Technische Innovationen prägen die Zukunft der öffentlichen Verwaltung, wie der 23. eGovernment-Wettbewerb eindrucksvoll belegt. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung auf dem 29. Ministerialkongress prämierten BearingPoint und Cisco die besten Projekte am Abend des 5. September 2024 in Berlin.
Die Preisträgerinnen und Preisrtäger, Laudatoren und Jurymitglieder des 23. eGovernment-Wettbewerbs.
(Bild: Bearingpoint)
Bereits zum 23. Mal wurden auf dem Ministerialkongress 2024 die besten Digitalisierungsprojekte prämiert. Eine ebenso sachkundige wie hochkarätige Jury, darunter auch unsere ehemalige Kollegin Natalie Ziebolz, hatte im Vorfeld die besten Projekte ausgewählt und in fünf Kategorien eingeteilt: „Digitalisierungsschub durch KI und moderne Infrastruktur“, „Verwaltungsprozesse von Anfang bis Ende (E2E) neu gedacht“. „Verwaltungstransformation durch Organisations- und Veränderungsmanagement“, „Nachhaltigkeit durch Digitalisierung und in der IT“ sowie „Besondere gesellschaftliche Relevanz“. In einem öffentlichen Online-Voting konnten zudem 4.937 Bürgerinnen und Bürger für ihren eigenen Liebling aus dem Favoritenkreis stimmen. Und so standen am Ende die Vertreterinnen und Vertreter der 19 erst- bis drittplatzierten Projekte auf der Bühne des Veranstaltungsortes „Alte Münze“ in Berlin, um eine oder im Idealfall auch zwei Trophäen mit nach Hause zu nehmen.
Allein schon den mehrstufigen Auswahlprozess – von der eigenen Behörde bis hin zur Jury-Entscheidung – überstanden zu haben, könnten die 19 für das Finale Qualifizierten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz als großen Erfolg verbuchen, unterstrich Jon Abele, Leiter Public Services und Mitglied der Geschäftsführung bei BearingPoint. Die unabhängige Jury zeichnete dabei digitale Lösungen aus, die durch ihre zukunftsweisenden Ansätze besonders überzeugten – wobei die Wahl nicht leicht fiel, wie zahlreiche geteilte Podiumsplätze belegen, darunter auch zwei Erstplatzierte in zwei Kategorien. Die Projekte setzen Maßstäbe in Bereichen wie KI, moderne Infrastruktur, End-to-End-neu gedachte Prozesse, Organisations- und Veränderungsmanagement sowie Nachhaltigkeit. Sie verdeutlichen die besondere gesellschaftliche Relevanz der digitalen Transformation in der öffentlichen Verwaltung und ebnen den Weg für eine effektive und nachhaltige Zukunft.
Mit Blick auf die Preisverleihung stellte Jon Abele heraus: „Die ausgezeichneten Projekte zeigen, dass die Digitalisierung bei den derzeitig größten gesellschaftlichen Herausforderungen angekommen ist. Dazu gehören Migration, Integration, Fachkräftemangel, ökologischer Wandel und die digitale Transformation der Gesellschaft. Diese wegweisenden Projekte bieten wertvolle Orientierung und wir ermutigen Behörden, vergleichbare Vorhaben anzugehen.“ Mit ihm verlieh Martin Obholzer, Managing Director Öffentliche Hand bei Cisco, die Trophäen, und er fügte hinzu: „Der eGovernment-Wettbewerb verdeutlicht einmal mehr, wie technologische Innovationen den öffentlichen Sektor voranbringen. Insbesondere Künstliche Intelligenz wird in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle in der Digitalisierung der Verwaltungen einnehmen und dazu beitragen, Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten und kreative Lösungen für alltägliche Herausforderungen zu liefern. Welches Potenzial sich hier verbirgt, zeigen schon heute die Finalistinnen und Finalisten der Kategorie ‚Digitalisierungsschub durch KI und moderne Infrastruktur‘.“
Hier nun die Erstplatzierten des 23. eGovernment-Wettbewerbs im Überblick:
Kategorie 1: Digitalisierungsschub durch KI und moderne Infrastruktur
Platz 1: Deutsche Rentenversicherung Bund - Stabsstelle Digitalstrategie und Digitale Transformation
Projekt: „KIRA (Künstliche Intelligenz für Risikoorientierte Arbeitgeberprüfungen)“
Jurymitglied Prof. Dr. Dagmar Lück-Schneider, HWR Berlin (Fachgebiet Verwaltungsinformatik): „KIRA kategorisiert dank KI vorzunehmende Prüfungen, die die Deutsche Rentenversicherung Bund bei Arbeitgebern bzgl. Meldepflichten und abgeleisteten Gesamtsozialversicherungsbeiträgen durchzuführen hat. Dies bietet die Grundlage für Teilautomatisierungen, Entscheidungsunterstützungen sowie für organisatorische Ausrichtungen auf Fälle mit gleichartigen Auffälligkeiten. So sorgt KIRA für erhebliche Effizienzgewinne und wirkt hohen Personalabgängen in diesem Bereich entgegen. Zugleich nutzt die DRV Bund die Erfahrungen für ein Organisationslernen im Umgang mit KI.“
Kategorie 2: Verwaltungsprozesse von Anfang bis Ende (E2E) neu gedacht
Platz 1: Parlamentsdienste des eidgenössischen Parlaments
Projekt: „CURIAplus (Digitalisierung des Schweizer Ratsbetriebs)“
Jurymitglied Natalie Ziebolz, ehemalige Redaktionsleiterin eGovernment und Healthcare Digital, eGovernment Computing: „CURIAplus schafft die Basis für die digitalen Prozesse im Schweizer Bundeshaus und legt den Grundstein für moderne parlamentarische Abläufe. Das System garantiert einen durchgängig medienbruchfreien Betrieb und sorgt für die sofortige Veröffentlichung bedeutender Beschlüsse. Mit seinem modularen Ansatz, der spezialisierte Fachanwendungen und bestehende CMS-Seiten nahtlos integriert, setzt das Projekt Maßstäbe in Sachen Innovation und Komplexitätsreduktion. Im Mittelpunkt der Entwicklung steht dabei stets der Mensch: Durch die enge Zusammenarbeit mit Endnutzern, den Einsatz fiktiver Personas und die Erstellung detaillierter User Journeys wurde eine hohe Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit erreicht.“
Stand: 08.12.2025
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Kategorie 3: Verwaltungstransformation durch Organisations- und Veränderungsmanagement (zwei Erstplatzierte)
Platz 1: Bundesministerium für Finanzen, Wien
Projekt: „Digitale Kompetenzoffensive (DKO)“
Jurymitglied Franz-Reinhard Habbel, Publizist und Autor sowie ehemals Sprecher des DStGB und Gründer Innovators Club: „Österreich wird in Sachen Digitalisierung weiter fit gemacht. Bund, Länder und Gemeinden arbeiten im Rahmen einer Digitalen Kompetenzoffensive (DKO) eng zusammen, um auch in der Verwaltung digitale Kompetenzen zu stärken. Ein bundesweiter Dialogprozess überwindet traditionelle Hürden in der Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Bei den Gemeinden werden Digitaldolmetscher etabliert. Die DKO ist Teil der nationalen Umsetzung der “Digitalen Dekade” der EU und durch den ganzheitlichen Ansatz auch Wegweiser für andere europäische Staaten.“
Platz 1: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
Projekt: „Transformation der BImA durch eine umfassende Prozessdigitalisierung am Beispiel der elektronischen Aktenverarbeitung und der Schaffung einer modernen Arbeitsumgebung“
Jurymitglied Franz-Reinhard Habbel, Publizist und Autor sowie ehemals Sprecher des DStGB und Gründer Innovators Club: „Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verfolgt einen umfassenden ganzheitlichen Modernisierungsansatz der beispielgebend für viele weitere Verwaltungsaufgaben ist. Als eines der Digitalprodukte wurde die Produktfamilie „eAkte“ definiert. Sie bildet den Kern der Information nicht nur für die Archivierung, sondern für weitreichende zusätzliche Prozesse. Die Mehrfachnutzung der Datenbestände der eAkte wird durch eine moderne Arbeitsumgebung sichergestellt. Eine solche Vorgehensweise ist neu und steigert die Leistungsfähigkeit der Verwaltung enorm. Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile. Verwaltung wird hier ganzheitlich verstanden. Die eAkte bekommt eine neue Bedeutung.“
Kategorie 4: Nachhaltigkeit durch Digitalisierung und in der IT (zwei Erstplatzierte)
Platz 1: LEA LandesEnergieAgentur GmbH & Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum
Projekt: „Wärmeatlas Hessen“
Jurymitglied Martin Szelgrad, Chefredakteur „Telekom & IT Report“, „Energie Report“, Report Verlag: „Der Wandel zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft und die Unabhängigkeit Europas in Energiefragen sind die großen Herausforderungen unserer Zeit. Der Wärmeatlas Hessen ist eines der Werkzeuge, das die Wärmewende mit ihrem Riesenpotenzial für das Erreichen der Klimaziele unterstützt. Es verknüpft Daten, macht diese sichtbar, hilft im Verständnis für Umsetzungsmöglichkeiten und Maßnahmen vor Ort und ist ein herausragendes Beispiel für die Hebelwirkung digitaler Leistungen im kommunalen Bereich. Diese Plattform zur Unterstützung der kommunalen Wärmeplanung wünsche ich mir nicht nur für Hessen, sondern europaweit. Die LEA LandesEnergieAgentur GmbH und alle Beteiligten zeichnen sich durch ihr Engagement für diesen Service für ein so wichtiges Thema aus.“
Platz 1: Stadt Hagen & ENERVIE Service GmbH
Projekt: „klimakommune.digital“
Jurymitglied Marcel Kessler, Leiter Unterstützung & Programmkoordination, Digitale Verwaltung Schweiz: „Mit dem Projekt klimakommune.digital verfolgt die Stadt Hagen eine ganzheitliche und nachhaltige Umsetzung eines digitalen Vorhabens, um den Klimaschutz und die Energiewende in Hagen maßgeblich zu stärken und damit als Vorzeigeprojekt für andere Städte und Gemeinden zu dienen. Die Potenziale gehen weit über die Transparenz von Energieverbräuchen und CO2-Emissionen mit innovativen Ansätzen hinaus. Mit dem Multisensorsystem für eine Echtzeit-CO2-Bilanz sind neben einer CO2-optimierten bedarfsgerechten Verkehrssteuerung weitere zukunftsweisende Anwendungen denkbar. Nicht zuletzt trägt auch der Einsatz von KI zur Auswertung, die Interoperabilität verschiedenster Softwarekomponenten bis hin zu digitalen und partizipativen Maßnahmen wesentlich zum Erfolg bei.“
Kategorie 5: Besondere gesellschaftliche Relevanz
Platz 1: Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI)
Projekt: „Digitalisierungsplattform für ausländische Fachkräfte“
Jurymitglied Prof. Dr. Peter Parycek, Mitglied im Digitalrat der Deutschen Bundesregierung, Leitung Kompetenzzentrum ÖFIT: „Das Projekt „Digitalisierungsplattform für ausländische Fachkräfte“ des Bundesministeriums des Innern und für Heimat ist ein Beitrag für die Gewinnung internationaler Fachkräfte durch ein umfassendes, föderal und bundesländerübergreifendes Online-Angebot zur Zeugnisbewertung. Der Ende-zu-Ende-Prozess integriert Services wie BundID oder Zahlungslösungen und zeigt, wie digitale Lösungen gesellschaftlich relevante Herausforderungen durch Verfahrensbeschleunigung und föderaler Kooperation meistern können.“
Publikumspreis
Beim Online-Voting des diesjährigen Publikumspreises setzte sich das Projekt „KIRA (Künstliche Intelligenz für Risikoorientierte Arbeitgeberprüfungen)“ erfolgreich durch. Die Stabsstelle Digitalstrategie und Digitale Transformation der Deutschen Rentenversicherung Bund überzeugte mit einer KI-Anwendung, die Betriebsprüfungen effizienter gestaltet und Prüfschwerpunkte identifiziert. Dies unterstützt die Mitarbeitenden dabei, in Zeiten des demografischen Wandels und Fachkräftemangels effektiv auf Unregelmäßigkeiten bei Sozialabgaben zu reagieren, ohne die menschliche Entscheidungsfindung zu ersetzen.
Über den eGovernment-Wettbewerb
Der eGovernment-Wettbewerb, ein maßgeblicher Indikator für Modernisierungs- und eGovernment-Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wird bereits im 23. Jahr von der Management- und Technologieberatung BearingPoint und dem Informations- und Kommunikationstechnologieanbieter Cisco ausgeschrieben. Das Ziel ist, Innovationen für die Modernisierung der Verwaltung zu fördern und Behörden bei einer anwenderorientierten, effizienten Digitalisierung zu unterstützen.