Die Nationale Bildungsplattform, eines der Leuchtturmprojekte der Digitalstrategie, wurde von Anfang an kritisch hinterfragt. Inzwischen hat sich nicht nur der Name geändert: Es gibt es eine getestete Beta-Version und neue Verantwortliche – ein Überblick zum Projektstand.
Die digitale Vernetzungsinfrastruktur soll eine „nahtlose digitale Lernreise von der Grundschule bis ins hohe Alter“ ermöglichen.
Lernen begleitet uns ein Leben lang – und Digitalisierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Nicht nur, was die Modi der Wissensvermittlung betrifft, sondern auch in puncto Zertifizierung und Dokumentenablage. Mit dem Projekt „Mein Bildungsraum“, vormals: Nationale Bildungsplattform, will die Bundesregierung dafür Bildungsangebote verknüpfen und digitale Services zur Zertifizierung, Daten- und Dokumentenablage bieten. Für dieses ambitionierte Vorhaben sind bis Ende 2025 insgesamt 630 Millionen Euro vorgesehen. Angesichts dieser Summe und des Vorgehens des federführenden Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gab es von Anfang auch kritische Fragen, insbesondere zur Nachhaltigkeit und zu Überschneidungen mit parallelen Projekten – etwa mit der Nationalen Online-Weiterbildungsplattform „mein NOW“ oder der von Bund und Ländern geförderten Single-Sign-on-Lösung (SSO) VIDIS. In den Antworten auf Anfragen der CDU/CSU-Fraktion 2023 und 2024 erläutert das BMBF die Pläne und Maßnahmen zur Verzahnung und Zusammenarbeit mit diesen und weiteren Initiativen.
Ergebnisse der Beta-Testphase
Das MVP von „Mein Bildungsraum“ wurde zwischen Oktober 2023 und Ende Juni 2024 in einer Closed-Beta-Version 850 Testnutzern zu Verfügung gestellt. In der Auswertung dieser Tests gaben 70 Prozent der Befragten an, die Infrastruktur künftig auch selbst zum Lernen nutzen zu wollen. Insgesamt positives Feedback habe es für die Ablage-App, den SSO-Dienst und den Lernpfadfinder gegeben, Kritik dagegen an mangelnder Übersichtlichkeit und Navigation. Dies sei bereits während der Testphase verbessert worden. Weitere Verbesserungswünsche betrafen die berufliche Weiterbildung und die Praxisnähe der Test-Szenarien. Hier sollen künftig reale Bildungsangebote eingesetzt werden.
Die Ergebnisse der Testphase können auch über die Plattform openCode eingesehen werden. Hier ist der Quellcode des MVP veröffentlicht, um sowohl den Wissensaustausch innerhalb der Community zu fördern als auch die Wiederverwendung der Software in anderen Projekten zu ermöglichen.
SPRIND soll Betriebskonzept und Go-to-Market-Strategie entwickeln
Das Feedback des Beta-Tests war – zusammen mit einem „umfassenden technischen Review“ – die Basis für die darauffolgende Übergabe: Zum 1. Juli 2024 hat das BMBF die Vernetzungsinfrastruktur „Mein Bildungsraum“ zur weiteren Entwicklung und Erweiterung an die Agentur für Sprunginnovationen SPRIND übergeben. Diese soll sich schwerpunktmäßig den zentralen Komponenten zur Ablage, der digitalen Identität und den digitalen Nachweisen widmen, die Usability optimieren, ein nachhaltiges Betreiberkonzept entwickeln und schließlich das Projekt in den operativen Betrieb überführen. Laut Angaben auf meinbildungsraum.de ist es Ziel der SPRIND, in Kooperation mit einzelnen Bundesländern, erste Dienstleistungen 2025 zugänglich zu machen.
Auf Anfrage hat das BMBF erläutert, dass SPRIND auch die Konzeption und die Unterstützung der Umsetzung einer Betriebs- und Betreiberstruktur inklusive der „Go-to-Market-Strategie“ verantwortet. Ziel sei der reguläre Betrieb 2027. Erste Eckpunkte sollen bis Ende 2024 erarbeitet werden. 2025 soll dann unter Einbindung von Bund und Ländern ein konkretes Konzept entstehen, das auch deren langfristige Einbindung vorsieht – und 2026 finalisiert werden soll. Zur Finanzierung erklärte das Ministerium, diese sei bis Ende 2025 durch die Mittel aus dem Deutschen Aufbau- und Resilienzfonds (DARP) gesichert. Anschließend solle die Finanzierung aus dem Bundeshaushalt bis 2027 erfolgen.
Welche konkreten Ziele sich die Verantwortlichen bei SPRIND gesetzt haben, erläutern sie in einem Interview auf der Agentur-Website. Zunächst werde man sich „auf die technische Umsetzung einer digitalen Identität, eines Wallets, in dem Bildungszertifikate gespeichert werden können, und auf ein Siegelungs- und Zertifizierungssystem konzentrieren“, so Johannes Koska, – und dabei eng mit dem SPRIND-Projekt „EUdi Wallet” zusammenarbeiten.
Künftig sollen Schulen direkt digitale Zeugnisse ausstellen können, die signiert und zertifiziert sind, und somit digital direkt an die Hochschulen weitergeleitet werden können. Und wie Jelka Seitz erklärt, soll es zur Entwicklung des Betriebs- und Betreiberkonzepts neben vielen Bund-Länder-Gesprächen auch Dialoge mit der Zivilgesellschaft geben, „um eine gemeinsame Lösung für Politik, Verwaltungen, Kommunen und Schulen zu finden.“
Stand: 08.12.2025
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