Digital Skills Gap 2025 Zeit für die digitale Kompetenzoffensive

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Der Digital Skills Gap 2025 zeigt, wie stark sich die Lebenslagen auf die Digitalkompetenz auswirken. Für eine gleichberechtigte digitale Teilhabe braucht es demnach sozialpolitische Maßnahmen ebenso wie die versprochene digitale Kompetenzoffensive.

(Bild:  Initiative D21)
(Bild: Initiative D21)

Das Angebot an digitalen Verwaltungsleistungen bleibt hinter den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger zurück. Wie weit, lässt sich im erst kürzlich veröffentlichten eGovernment Monitor von Initiative D21 und TUM nachlesen. Es gibt aber noch eine weitere Lücke – diese zeigt der D21-Digitalindex auf: Längst nicht alle können die angebotenen Leistungen auch im vollen Maße nutzen. Digitale Kompetenzen und Zugangsmöglichkeiten seien in der Bevölkerung so ungleich verteilt, dass Teile unserer Gesellschaft den Anschluss zu verlieren drohen, mahnte Marc Reinhardt, Präsident der Initiative D21 bereits bei der Veröffentlichung des diesjährigen D21-Digitalindex.

Die darauf basierende Studie „Digital Skills Gap 2025“ setzt sich damit genauer auseinander und nimmt die Lebenslagen in den Blick: Einkommen, Wohnung, berufliche Stellung. Demnach behindert nicht nur ein niedriges Einkommen, sondern auch die – oft daraus resultierende – Wohnsituation die digitale Teilhabe. Das zeigt sich schon bei den digitalen Basiskompetenzen. Damit sind fünf einfache Fähigkeiten gemeint: Fotos oder Videos mit Smartphone versenden, Smartphonefunktionen anpassen, Informationen online finden, starke Passwörter verwenden, Textprogramm nutzen. In der Gesamtbevölkerung verfügen laut Digitalindex 49 Prozent über diese grundlegenden Kompetenzen. Schon das ist wenig – das Ziel der digitalen Dekade der EU liegt bei 80 Prozent bis 2030. Bei den Menschen, die in schwierigen Wohnverhältnissen leben, beträgt dieser Anteil aber gar nur 27 Prozent. Es fehlt demnach an Zugang zu Geräten, Rückzugsorten, Internetverbindungen und Unterstützung im Umfeld.

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Schwerpunkt der Erhebungen sind die digitalen Kompetenzen nach dem „European Digital Competence Framework“ (DigComp-Referenzrahmen) der EU-Kommission:

  • Informations- und Datenkompetenz,
  • Kommunikation und Kollaboration,
  • Gestalten und Erzeugen digitaler Inhalte,
  • Sicherheit und Wohlbefinden sowie
  • Problemlösekompetenz.

Die Daten basieren auf Selbsteinschätzungen der Befragten und wurden zu Geschlecht, Bildungsgrad und Alter in Bezug gesetzt. Darüber hinaus untersucht die Studie neben den erwähnten digitalen Basiskompetenzen auch die KI-Affinität.

Bei der Nutzung der digitalen Kompetenzen im Berufsleben ergeben sich laut den Studienautoren einige Detailerkenntnisse: die Lücke zwischen Blue- und White-Collar-Workern ist geringer als angenommen, junge Berufseinsteiger erzielen die höchsten Kompetenzwerte und die Werte der über 57-jährigen liegen näher an denen gleichaltriger Rentner als an denen der jüngeren Beschäftigten.

Grundlegend aber ist die Erkenntnis: „Der Bildungsgrad beeinflusst die digitalen Kompetenzen stärker als nahezu jedes andere soziodemographische Merkmal." Denn Bildung wirkt sich über die aktuellen Kompetenzen hinaus auch auf die Bereitschaft zum Lernen, also zur Kompetenzerweiterung, und auf die KI-Affinität aus. Höher Gebildete gingen reflektierter mit KI um und seien eher bereit, sich weiterzubilden. „Der Digital Skills Gap ist somit auch ein Bildungsgap“, so das Fazit.

Was sollte aus den Erkenntnissen folgen? Die Studienautoren haben dazu Handlungsempfehlungen formuliert, von denen sich zwei explizit an Politik und Verwaltung richten: Erstens: „Bund, Länder und Kommunen sollten digitale Teilhabe als Grundbedürfnis anerkennen und in sozialpolitischen Programmen sowie kommunaler Infrastruktur systematisch verankern.“ Zweitens müsse die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag angekündigte Kompetenzinitiative zügig und verbindlich umsetzen.

Dieser Nachdruck scheint angebracht, denn laut einer kürzlich erteilten Antwort auf eine Kleine Anfrage befindet sich diese digitale Kompetenzoffensive erst in der Konzeptionsphase

Hintergrund zur Studie

Die Studie „Digital Skills Gap 2025“, durchgeführt vom mmb Institut, basiert auf einer Sonderauswertung zum D21-Digital-Index 2024/25 (durchgeführt von Kantar). Als Grundlage dienten Daten aus 7.237 Interviews. Zudem flossen weitere Interviews und Expertengespräche sowie Erkenntnisse bestehender Studien in die Auswertung ein. Für die Indizes zu digitalen Kompetenzen nach dem DigComp Modell der europäischen Kommission wurden ausschließlich „Onliner“ berücksichtigt – die rund 94 Prozent der Bevölkerung, die das Internet nutzen; während bei den Basiskomponenten und der KI-Affinität auch die „Offliner“ berücksichtigt wurden.

Link zur Studie „Digital Skills Gap 2025“

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