Elektronische Identität „Ein tatsächlicher Gamechanger wird mit der EUDI-Wallet kommen“

Von Natalie Ziebolz 5 min Lesedauer

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Elektronische Identitäten wie die Online-Ausweisfunktion werden kaum genutzt. Es fehlen Umfragen zufolge konkrete Anwendungsfälle, um die Anwendung für Bürger und Bürgerinnen attraktiv zu machen. Doch auch das Marketing lässt zu wünschen übrig. Die EU setzt mit dem European Identity Wallet darauf, schnell Mehrwerte zu schaffen.

Unter dem Begriff „Digitale Identität“ werden digitale Identitätsnachweise von Bürgern und Organisationen zusammengefasst.(Bild:  ZinetroN – stock.adobe.com)
Unter dem Begriff „Digitale Identität“ werden digitale Identitätsnachweise von Bürgern und Organisationen zusammengefasst.
(Bild: ZinetroN – stock.adobe.com)

Knapp über dreizehn Jahre ist es her, dass die Bundesregierung den Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion (eID) eingeführt hat. Heute nutzen diese jedoch gerade einmal 14 Prozent der Bürger und Bürgerinnen. Es fehlt einfach an Anwendungsmöglichkeiten – das bestätigen auch Zahlen aus dem aktuellen eGovernment Monitor: 38 Prozent derjenigen, die zwar über einen einsatzbereiten Online-Ausweis verfügen, ihn aber noch nicht genutzt haben, sagen, dass ihnen schlichtweg keine Anwendungsmöglichkeiten bekannt seien. 21 Prozent sehen keinen Vorteil oder Nutzen.

„In der Bevölkerung herrscht bis heute große Unkenntnis über die Online-Ausweisfunktion, ebenso schenken viele Menschen dem Online-Ausweis kein Vertrauen. Beides ist unter anderem eine Folge mangelnder Öffentlichkeitsarbeit“, erklärt Frank Dobelmann, Senior Director des Geschäftsbereichs Public von adesso. Auf der anderen Seite sei das Angebot unzureichend. „Es gibt mittlerweile genügend Anwendungsmöglichkeiten, aber die Umsetzung ist wenig nutzerfreundlich. Fazit: Statt einer übergreifenden Verwendung der eID gibt es einen Flickenteppich an Lösungen, eine digitale Identifizierung zu ermöglichen.“

Die Nutzerfreundlichkeit bewertet Rudolf Philipeit, Vorstandsvorsitzender bei buergerservice.org, hingegen positiv: „Die eID in Deutschland ist weltweit eines der besten Produkte für die Sichere Digitale Identität“, stellt er klar. „Die Usability zur eID ist seit der Verwendungsmöglichkeit des Smartphones als Kartenlesegerät vor wenigen Jahren hervorragend herangereift.“ Das rechtsgültige Online-Ausweisen mit der AusweisApp auf dem Smartphone finde in weniger als 20 Sekunden statt. Zudem sei für alle eID-Dienste nur noch eine PIN nötig. „Damit die Bürgerinnen und Bürger derartige Vorteile erfahren und ein paar neue Handgriffe im Umgang mit ihrem Personalausweis lernen, muss eine nach den Regeln des Marketing professionelle Produkteinführung zur eID und den damit nutzbaren Diensten stattfinden. Die Prämisse dabei muss lauten: eID-digital first.“

Ein Plus an Sicherheit

Diese Einstellung hat auch seine Bewandtnis: Sichere Digitale Identitäten seien schließlich ein Schlüssel zur stärkeren Digitalisierung in fast allen Bereichen von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft, so Dobelmann. Zudem seien sie ein effektives Mittel gegen Identitätsdiebstahl und schützten damit Verbraucher sowie Unternehmen und Behörden.

„In Deutschland schicken die Banken und andere große und kleine Institutionen – z. B. Versicherungen, Kommunen, Ärzte, Anwälte und Gerichte – zur Gewährleistung von Sicherheit und rechtlicher Vorgaben in ihren Geschäftsprozessen immer noch Briefe“, führt Philipeit aus. Bei Verwendung der eID könne man die Briefe weglassen und auf eine Ende-zu Ende-Digitalisierung umsteigen.

„Dass es funktionieren kann, zeigt ein Blick ins Ausland: In Europa ist es insbesondere den baltischen und skandinavischen Staaten gelungen, eID-Lösungen fest zu etablieren. Es zeigte sich, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierung und Wirtschaft ein relevanter Erfolgsfaktor ist. Denn für eine breite Nutzung ist es entscheidend, dass eID-Lösungen branchenübergreifend für eine Vielzahl von Online-Diensten geeignet sind“, so Dobelmann. Als treibende Kraft habe sich dort die Finanzbranche erwiesen, wo ein Großteil der eID-Anwendungen stattfindet. „In Schweden etwa etablierte sich das von mehreren privaten Banken ins Leben gerufene eID-Ökosystem BankID. Aus der Bankenwelt heraus erreichte es in Zusammenarbeit mit dem Staat viele weitere Bereiche. Schnell entstanden Anwendungsfälle bei Behörden und Unternehmen. Nach ihren positiven Erfahrungen im Bankenumfeld waren die Menschen offen dafür, diese Angebote anzunehmen.“

Rainer Binder, Geschäftsführer im Bereich Öffentliche Verwaltung bei Accenture, verweist zudem noch auf den Singpass – Singapore Personal Access –, die digitale Identität von Singapur. Diese habe sich durchgesetzt, obwohl die Bevölkerung des Landes ein hohes Durchschnittsalter aufweise – hierzulande ja oftmals ein Argument gegen digitale Identitäten. Dafür seinen mehrere Faktoren ausschlaggebend: Zum einen seien sie mit einfachen, verständlichen Anwendungsfeldern gestartet. „Zum zweiten haben sie ein extrem aktives Change Management betrieben. Und das dritte, bei der Umstellung der Prozesse haben sie den Bürger und Bürgerinnen extrem viel Hilfe angeboten.“

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