Interview mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Jens Brandenburg

DigitalPakt: Artikel 104c ist keine geeignete Grundlage

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Die technische Ausstattung der Schulen ist nur ein Aspekt der Digitalisierung des Bildungswesens. Vielfach werden auch die IT- und Digitalkenntnisse der Lehrkräfte bemängelt. Wie soll dieses Defizit abgebaut werden?

Brandenburg: Digitale Kompetenzen nehmen in der Lehrerschaft zwar zu, sie sind aber in der Tat weiterhin ein großes Defizit. Die Chancen der Digitalisierung können wir nur nutzen, wenn alle entsprechende Kompetenzen haben. Wir müssen für ein hochwertiges Fortbildungsangebot sorgen, das insbesondere im Bereich der Digitalisierung verschiedene Kompetenzstufen berücksichtigt. Austausch und Kollaboration in der Schule, im Landkreis, im Land und auch zwischen den Ländern sind dabei zentral. Durch den DigitalPakt Schule entstehen dafür gerade erstmals ländergemeinsame Plattformen und Konzepte.

Wir müssen unsere Lehrkräfte als Dreh- und Angelpunkte der digitalen Bildung mit Fortbildungsangeboten stärken. Dazu bringen wir die Förderung von Kompetenzzentren für digitalen und digital gestützten Unterricht auf den Weg. Den Anfang macht ein Kompetenzzentrum für MINT-Fächer, drei weitere werden folgen. Damit leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um die Fortbildungslandschaft für Lehrerinnen und Lehrer zukunftsfit zu machen.

Mit der OER-Strategie wollen wir als Bundesregierung diesen Wandel nicht nur in der Schule, sondern auch in anderen Bildungsbereichen unterstützen. Digitale freie und offene Bildungsmaterialien treiben diesen Wandel voran.

Die Unterschiede zwischen den Schulen – sei es bezüglich der Ausstattung, der Kompetenz der Lehrer oder auch der notwendigen Infrastruktur – sind groß. Welche Maßnahmen sind geplant, um die Digitalisierung zu vereinheitlichen?

Brandenburg: Es geht uns nicht um eine Vereinheitlichung der Digitalisierung. Innovation lebt von Freiraum und Vielfalt, vom Austausch unterschiedlicher Ansätze und Erfahrungen. Wir brauchen aber einheitliche Standards und Voraussetzungen für eine chancengerechte Bildung. Die jeweiligen Anforderungen in Grundschulen, Berufsschulen und Gymnasien sind durchaus verschieden. Jede Schule muss digitale und datenschutzkonforme Werkzeuge einsetzen können. Und dabei darf sie nicht Gefahr laufen, dauerhaft an einmal gewählte Angeboten und Geräten gebunden zu sein. Eine vernetzte, nahtlose und sichere Nutzung ist das Ziel. Offenheit, Transparenz und Anschlussfähigkeit sind entscheidend. Darauf müssen sich alle Anbieter einlassen.

Es muss überall selbstverständlich sein, Unterricht mit digitalen Werkzeugen zu gestalten. Dafür müssen die Lehrkräfte aus- und fortgebildet werden. Der Bund greift den Ländern in der Qualitätsoffensive Lehrerbildung mit einer Förderlinie zur Digitalisierung unter die Arme. Die Länder müssen bei der phasenübergreifenden Lehrkräfte-Qualifikation aber noch nachlegen und verbindliche Prüfungsstandards für digitale Kompetenzen entwickeln, zum Beispiel auch im Studium oder im Referendariat.

Wie sieht für Sie die Schule der Zukunft aus?

Brandenburg: Die Schule der Zukunft muss zunächst ein sicherer und vielseitiger Ort sein, wo man gerne gemeinsam lernt und der Chancen eröffnet. Wir wollen weltbeste Bildung für jeden, unabhängig von der sozialen Herkunft und vom Wohnort. Die Schule muss junge Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben in der digitalisierten Arbeits- und Lebenswelt vorbereiten. Den Erwerb von Kompetenzen für das 21. Jahrhundert müssen wir auch in der Schule abbilden, wenn Schule zeitgemäß und innovativ bleiben soll. Die Digitalisierung ist dabei ein wichtiger Baustein, aber sicher nicht der einzige.

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