Kolumne Keine Panik, Ihre Daten sind sicher!

Von Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves 3 min Lesedauer

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Professor Niehaves führt Sie durch aktuelle Entwicklungen in der datenbasierten öffentlichen Verwaltung. Erfahren Sie, wie zwei frisch gestartete Forschungsprojekte das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Daten stärken und die Verwaltung effizienter machen wollen.

Wie kann das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Daten gestärkt werden?(Bild:  Divine123victory – stock.adobe.com)
Wie kann das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Daten gestärkt werden?
(Bild: Divine123victory – stock.adobe.com)

Daten sind das neue Gold – zumindest, wenn man in der Tech-Branche nachfragt. Unternehmen und innovative Projekte rund um den Globus graben nach Daten wie Schatzsucher nach Gold. Doch wenn die öffentliche Verwaltung hier mitmischen will, klingt das für viele Bürgerinnen und Bürger so spaßig wie ein Besuch beim Zahnarzt.

Warum dieser Unterschied? Während in anderen Ländern oder Sektoren die Frage „Was könnte man alles Tolles mit Daten erreichen?“ zu leuchtenden Augen führt, weckt die gleiche Frage hierzulande eher Sorgenfalten. „Daten und öffentliche Verwaltung? Was wollen die denn mit meinen Daten? Nein, danke!“ – so die oft skeptische Reaktion. Die datenorientierte Verwaltung hat ein Marketing-Problem! Das, obwohl nutzbare Daten unabdingbare Voraussetzung für innovative Konzepte wie die „antragslose Verwaltung“ und diverse Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI) sind beziehungsweise sein könnten.

Doch wie bei jedem guten Marketing-Problem beginnt die Lösung mit Verstehen und Vertrauen. Warum also nicht den Spieß umdrehen und zeigen, dass die öffentliche Verwaltung mit Daten nicht der große Bruder ist, der über die Schulter schaut, sondern eher ein fleißiger Bibliothekar (m/w/d), der dabei hilft, die relevanten Informationen zu ordnen und zugänglich zu machen, die unser Leben einfacher und besser machen können? Normalerweise berichte ich in dieser Kolumne ja über bereits publizierte Forschungsergebnisse, doch dieses Mal ergibt sich gerade die gute Gelegenheit, einen Blick auf frisch gestartete Forschungsinitiativen zu werfen. Initiativen, die weiterhin Möglichkeiten zur Mitwirkung und zum Austausch bereithalten. Seit Anfang 2024 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Deutschland zwei spannende Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die zeigen sollen, wie Daten sinnvoll und sicher in der öffentlichen Verwaltung genutzt werden können.

KI in der Beschaffung

Beginnen wir mit „ProcurDat“. Dieses Forschungsprojekt ist darauf ausgerichtet, eine Open-Data-Plattform für die öffentliche Beschaffung zu entwickeln. Ein Zusammenschluss von für das Thema sehr einschlägigen Institutionen, darunter die Universität Bremen, Dataport AöR, das Start-up GovRadar und die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT), treibt dieses Vorhaben voran. Die Digitalisierung hat die öffentliche Beschaffung bereits tiefgreifend verändert, und „ProcurDat“ reagiert auf den dringenden Bedarf nach innovativen digitalen Lösungen, die diesen Wandel effektiv weiterführen. Ziel ist es, eine Open-Data-Plattform zu etablieren, die datenbasierte und durch künstliche Intelligenz gestützte Services im öffentlichen Beschaffungswesen anbietet. Dies soll nicht nur die Transparenz erhöhen, sondern auch die Effizienz öffentlicher Beschaffungsprozesse steigern. (Ansprechpartner: Björn Niehaves/Arbeitsgruppe „Digitale Transformation öffentlicher Dienste“/Universität Bremen.)

Datenbasierte Zusammenarbeit

Das zweite Forschungsprojekt, „Öffentliche Plattformen zur erleichterten datenbasierten Zusammenarbeit von GovTechs und Verwaltung (ÖPGV)“, zielt darauf ab, die datenbasierte Arbeit in der kommunalen Verwaltung zu erleichtern. Ein Fokus liegt hier auf der Standardisierung der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern aus dem GovTech-Ökosystem. Dieses Projekt bringt die Vision eines kommunalen „App Stores“ mit sich, wo Verwaltungseinheiten Services je nach Bedarf dazukaufen oder ersetzen können. Durch die Schaffung von Werkzeugen und Ressourcen, die die Datenkultur in der öffentlichen Verwaltung unterstützen, sollen auch interne Prozesse verbessert werden. (Ansprechpartner: Philipp Staudt/Universität Oldenburg.)

Diese öffentlich geförderten und jüngst gestarteten Forschungsprojekte repräsentieren nicht nur innovative Ansätze in der Nutzung öffentlicher Daten, sondern sind auch Beispiele dafür, wie Vorbehalte und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger durch Transparenz und Effizienz überwunden werden könn(t)en.

Und, wie hört sich das für Sie an, das mit der datenorientierten Verwaltung? Unerlässlich, machbar oder doch ein hoffnungsloser Fall? Ohne Zweifel freuen sich die beiden Projekte über weitere Impulse und gute Ideen.

Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves
ist Informatikprofessor und Politikwissenschaftler, leitet die Arbeitsgruppe „Digitale Transformation öffentlicher Dienste“ an der Universität Bremen und berichtet in der wissenschaftlichen Kolumne über diverse aktuelle Forschungsergebnisse zur digitalen Verwaltung.

Linkedin: www.linkedin.com/in/niehaves

Bildquelle: Björn Niehaves

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