Observability ermöglicht es Behörden nicht nur, komplexe IT-Infrastrukturen in Echtzeit zu überwachen, sondern auch strukturelle Schwächen zu erkennen und die Systemarchitektur gezielt weiterzuentwickeln – wie unser Gastautor erläutert.
Eine Observability-Plattform führt zusätzlich zum bestehenden Monitoring „eine neue Ebene ein, die Abhängigkeiten sichtbar macht und gezielt optimiert".
(Bild: Georgii - stock.adobe.com / KI-generiert)
Cloud-Technologien beschleunigen die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. So nutzen viele Bundesbehörden die sichere Bundescloud, aber auch Public-Cloud-Angebote. In Ländern und Gemeinden gibt es noch fragmentierte Altsysteme, doch auch hier schreitet die Cloud-Transformation voran. So bietet beispielsweise die Deutsche Verwaltungscloud (DVC) flexible und rechtskonforme Lösungen.
Trotzdem stehen Behörden vor Herausforderungen wie Interoperabilität, Datenschutz und strategischer Steuerung. Ein aktueller Branchenreport von Dynatrace zeigt, dass 71 Prozent der IT-Verantwortlichen im öffentlichen Sektor in der steigenden Komplexität ihrer IT-Umgebung eine große Herausforderung sehen. Ein entscheidender Faktor ist die Fähigkeit, komplexe IT-Systeme transparent zu überwachen und frühzeitig auf Störungen zu reagieren – also die Observability (Beobachtbarkeit) zu erhöhen.
Observability: Datenauswertung in Echtzeit
Observability ist die Fähigkeit, den internen Zustand eines IT-Systems allein anhand von Daten zu verstehen. Eine spezielle Plattform sammelt fortlaufend Metriken und wertet diese automatisiert aus. Die gewonnenen Erkenntnisse machen Engpässe und Fehlerursachen unmittelbar sichtbar. Mit gezielten Abfragen lassen sich Probleme schnell eingrenzen und beheben. Das Ergebnis: höhere Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit der Anwendungen.
Observability bietet einen vollständigen Überblick über alle digitalen Prozesse und Infrastrukturen. Im Vordergrund steht dabei die intelligente Verknüpfung und Analyse großer Datenmengen. Die KI-gestützten Analysealgorithmen werten Millionen von Datenpunkten aus und erkennen Muster, die auf bevorstehende Probleme hinweisen.
Die Erkennung erfolgt in Echtzeit, sodass IT-Teams ein präzises Lagebild des aktuellen Zustands aller IT-Komponenten erhalten. Dadurch sind sie in der Lage, deutlich früher als bisher einzugreifen. In kritischen Infrastrukturen entscheidet das darüber, ob ein Ausfall ganz verhindert oder lediglich abgemildert werden kann.
Die Vorteile von Observability
Die entstehende Datenbasis bietet darüber hinaus einen weiteren Zusatznutzen: Durch die kontinuierliche Klassifizierung von Ereignissen erkennen IT-Teams Hinweise auf strukturelle Schwächen oder wiederkehrende Belastungsspitzen. Damit wird die gezielte Weiterentwicklung der Systemarchitektur möglich.
Zusätzlich ist es möglich, historische Betriebsdaten in die Datensammlung zu integrieren, um eine fortlaufende Verfeinerung der Prognosemodelle zu erreichen. Der fortschreitende Erkenntnisgewinn wird zur Grundlage für eine langfristige strategische Planung. Die Arbeit der IT-Teams kann nun über die bloße Störungsmeldung hinausgehen und fortlaufende Optimierungen ermöglichen. Die jeweilige Behörde gewinnt dadurch an IT-Stabilität, Reaktionsfähigkeit und Vertrauen in ihre digitalen Angebote.
Ein zentrales Merkmal von Observability ist die Transparenz über sämtliche Systeme hinweg. Dadurch werden Abhängigkeiten sichtbar, Zusammenhänge und Ursachen sind technisch präzise bestimmbar. Dabei ist besonders die automatisierte Ursachenfindung mit KI ein großer Vorteil. Sie bewertet die Relevanz von Systemereignissen und gibt Hinweise auf deren Ursachen. So lassen sich kritische Vorfälle gezielt behandeln, lange bevor sie zu Störungen oder Ausfällen führen.
Die Brücke zwischen den IT-Architekturen
Observability-Plattformen sind hoch skalierbar. Sie bilden eine Brücke zwischen verschiedenen Architekturen – von containerisierten Anwendungen über hybride Cloud-Modelle bis hin zu klassischen On-Premises-Lösungen in älteren Rechenzentren. Dadurch ermöglichen sie eine einheitliche Steuerung, unabhängig vom technologischen Reifegrad der genutzten IT. Der Einsatz dieser Technologien hilft bei der strategisch fundierten Planung.
Wichtig dabei: Observability ersetzt nicht das vorhandene Monitoring, dessen einzelne Lösungen wie bisher weiterlaufen können. Stattdessen führt eine Observability-Plattform eine neue Ebene ein, die Abhängigkeiten sichtbar macht und gezielt optimiert. Durch automatische Reaktionen auf vordefinierte Schwellenwerte entsteht ein lernendes System, das sich kontinuierlich an veränderte Bedingungen anpasst.
Dadurch verbessert sich die Zusammenarbeit zwischen den IT-Teams und den einzelnen Fachbereichen in den Behörden. Sie erhalten eine gemeinsame Datenbasis mit nachvollziehbaren Metriken. So entsteht ein einheitliches Verständnis über den Zustand und den weiteren Entwicklungsbedarf digitaler Dienste.
Stand: 08.12.2025
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Daran zeigt sich, dass Observability mehr ist als ein technisches Werkzeug. Es ist ein strategischer Hebel zur Modernisierung öffentlicher IT-Strukturen. In einer zunehmend komplexen und vernetzten Verwaltungslandschaft bildet es die Grundlage für leistungsfähige und vertrauenswürdige digitale Verwaltungsangebote.
Alexander Zachow ist Regional Vice President EMEA Central bei Dynatrace