Generative KI Wie GenAI die Rolle der IT verändert

Ein Gastbeitrag von Frank Dobelmann 7 min Lesedauer

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Softwareexzellenz und Schnelligkeit lassen sich auch in der öffentlichen Verwaltung künftig nur noch mit GenAI erreichen. Welche Hebel der Public-Bereich nutzen sollte, um die Transformation zu KI-basierten Prozessen anzupacken.

Generative KI eignet sich für viele Einsatzbereiche, doch IT-Abteilungen brauchen eine gut durchdachte Erfolgsstrategie.(Bild: ©  Somchai - stock.adobe.com)
Generative KI eignet sich für viele Einsatzbereiche, doch IT-Abteilungen brauchen eine gut durchdachte Erfolgsstrategie.
(Bild: © Somchai - stock.adobe.com)

Bis 2032 werden schätzungsweise 35 Prozent der Mitarbeitenden der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Rente gehen oder die Agentur verlassen. Weil sich vermutlich nicht genügend Personal finden wird, um diese Lücke zu füllen, arbeitet die BA bereits am Aufbau einer eigenen KI-Plattform. Parallel dazu stellt der Bund mit dem KIPITZ-Portal eine souveräne, modulare KI-Infrastruktur zur Verfügung.

Das Vorgehen der BA ist kein Einzelfall: Immer mehr Behörden und öffentliche Verwaltungen zeigen sich aufgeschlossen und lassen GenAI für sich arbeiten: Mitarbeitende setzen damit Texte auf, lassen sich Dokumente auswerten, erzeugen mit KI ihre Vorlagen und Protokolle oder nutzen KI-Chatbots, um Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern zu beantworten.

Doch KI spielt nicht nur bei der Automatisierung von Büroarbeiten eine Rolle, sondern zunehmend auch bei der Entwicklung und Pflege von Fachverfahren – also maßgeschneiderten Softwarelösungen, die zentrale Aufgaben der Verwaltung digital unterstützen. Deutsche Behörden entwickeln für solche Fachverfahren individuelle Lösungen gemeinsam mit spezialisierten Dienstleistern, weil sie spezifische Anforderungen abbilden müssen, die von Standardsoftware nicht abgedeckt werden. Beispiele sind etwa Registermodernisierungsprojekte oder die Fachanwendungen der Jobcenter zur Leistungsberechnung und Fallbearbeitung.

Wenn es darum geht, repetitive Aufgaben zu delegieren, wird im Public-Bereich ebenfalls zunehmend generative KI zum Einsatz kommen müssen – nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels und der dadurch noch weiter zunehmenden Fachkräftelücke. GenAI unterstützt bei Support-Tickets, findet Bugs und behebt Fehler oder erstellt technische Dokumentationen. Die Einsatzmöglichkeiten von KI in der Softwareentwicklung sind groß – egal, ob das Coden, Testen, Debuggen oder Dokumentieren beschleunigt werden soll, oder ob die Beschäftigten Aufwände schätzen und Spezifikationen erstellen müssen.

Wer Softwareexzellenz erreichen will, darf KI nicht mehr außen vorlassen. Denn mit GenAI lässt sich die Breite, die Tiefe und die Güte der Softwareentwicklung verbessern. Als wertvolle Unterstützung und Ergänzung für den Menschen, den seine Erfahrungen, seine Analyse- und Urteilsfähigkeit auch weiterhin vielfältig unersetzbar machen.

Mit KI zu besseren Ergebnissen

GenAI schafft nicht nur kreative Freiräume für Entwicklerinnen und Entwickler. Wer in der Softwareentwicklung generative KI klug einsetzt, kann mit deutlichen Effizienzgewinnen rechnen. Keine neuere Technologie oder Methode hat in der jüngsten Vergangenheit ein solches Effizienzversprechen eingelöst – weder Agilität noch DevOps oder Cloud Computing.

Allerdings: Solche Produktionsgewinne stellen sich nicht automatisch ein. KI ist kein Selbstläufer. IT-Abteilungen brauchen eine gut durchdachte Strategie, wenn die gezielte Aufgabenverteilung zwischen Mensch und KI zum Erfolgsfaktor werden soll.

AI im Softwareprozess: Souveräner Umgang mit KI will gelernt sein

Wer sich einen KI-basierten Softwareentwicklungsprozess zum Ziel setzt, muss zunächst seine Beschäftigten dazu befähigen. In unserem Unternehmen haben wir gute Erfahrungen mit der so genannten „AI Task Force“ gemacht. Dieses Expertenteam setzt sich aus allen Bereichen der Softwareentwicklung zusammen. Hier sammeln wir Know-how und geben es gezielt an die Entwicklerteams weiter. Außerdem haben wir hier die Leitlinien für den Umgang mit KI im Softwareentwicklungsprozess definiert. Wenn KI der nächste logische Schritt in der Softwareentwicklung sein soll, müssen die Verwaltungen ihren Beschäftigten zusätzlich KI-Zugänge einräumen und Code-Assistenten sowie eine sichere, gegebenenfalls lokale KI-Plattform bereitstellen.

Mit guten Prompts entwickeln

KI-Wissen ist für die Softwareentwicklung zukunftsweisend. Aber nicht nur für sie. KI-Weiterbildung sollte auch die Mitarbeitenden in den Fachbereichen erreichen. Denn GenAI verändert nicht nur die Werkzeuge, sondern auch den Prozess der Softwareentwicklung. Generative KI-Modelle ermöglichen es, Softwarecode aus natürlicher Sprache zu generieren – das eröffnet auch Fachabteilungen neue Möglichkeiten in der Anwendungsentwicklung. Dieser Wandel erfordert eine ganzheitliche Transformation: KI-Kompetenzen müssen sich nicht nur in Qualifikationsangeboten wiederfinden, sondern auch in Jobprofilen und Karrieremodellen.

Aber keine Sorge: Wer in einer Fachabteilung arbeitet, muss nun keine Programmiersprachen büffeln, sollte aber fähig sein, präzise Prompts zu formulieren. Mit Ansätzen wie dem Vibe Coding kann aus solchen natürlichsprachlichen Beschreibungen direkt funktionsfähiger Code entstehen. Selbstverständlich müssen die IT-Abteilungen für die Entwicklungen ihrer Citizen Developer die Leitplanken setzen – und ganz wichtig – deren Ergebnisse anschließend auf Skalierbarkeit, Sicherheit und Wartbarkeit prüfen sowie die Governance sicherstellen. Heißt: Viele verantwortungsvolle Aufgaben bleiben – und dennoch steht unterm Strich ein Effizienzgewinn. Mehr noch: Software lässt sich mit KI nicht nur schneller und agiler, sondern auch direkter und näher an den tatsächlichen Bedürfnissen der User entwickeln.

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