„Jede Kommune braucht einen Digitalrat“ Eine digitale Agenda für Augsburg

Von Susanne Ehneß 6 min Lesedauer

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Der vor drei Jahren gegründete Digitalrat der Stadt Augsburg hat eine Digitalagenda erarbeitet. Fabian Ziegler, stellvertretender Vorsitzender des Gremiums, erläutert die Zielsetzung der Agenda und deren erhoffte Mehrwerte für die Stadt und ihre Bürger.

Augsburg zählt zu den ältesten Städten Deutschlands und ist mit rund 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Bayerns.(©  Manuel Schönfeld - stock.adobe.com)
Augsburg zählt zu den ältesten Städten Deutschlands und ist mit rund 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Bayerns.
(© Manuel Schönfeld - stock.adobe.com)

Eva Weber, Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg, hat vor knapp drei Jahren einen Digitalrat etabliert, der nun eine rund 50-seitige Digitalagenda unter dem Titel „Die Bürger Experience“ vorgestellt hat. Der Digitalrat ist ein interdisziplinäres Gremium, das der Stadt in Digitalisierungsfragen beratend zur Seite steht und fünf Arbeitskreise umfasst:

  • Digitale Verwaltung,
  • Wirtschaft,
  • Vision, Kommunikation & Netzwerk,
  • Bildung, Forschung & Lehre,
  • Digitale Stadtgesellschaft.

Unter dem Vorsitz von Richard ­Goerlich und Fabian Ziegler haben die Arbeitskreise eine Agenda erarbeitet, die praxisnahe und zeitgemäße Empfehlungen für die ­bayerische Großstadt enthält. Doch nicht nur das: In das Papier flossen auch zahlreiche Gespräche mit Experten aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung ein. Abschließend wurden alle Impulse in einem gemeinsamen Workshop zusammengeführt. Für Weber markiert die Agenda „einen bedeutenden Meilenstein für den Transformationsprozess unserer Stadt“.

Mehr Aufmerksamkeit

Wie Fabian Ziegler im Gespräch mit eGovernment betont, ist die Erstellung der Agenda aus einer Eigeninitiative heraus entstanden. Es habe keine entsprechende Aufgabenstellung von der Stadt gegeben. „Die eigentliche Aufgabe des Digitalrats ist, den Stadtrat und die Oberbürgermeisterin in Fragen der Digitalisierung zu beraten“, so Ziegler. Der Expertenrat solle als Ansprechpartner für Stadt und Verwaltung bei allen Fragen zu Projekten oder Priorisierungen dienen.

Doch dies habe, sagt Ziegler, gerade in der Anfangszeit nur bedingt funktioniert. „Die Stadträte wussten es nicht, die Parteien wussten es nicht. Nur die Verwaltung hat ziemlich schnell den Schulterschluss mit dem Digitalrat hinbekommen – über das Smart-City-Büro“, so Ziegler. Dadurch sei schon früh an bestimmten Themen gearbeitet worden, um die Verwaltung beraten zu können. Dennoch: „Wir hatten nicht die Anzahl an Rückfragen, die wir uns gewünscht hätten“, sagt Ziegler.

Fabian Ziegler, stellvertretender Vorsitzender des Augsburger Digitalrats.(©  TEAM23)
Fabian Ziegler, stellvertretender Vorsitzender des Augsburger Digitalrats.
(© TEAM23)

Zwar wurde im Stadtrat über Digitalthemen debattiert, doch der Digitalrat wurde nur selten hinzugezogen. „Außerdem hatten wir das Gefühl, dass es nicht genügend digitales Know-how im Stadtrat gibt.“ So sei es dann letztlich zur Digitalagenda-Initiative gekommen. „Um das Thema Digitalisierung in die Breite der Stadtpolitik zu tragen, brauchten wir etwas, das große Leuchtturmprojekte und Ziele sichtbar macht. Und dadurch ist die Digitalagenda entstanden“, ­erklärt Ziegler. Mit dem nun vorliegenden Papier habe man nun sowohl die nötige Aufmerksamkeit als auch die Zugänglichkeit erreicht.

Die Bürger-Experience

Die erarbeitete Agenda läuft unter dem Titel „Die Bürger Experience“ und soll ein Strategie- und Empfehlungspapier für die Gremien der Stadt Augsburg und ihre Verwaltung sein. „Gelingende Digitalisierung in der Kommune bemisst sich aus Sicht des Digitalrates daran“, heißt es in der Agenda, „wie die digitalen Angebote der öffentlichen Hand und in ihrem Kontext zu einer nützlichen und nutzerfreundlichen ‚Bürger Experience‘ werden können: Digitalisierung soll für ­alle Mitglieder der Augsburger Stadtgesellschaft einen positiven, intuitiven und nutzenorientierten Erfahrungsraum schaffen, der zu mehr und besseren Chancen führt“.

„Uns war es ganz wichtig“, erläutert Ziegler, „das Gefühl des Bürgers in der Schnittstelle zur Stadt im digitalen Raum zu definieren“. Denn es werde in der Kommune zwar viel digitalisiert, aber oft habe der Bürger nichts davon. „Dann ist zwar der Prozess digital, aber er fühlt sich nicht cool an oder ist nicht auffindbar.“ Der Mehrwert für den Bürger müsse aber deutlich spürbar sein. Auch deshalb sei die Digitalagenda erstellt worden – „um die Größe und Tragweite des Ganzen sichtbarer zu machen“.

Auf der nächsten Seite: Ein CDO für die Stadt, ein Digitalrat für alle.

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