„Jede Kommune braucht einen Digitalrat“

Eine digitale Agenda für Augsburg

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Die Agenda umfasst Empfehlungen rund um die Digitalisierung, definiert aber auch konkrete Projekte. Eines davon sind Chatbots – eine „low hanging fruit“, wie Ziegler sagt. Das Thema Chatbot sei bereits vor der Agenda vorangetrieben worden, inzwischen gebe es bereits eine gute, lauffähige Version. Auch die Infrastruktur an Schulen sei ein Projekt, das schon vor längerem angelaufen sei.

Wir glauben nicht, dass sich die Stadt im nötigen Tempo von innen heraus digitalisieren kann.

Fabian Ziegler

Ein CDO für Augsburg

Doch nicht nur technische Projekte sind in der Agenda zu finden, sondern auch organisatorische Aspekte. „Wir glauben nicht, dass sich die Stadt im nötigen Tempo von innen heraus digitalisieren kann“, meint Ziegler. Es brauche einen externen Treiber. Daher habe man verschiedene Vorschläge formuliert, welche die Struktur der Stadt betreffen. Dazu zählen die Einrichtung eines Chief Digital Officers (CDO) sowie eine „Urban-Innovation-Agentur“, die sich als Ausgründung aus der Stadt um die Agilisierung und Digitalisierung als externer Partner kümmern soll und auch Themen wie Design Thinking oder Coaching im Blick behält. „Das sind natürlich ganz andere Arten von Projekten, weil sie sehr schnell politisch und kompliziert werden können“, weiß Ziegler. Als Positivbeispiel nennt er die Landeshauptstadt München, die solche organisatorischen Projekte in der Vergangenheit zügig umsetzen konnte.

Folgende Punkte liegen Ziegler für eine digitale Verwaltung besonders am Herzen, nicht nur für Augsburg:

  • End-to-End-Digitalisierung der Verwaltungsprozesse: „Der Arbeitsaufwand in der öffentlichen Verwaltung lässt sich in den nächsten Jahren nicht mehr bewerkstelligen, wenn die Prozesse nicht durchgängig digitalisiert werden“, sagt Ziegler.
  • Open Data: Die Stadt sollte ihre Daten frei zugänglich zur Verfügung stellen. Der Digitalrat habe für Augsburg eine Open-Data-Plattform gefordert, die auch bereits gelauncht wurde – „als allererste Open-Data-Plattform überhaupt in Bayern“.
  • E-Partizipation: Der Digitalrat wünscht sich eine „Plattform für digitale Partizipation, auf der leichtgewichtig Bürgerbeteiligung stattfinden kann“, wie Ziegler ausführt. Eine Plattform für Kommunalpolitik, auf der Bürger befragt werden können, aber auch eine Diskussion möglich ist – „um allen Menschen eine Beteiligung an kommunalpolitischen Prozessen zu ermöglichen“, sagt Ziegler.
  • Nutzerzentrierung: Verwaltungsservices sollen nicht nur digitalisiert werden, sondern sich für den Bürger auch „wertig anfühlen“. „Die Stadt wird immer mehr liefern müssen wie ein Unternehmen“, ist sich Ziegler sicher. „Und das bedeutet, dass eine ­hohe User Experience – wir ­nennen es Bürger-Experience, um es größer zu ziehen – künftig­ möglich sein muss.“

Im Vorfeld der Digitalagenda hat sich der Digitalrat die Digitalprojekte in anderen Kommunen angesehen und sich auch mit der öster­reichischen Stadt Linz intensiv auseinandergesetzt. „Linz hat das in unseren Augen sehr gut gelöst“, sagt Ziegler. Aber auch in Deutschland gebe es Orte, die in puncto Digitalisierung einen sehr guten Job machten. Ziegler nennt als Beispiel München, aber auch Nürnberg, Würzburg oder Hamburg. „In den Städten gibt es eigentlich immer einzelne Aspekte, die total gut sind, und die man für seine eigene Stadt anschauen kann“, so Ziegler.

Ein Digitalrat für alle

Augsburg hingegen war Vorreiter beim Thema Digitalrat. Als er eingeführt wurde, sei die bayerische Stadt bundesweit die erste mit einem eigenen Digitalrat gewesen, nur auf Bundesebene gab bereits ein solches Gremium. Diesen Schritt empfiehlt Ziegler auch anderen Kommunen. Ein solcher ­Digitalrat treibe das Thema Digitalisierung voran und lasse nicht locker. Geeignete und engagierte Mitarbeiter für einen solchen ehrenamtlich tätigen Digitalrat zu finden, hält Ziegler für einfach. Denn: „Leute, die im IT-Bereich arbeiten, sind davon geprägt, ihr Wissen zu teilen und in Netzwerken zu arbeiten“, meint Ziegler. Dort gebe es einen hohen Anteil an Menschen, die daran glauben, der Gemeinschaft etwas zu geben und auch etwas zurückzubekommen.

Damit auch tatsächlich etwas „zurückkommt“, wird die Digitalagenda laut Ziegler nochmals explizit den Parteien vorgestellt, die sie auch nutzen können und sollen, beispielsweise für den Wahlkampf. „Wir geben die Agenda auch der Verwaltung, erklären die Leuchtturmprojekte und sagen: Macht Druck auf die Themen!“ Aber natürlich gebe es innerhalb des Stadtrats bereits viele Leute, die die ­Relevanz der Themen verstanden hätten und diese entsprechend ­vorantreiben wollen.

Die bisherige Arbeit soll durch den neuen Digitalrat fortgeführt werden. Alle drei Jahre werden nämlich die Mitglieder des Gremiums durch den Stadtrat neu berufen – auf Empfehlung des Smart-City-Büros und der Oberbürgermeisterin. Ende Juli 2024 wird der Augsburger Digitalrat dann neu aufgestellt und soll eine gute Übergabe inklusive Evaluation erhalten. Bis es soweit ist, will der aktuelle Digitalrat weiter kräftig für die Umsetzung der Digitalagenda werben, zum Beispiel auf Veranstaltungen wie der im Juni stattfindenden „Sparkscon“, bei der auch der bayerische Digitalminister Dr. Fabian Mehring anwesend sein wird. „Dadurch schaffen wir es, auf vielen Ebenen Druck zu erzeugen“, sagt Ziegler.

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