BayernBox „In Deutschland sind wir nicht auf Hyperscaler angewiesen“

Das Gespräch führte Susanne Ehneß 3 min Lesedauer

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Die BayernBox ist eine quelloffene Lösung für sicheren Datenaustausch in mittlerweile rund 1.000 bayerischen Kommunen. Holger Dyroff, Mitgründer von ownCloud, erläutert im ­Gespräch die Hintergründe des Projekts.

Holger Dyroff, COO und Managing Director von ownCloud(©  ownCloud)
Holger Dyroff, COO und Managing Director von ownCloud
(© ownCloud)

Ihr Unternehmen war bei der Entwicklung der BayernBox beteiligt. Was war der Grundgedanke hinter diesem Projekt?

Dyroff: Hinter der BayernBox verbirgt sich die Idee, allen Gebietskörperschaften in Bayern eine zentrale Plattform für den Datenaustausch bereitzustellen und den ­Digitalisierungsprozess in der kommunalen Verwaltung zu beschleunigen. Wenn wir von kommunaler Verwaltung in Bayern sprechen, reden wir über 2.000 einzelne Körperschaften. Darunter finden sich kleine Gemeinden, Kommunen, Landkreise, Verbandsgemeinschaften und die ­großen Bezirke.
Sie alle stehen vor der Herausforderung, ihre Systeme und Prozesse zu finanzierbaren Kosten zu ­digitalisieren und dabei hohe Sicherheits- und Datenschutzanforderungen zu erfüllen. Dass bei einer derartigen Transformation ­große Synergieeffekte möglich sind, kann man sich vermutlich gut vorstellen. Dementsprechend hat die Umsetzung auch schnell an Fahrt aufgenommen, nachdem wir 2019 mit den ersten Kommunen gestartet sind.
Dass wir jetzt die 1.000er-Marke geknackt haben, spornt uns natürlich an, die BayernBox weiterzuentwickeln. Neben dem Web-Client­ wurde daher kürzlich auch der Desktop-Client ausgerollt, der den Nutzern noch mehr Komfort bietet. Und auch sonst wird der Funktionsumfang stetig erweitert.

Die BayernBox basiert auf der Open-Source-Technologie von ownCloud. Warum Open Source?

Dyroff: Open Source steht generell für das höchste Niveau digitaler Souveränität und ist damit genau die Richtung, in die sich die Digitalisierung der Öffentlichen Hand entwickelt. Das zeigt sich im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ebenso wie in den ersten eGovernment-Gesetzen auf Ebene der Bundesländer.
In wenigen Jahren wird der Großteil der öffentlichen Vergabeverfahren voraussetzen, dass quell­offene Software zum Einsatz kommt. Der Grund ist einfach: Open Source steht für höchstes Transparenzniveau, das Sicherheit und Datenschutz in vollem Umfang ermöglicht. Und diese beiden Werte sind gerade bei öffentlichen Service-Leistungen von zentraler Bedeutung.

Ist die BayernBox damit auch ein gelungenes Beispiel für eine souveräne Lösung, die ohne Hyperscaler auskommt?

Dyroff: Absolut. Ich sage dazu nur kurz und knapp: In Deutschland sind wir nicht auf Hyperscaler angewiesen. Das gilt erst recht, wenn Datenschutz und Datensicherheit wirklich eine Rolle spielen sollen. Ich bin überzeugt, dass die Bayerische Staatsregierung mit der ­BayernBox den richtigen Weg eingeschlagen hat. Sie entspricht dem Geist des Bayerischen Digitalgesetzes, das Open Source als neuen Standard bei der Beschaffung rechtlich verankert hat.
Und auch bei den bayerischen Kommunen stößt die BayernBox auf große Resonanz, wie uns in Gesprächen deutlich signalisiert wurde. Für viele Mitarbeitende ist sie ein zentrales Tool im Arbeitsalltag, um größere Datenmengen, zum Beispiel neben Dokumenten auch Videos, zu speichern und zu teilen oder einfach mit den Kollegen und Kolleginnen zusammenzuarbeiten. Dass wir diese Möglichkeit schaffen­ konnten, macht uns natürlich stolz.

Gibt es Ambitionen, das Projekt weiterzuentwickeln oder auf andere Bundesländer auszudehnen?

Dyroff: Prinzipiell ist es die Aufgabe der einzelnen Bundesländer, über die Umsetzung derartiger IT-Projekte zu entscheiden. Darauf haben wir keinen Einfluss. Natürlich würden wir es als ownCloud begrüßen, mit anderen Bundesländern in das Gespräch zu gehen. Ich denke, dass wir neben den technischen Skills über sehr viel Know-how verfügen, welche Anforderungen die kommunale IT zu bewältigen hat. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsregierung und sind jederzeit offen für die Weiterentwicklung des Projekts und Integration neuer Funktionalitäten.

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