Digitale Transformation

Zeit für ein Open Source Ökosystem in der öffentlichen Verwaltung

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Erste Schritte auf dem Weg zu einem Open Source Ökosystem sind getan

All diese Vorteile sind kein Geheimnis. Auch Politik und Verwaltungen öffnen sich immer mehr für Open Source. Die Zahl der Fürsprecher, ein Open Source Ökosystem für die Verwaltungsdigitalisierung aufzubauen und zu fördern, steigt. Das zeigen nicht nur die Bekenntnisse zum Vorrang von Open Source im Ampel-Koalitionsvertrag oder im Entwurf zum OZG 2.0. Auch konkrete Schritte wurden unternommen – so ging die Plattform Open CoDE im April 2022 als zentrales Repository und Austauschplattform für Open Source Projekte der öffentlichen Verwaltung an den Start.

Und damit sind wir bei der schlechten Nachricht: Immer noch halten sich hartnäckig Missverständnisse über Open Source Software. Die Lösungen seien aufgrund des offenen Quellcodes unsicher oder es fehle an Professionalität in Entwicklung und Support – dahinter verbirgt sich oft die falsche Vorstellung, Open Source sei gleichzusetzen mit kostenloser Software.

Zu den bestehenden Vorbehalten trägt auch das sogenannte Open Washing bei. Einige Anbieter nutzen den Begriff „Open Source“ als Buzzword, mit dem man sich schmücken kann, obwohl die eigenen Lösungen nicht wirklich quelloffen sind und man sie nicht im aktiven Austausch mit der Community entwickelt.

Kompetenz und Kultur stärken für ein kooperatives Ökosystem

Um gemeinsam das enorme Potenzial von Open Source für die Verwaltung zu heben, ist mehr als ein virtueller Ort wie Open CoDE erforderlich, an dem man sich technisch mit Open Source auseinandersetzt. Kompetenz und Kultur werden gebraucht.

Beide Seiten – Behörden und Dienstleister – brauchen Menschen, die über ein tiefes Verständnis von Open Source Technologien, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Grenzen verfügen. Ebenso wichtig ist ein geteiltes Bewusstsein dafür, dass Open Source mehr ist als Code und Technologien. Sie beruht nämlich auf einem gemeinsamen Grundverständnis und einer Kultur der offenen Zusammenarbeit. Wir müssen eine Basis gegenseitigen Verständnisses aufbauen – mit Menschen, die sich sowohl mit Arbeitsweisen und Kulturen von Behörden als auch mit der von Open Source Communities auskennen. Nur so kann voneinander gelernt und sich gegenseitig vorangebracht werden.

Die Gründung des Zentrums für digitale Souveränität (ZenDiS) ist ein wichtiger Schritt. Denn das Zentrum wird den Austausch zwischen Open Source Communities und staatlichen Akteuren verbessern und die Betreuung von Open CoDE übernehmen. Die Bundesregierung unterstreicht damit, dass sie es ernst meint mit ihrem Commitment zu Open Source und zur Community. Auch in den Ländern gibt es Rückenwind für Open Source: Mit seiner neuen Open Source Strategie hat sich beispielsweise Sachsen vorgenommen, Abhängigkeiten von proprietären Anbietern zu ermitteln und konkrete Pfade zu entwickeln, wie diese mit Open Source Lösungen verringert werden können. Gleichzeitig werden Entscheider und Entscheiderinnen gezielt für die Vorteile von Open Source sensibilisiert.

Es braucht mehr solcher Signale und konsequenter Entscheidungen für die Stärkung von Open Source, zum Beispiel im OZG 2.0, in den E-Government-Gesetzen der Länder, im Vergaberecht und in den Entscheidungen des IT-Planungsrats. Das Beispiel Sachsens muss Schule machen und weitergedacht werden: In Zukunft sollten alle Länder und der Bund klaren, konkreten und verbindlichen Fahrplänen zu mehr Open Source folgen. In die Erarbeitung solcher Strategien müssen die Stakeholder sowie Experten und Expertinnen aus der Verwaltung, von Digitalisierungs-Dienstleistern, Open-Source Communities, Wissenschaft und Zivilgesellschaft eingebunden werden – dann schlagen wir gemeinsam den richtigen Pfad ein.

Mit einer solchen fortlaufenden Stärkung von technologischer Kompetenz und gegenseitigem Verständnis für Open Source- und Verwaltungskultur kann es gelingen, ein neuartiges Ökosystem für die deutsche Verwaltung zu schaffen, das Technologien, Menschen und neue Formen der Zusammenarbeit verbindet. Nicht als Selbstzweck, sondern um dem großen Ziel, die öffentliche Verwaltung bürgernäher und zukunftsfähiger zu machen, schnellstmöglich näher zu kommen.

Dr. Christian Knebel
ist CEO bei Publicplan.

Bildquelle: Publicplan

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