eGovernment im ländlichen Raum

Behördendienste bürgernah und aus einer Hand

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Wie wird die Zusammenarbeit im neuen Landkreis auf der IT-Ebene organisiert? Und wie werden die eGovernment-Basiskomponenten der Landesregierung eingebunden?

Schreiber: Die Altkreise Ludwigslust und Parchim waren sehr verschieden im Bereich der IT organisiert. Im Landkreis Parchim wurde die Betreuung der IT weitestgehend mit eigenem Personal bewältigt. Der Landkreis Ludwigslust setzte bereits seit 2001 auf ein sehr weitgehendes IT-Outsourcing. Dabei wurde die gesamte Betreuung der IT durch einen externen Dienstleister erbracht. Der Landkreis gab im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung den Rahmen der Leistungserbringung in Anlehnung an das Prinzip „Software as a Service“ vor.

Das heißt, es wurde keine Hardware ausgeschrieben, sondern die Dienstleistung alle Fachapplika–tionen der Kreisverwaltung auf Standardsoftwareprodukten, wie etwa Microsoft Office, auf einer definierten Anzahl von Arbeitsplätzen und zu definierten Servicelevel zu betreiben. Weiterhin musste der Dienstleister diese Leistungen nach ITIL organisieren.

Beim Landkreis verblieb jedoch die Aufgabe des Informationsmanagements als wichtiger Teil der strategischen Steuerung.

Im neuen Landkreis Ludwigslust-Parchim wird im 3.Quartal 2012 eine Wirtschaftlichkeitsberechnung zur Entscheidung über die zukünftige Organisation der IT erarbeitet. Auf dieser Grundlage wird dann zu entscheiden sein, ob zukünftig die IT mit eigenem Personal oder durch einen externen Dienstleister erbracht wird.

Bei der Gestaltung des Internetauftritts setzten beide Alt-Landkreise schon sehr lange auf die Nutzung der durch das Land Mecklenburg-Vorpommern bereitgestellten eGov–ernment-Basiskomponenten. Da­durch wurde die Neugestaltung des Online-Angebotes wesentlich einfacher umsetzbar. Die Module des Portals www.kreis-swm.eu sind neben dem Contentmanagementsystem, ein Formularserver, ein Verwaltungswegweiser und ein Wiki im Bereich des Intranet.

Alle Module werden durch die DVZ M-V GmbH im Auftrag des Landes M-V betrieben und den Kommunen des Landes zur Nutzung bereit­gestellt.

Welche Erfolge kann das Projekt Interkommunale Zusammenarbeit im Landkreis mittlerweile vorweisen? Inwieweit glauben Sie, sind die gemachten Erfahrungen auf andere Verwaltungen übertragbar?

Schreiber: Neben der besseren Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Sachmittel, der Verkürzung von Bearbeitungszeiten und der besseren Spezialisierung der Mitarbeiter im Back Office konnten wir eine bürgernahe Leistungserbringung von Landes-, Landkreis- und der Gemeindeaufgaben im Front-Office-Bereich erreichen. Aber auch finanzielle Einsparungen können durch Kooperationen erzielt werden.

So konnte allein durch die Kooperation im Bereich der integrierten Leitstelle für die Region Westmecklenburg der Altkreis Ludwigslust für die Jahre 2005 bis 2010 etwa 1,2 Millionen Euro freie Finanzmittel für den Kreishaushalt ausweisen.

Außerdem haben wir uns mit unserem Modell der interkommunalen Zusammenarbeit erfolgreich um ein Projekt des Bundesinnenministeriums bewerben können. Ein wesentliches Ziel des Projektes ist es, basierend auf der vorhandenen Infrastruktur im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein Konzept für den weiteren Ausbau, die Nachnutzbarkeit und der Vorbereitung des Transfers auf andere Landkreise und Regionen in Deutschland das „Südwestmecklenburger Modell“ ähnlich einem Baukastensystem zu standardisieren und weiterzuentwickeln.

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