Studie „21st Century Schools“ Eltern: Schule vermittelt keine digitalen Kompetenzen

Von Natalie Ziebolz

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Drei Jahre DigitalPakt Schule, zwei Jahre Pandemie und Fernunterricht, doch vielerorts mangelt es an den Schulen immer noch an der digitalen Bildungsinfrastruktur sowie den digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte.

Drei Jahre nach Start des DigitalPakts Schule sehen Eltern immer noch Nachholbedarf bei der digitalen Infrastruktur der Schulen
Drei Jahre nach Start des DigitalPakts Schule sehen Eltern immer noch Nachholbedarf bei der digitalen Infrastruktur der Schulen
(© Thares2020 – stock.adobe.com)

2019 trat der DigitalPakt Schule in Kraft, in aller Munde ist die Digitalisierung an den Schulen jedoch erst seit Pandemie-Beginn. „Über alle 16 Länder und alle Schulformen hinweg zeigt sich, dass die Corona-Pandemie einen Digitalisierungsschub im Bildungsbereich ausgelöst hat“, bestätigt auch Karin Prien die Beobachtung. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz stellt jedoch auch klar, dass es noch einige Herausforderungen zu bewältigen gibt.

Immerhin gaben drei von vier Eltern im Rahmen der Studie „21st Century Schools“ der Initiative D21 an, dass ihr Kind im Rahmen des Unterrichts bereits mit digitalen Geräten beziehungsweise Anwendungen gearbeitet hat. Regional betrachtet zeigen sich jedoch eindeutige Unterschiede: Während Bundesländer wie Bayern (75 Prozent) und Baden-Württemberg (74 Prozent) im Schnitt liegen, setzt sich Bremen (86 Prozent) an der Spitze ab. In Sachsen-Anhalt spielt digitaler Unterricht hingegen noch die geringste Rolle (63 Prozent).

Zum Einsatz kommen im Zuge dessen bevorzugt Tablets (74 Prozent), Smartphones (72 Prozent) sowie Desktop-PCs (64 Prozent). Interaktive Tafeln und Smartboards werden hingegen seltener genutzt (58 Prozent). „Die Studie legt nahe, dass vor allem private Endgeräte für den digitalen Unterricht genutzt werden“, ergänzt Prof. Dr. Andreas Schleicher, Direktor der Abteilung für Bildung und Qualifikation bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). „Das muss nicht per se etwas Schlechtes sein, sofern dies Teil einer Gesamtstrategie ist, die sicherstellt, dass alle Schüler und Schülerinnen Zugang zu hochwertigen Technologien haben. Gerade an einer solchen Strategie hapert es jedoch. Die Realität sieht so aus, dass wir einen Flickenteppich von Lösungen haben.“

Das ist allerdings nicht der einzige Punkt, an dem es aktuell noch Nachbesserungsbedarf gibt. An vielen Schulen scheitert es laut der Studie bereits am Internetzugang an den Schulen. In Sachsen, Brandenburg sowie Sachsen-Anhalt hat jeweils nur rund die Hälfte der Schüler Internetzugang – und auch die Spitzenreiter sind weit davon entfernt, an den Schulen allen Schülern Zugang zum Internet bieten zu können: In Schleswig-Holstein haben 70 Prozent in der Schule Internetzugriff, in Berlin 71 Prozent und in Bremen 75 Prozent.

Da verwundert es weniger, dass 34 Prozent der Eltern zudem die Internetgeschwindigkeit monieren. Doch auch die unzureichende Geräteausstattung (39 Prozent), fehlende digitale Lehrmittel (36 Prozent) und mangelnde IT- und Digitalkenntnisse der Lehrkräfte (32 Prozent) werden als Hindernisse bei der Umsetzung des digitalen Unterrichts angesehen. Entsprechend hoch ist daher der Anteil derjenigen, die denn Schule attestieren, mit digitalen Unterrichtsmethoden überfordert zu sein (42 Prozent). Viele der befragten Eltern haben in Folge dessen kein Vertrauen darauf, dass die Schule ihrem Kind ausreichend digitale Kompetenzen vermitteln kann (45 Prozent). Dabei werden diese in der Arbeitswelt meist vorausgesetzt.

So sieht es auch D21-Präsident Hannes Schwaderer: „Wir sind noch entfernt von dem Ziel, dass Schüler und Schülerinnen ein grundlegendes Verständnis der Potenziale und Chancen von der Digitalisierung sowie eine Sensibilität für ihre Risiken haben. Dabei ist eine Investition in die Bildung und digitalen Kompetenzen von Kindern auch eine Investition in den Wohlstand des Landes.“

Überhaupt hat knapp die Hälfte der befragten Eltern den Eindruck, dass die Schule ihres Kindes die Digitalisierung nicht als Chance wahrnimmt. Das machen sie etwa daran fest, dass die Schülerinnen und Schüler nur selten dazu ermutigt werden, digitale Geräte und Anwendungen auch außerhalb des Schulunterrichts für Schulaufgaben zu nutzen.

„Die Studienergebnisse zeigen: In der Wahrnehmung der Eltern hat sich die IT-Ausstattung der Schulen verändert. Viele Geräte und Lernplattformen sind angekommen. Deshalb wollen wir den Digitalpakt weiter beschleunigen. Die nächste Zeit wird für Bund und Länder eine gemeinsame Kraftanstrengung“, folgert der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Jens Brandenburg. „Wir sollten jedoch nicht nur über die Technik sprechen, sondern auch darüber, was mit dieser Technik passiert. Um bundesseitig die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte zu unterstützen, haben wir die Kompetenzzentren für digitales Lernen vorangetrieben. Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten für die individuelle Förderung und zeitgemäße Lernmethoden. Diese Chancen wollen wir nutzen.“

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Schwaderer ergänzt: „Um die 21st Century Schools so zu gestalten, dass sie die Kinder beim Leben in der digitalen Welt begleiten, braucht es Mut, Bildung neu zu denken. Zukunftsfähige digitale Bildung ist der gesellschaftliche Schlüssel für mehr Chancengleichheit und kann zudem das Vertrauen in den Staat und die Demokratie steigern.“

Über die Studie

Für die Studie „21st Century Schools – Lagebild des digitalen Schulunterrichts in den 16 Bundesländern aus Sicht der Eltern“ wurden von 19. April bis 11. Mai 2022 insgesamt 2.353 Eltern mit schulpflichtigen Kindern befragt. Die Ergebnisse sind auf Bundesebene repräsentativ.

Studie: „21st Century Schools“

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