stärken deutscher GovTech-Start-ups. Sie entwickeln von Anfang an mit Blick auf Compliance. DSGVO-Konformität, IT-Sicherheit nach BSI-Standards und Barrierefreiheit nach BITV 2.0 sind integraler Bestandteil der Produktentwicklung, keine nachträglichen Add-ons. Das unterscheidet sie von vielen internationalen Wettbewerbern, deren Lösungen zwar technisch ausgereift, aber nicht für den deutschen Rechtsrahmen konzipiert sind.

Ein Bereich, der in diesem Kontext besonders an Fahrt gewinnt, sind Low- und No-Code-Plattformen. Sie ermöglichen es den Verwaltungsfachangestellten, ohne tiefe Programmierkenntnisse eigene digitale Prozesse zu entwickeln. Das klingt zunächst banal – schließlich werden ähnliche Systeme im Industrieumfeld seit etlichen Jahren erfolgreich eingesetzt.

Für Behörden, die jahrelang von externen IT-Dienstleistern und deren Produkten abhängig waren ist dies revolutionär. Plötzlich können Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter selbst Formulare digitalisieren, Workflows automatisieren oder Schnittstellen zu Fachverfahren schaffen. Das beschleunigt letztlich nicht nur die Umsetzung von Onlinezugangsgesetz-Leistungen, sondern schafft auch ein neues Selbstbewusstsein innerhalb der Verwaltungen.

Trotz aller Fortschritte bleiben Herausforderungen. Vergabeverfahren dauern oft Monate, und die Zahlungsziele der öffentlichen Hand können Start-ups in ernsthafte Liquiditätsprobleme bringen. Manche Unternehmen nutzen deshalb Factoring, um die Zeit bis zum Zahlungseingang zu überbrücken. Andere setzen auf Innovationspartnerschaften nach Paragraph 19 VgV. Diese sind speziell für die Entwicklung innovativer Lösungen gedacht sind und schnellere Verfahren ermöglichen.

Die GovTech Expo, eine Veranstaltung des Branchenverbands Bitkom, brachte vergangenes Jahr über 140 Vertreter aus Ländern und Kommunen mit 32 Start-ups zusammen. Solche Formate sind deswegen wichtig, weil sie einerseits die Sichtbarkeit der Start-ups erhöhen und andererseits den direkten Austausch mit potenziellen Kunden ermöglichen. Viele Verwaltungen wissen schlicht nicht, welche Lösungen es bereits gibt, und greifen deshalb auf bekannte große Anbieter zurück.

Berlin positioniert sich dabei zunehmend als europäische GovTech-Hauptstadt. Das ist kein Zufall, sitzen hier eben nicht nur viele Bundesbehörden, sondern auch eine lebendige Start-up-Szene. Die Nähe zu Entscheidungsträgern hilft enorm, wenn es darum geht, Pilotprojekte zu starten oder Feedback aus der Praxis zu bekommen.

(ID:50692344)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung in der Verwaltung

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung