Generative KI

Wie GenAI die Rolle der IT verändert

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Vibe Coding konzentriert sich auf konkrete Anforderung

Das Vibe Coding-Prinzip „Beschreiben statt coden“ lohnt sich besonders dann, wenn es darum geht, schnell kleinere Applikationen zu entwickeln, für die sonst keine Mittel oder keine Zeit zur Verfügung stünden. Der größte Vorteil der Methode: Mit Vibe Coding lassen sich Anforderungen und Ideen per Sprachbefehl in Prototypen umsetzen. Bei diesem Ansatz konzentriert man sich allein auf die Anforderungen. Sie formulieren ihre Ideen in natürlicher Sprache. Anstatt sich auf spezifische Syntax und Details der Programmierung zu konzentrieren, beschreiben sie, was die Software tun soll und wie sich das Ergebnis für die Nutzenden „anfühlen“ soll. Die Methode zeichnet sich durch ihren radikalen Produktfokus aus. Auf der Basis von solchen Prompts entwickelt die KI den Code für Lösungen, die sich schnell anpassen lassen. Auch hier gilt: Compliance, Governance und Security müssen gecheckt werden.

Lohnend für kleine Anwendungen

Vibe Coding ist kein Allzweck-Instrument. Aber lohnt sich immer dann, wenn es darum geht, schnell kleinere Applikationen zu entwickeln, für die sonst keine Mittel oder keine Zeit zur Verfügung stünden. Ein Beispiel: Unsere Personalabteilung benötigte vor einigen Monaten für unseren neuen Mitarbeiterausweis ein Porträtfoto von mehr als 7.000 Beschäftigten. Man kann sich vorstellen, dass sich die eingeschickten Bilder stark unterschieden. Formate und Hintergründe wichen stark voneinander ab und das Zuschneiden der Fotos wäre nicht nur zeitintensiv, sondern auch teuer gewesen. Einer unserer Kollegen entwickelte mit Vibe Coding ein Python-basiertes Script, mit dem alle Bilder automatisiert zugeschnitten werden konnten. Mit den so bearbeiteten Fotos konnte unsere Personalabteilung problemlos arbeiten. In jeder Behörde, in jedem Amt, in jeder Verwaltung dürfte es ähnliche Wunschanwendungen geben, die sich mit Vibe Coding schneller und kostengünstiger umsetzen lassen.

Was den Change Prozess interessanter macht

Um die Neugier der Beschäftigten zu wecken, Vorbehalte abzubauen und Einstiegshürden zu senken, laden inzwischen viele Unternehmen ihre Mitarbeitenden zu KI-Hackathons ein. Das ist ein Modell, das sich auch für den öffentlichen Sektor empfiehlt. Dabei tun sich „KI-Natives“ mit KI-Anfängerinnen und Anfängern zusammen und bauen kleine Anwendungen oder testen KI-Assistenten. Das Ziel: Hemmschwellen abbauen und das Thema KI spielerisch näherbringen.

Agentensysteme unterstützen den gesamten Entwicklungsprozess

Wir sind über Spielereien und Proof-of-Concepts hinweg und betrachten in unserem Innovationsprogramm sehr bewusst Kernprozesse unserer Kunden. Zu einer zukunftsorientierten IT gehören dabei KI-Agenten, die eigenständig komplexe Aufgaben im Softwareentwicklungsprozess übernehmen können. Die intelligenten Systeme vereinfachen und beschleunigen die Art, wie Code generiert, getestet und deployed wird – von der ersten Anforderung bis zur praktischen Anwendung. Jeder Agent verfährt nach Anweisung, kann aber im Rahmen seiner Fähigkeiten Eigeninitiative entwickeln, wenn dies gewünscht ist. Übrigens zeigen die Agenten ihre wahre Stärke vor allem im Zusammenspiel mit ihresgleichen, wenn sie miteinander vernetzt Aufgaben bearbeiten.

Die Technologie entwickelt sich rasant und erfolgreiche Implementierungen erfordern herstellerübergreifende Expertise. adesso arbeitet daher mit verschiedenen Anbietern zusammen – von IBM und Salesforce über Microsoft bis hin zu Open-Source-Lösungen und der eigenen souveränen Plattform br.AI.n. Das hilft uns, für jeden Anwendungsfall die passende Lösung zu finden und gleichzeitig Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu vermeiden.

Agentic AI birgt enormes Potenzial, doch die Realität zeigt: Viele Projekte scheitern, weil Organisationen die Komplexität unterschätzen oder ohne klare Strategie vorgehen. Verwaltungen sollten also prüfen, welche Systeme künftig Agenten-fähig gebaut werden müssen oder ob sie bestehende Systeme dahingehend ändern sollten. Für den effizienten Aufbau einer zukunftsfähigen Agentic-Architektur sollten sie anschließend mit erfahrenen Partnern zusammenarbeiten.

Die Rolle der IT wandelt sich

All das zeigt: IT-Abteilungen brauchen ein neues Verständnis für Aufgaben, Prozesse und Architekturen, wenn sie einen Teil ihrer Aufgaben an KI oder KI-Agenten abgeben und Fachbereiche nicht nur Anforderungen und Mockups, sondern mitunter funktionsfähige Vorabversionen mitbringen oder ganz ohne IT-Beteiligung kleinere Anwendungen erstellen. Mit Trends wie Vibe Coding oder KI-Agentensystemen verschiebt sich die Rolle von Entwicklern und Entwicklerinnen hin zu Supervision und kreativer Steuerung, zu Kontrolle und Qualitätssicherung. Abschließendes Testing, Dokumentation, Schnittstellenmanagement sowie Governance und Wartung solcher Lösungen obliegen weiterhin den IT-Fachleuten. Auch sind diese dafür verantwortlich, dass neue KI-Agenten zum Unternehmen passen und nicht gegen dessen Werte oder regulatorische Vorgaben verstoßen. IT-Abteilungen müssen unbedingt verhindern, dass innerhalb der Verwaltung unkontrollierbare Schatten-Apps zu wuchern beginnen. Und schließlich: Software braucht auch in Zukunft differenzierte Standards. Auch wenn nicht jede Lösung mehr auf die gleiche Weise entwickelt, getestet und betrieben wird, so müssen doch alle zur Compliance passen.

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Ein wichtiger Gedanke zum Schluss: Es gibt Thesen, wonach wir künftig kaum oder gar keine Junior-Entwicklerinnen und -Entwickler mehr brauchen werden. Und auch erfahrenere Fachkräfte nur noch gefragt sein werden, bis die KI auch ihre Aufgaben übernimmt. Ich bin anderer Meinung: Nichts kann den Menschen, seine emotionale Intelligenz, seine Eigenschaften und besonderen Fähigkeiten ersetzen. Aber seine Rolle verändert sich: Der Mensch muss die KI sinnvoll nutzen, orchestrieren, kontrollieren und im Bedarfsfall korrigieren. Für eine innovative und produktive Arbeitswelt brauchen wir auch in Zukunft erfahrene Expertinnen und Experten ebenso wie junge Talente, welche die veränderte KI-Realität noch schneller für sich adaptieren und nutzen können. Eine Branche, die auf Nachwuchs verzichtet, kündigt ihre Zukunft auf.

Frank Dobelmann
ist als Business Area Lead Public Services bei adesso SE für die Branchen Public Administration, Health und Utilities verantwortlich.

Bildquelle: adesso SE

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