Digitalisierung der Bildung? Alternativlos!

Ein Gastkommentar von Joachim Rieß

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Die Digitalisierung der Schulen ist nach langen und zähen Bemühungen vorangekommen – zumindest ein Stück weit. Dennoch bleibt noch viel zu tun, gerade im Bereich der zugrundeliegenden Infrastruktur. Ein Kommentar von Joachim Rieß, Experte für Schuldigitalisierung bei Dell Technologies.

Interaktive Tafeln und Smartboards werden laut der Studie „21st Century Schools“ im Unterricht seltener genutzt (58 Prozent) als Tablets (74 Prozent) oder Smartphones (72 Prozent)
Interaktive Tafeln und Smartboards werden laut der Studie „21st Century Schools“ im Unterricht seltener genutzt (58 Prozent) als Tablets (74 Prozent) oder Smartphones (72 Prozent)
(© Gorodenkoff – stock.adobe.com)

Die Digitalisierung der Schulen ist ein Zug, der nicht mehr aufzuhalten ist und nur eine Richtung kennt: vorwärts in die Zukunft. Denn was vor Jahren noch wie eine ferne Vision klang, ist heute vielerorts schon gelebte Realität. So haben Schulen Tablets sowie interaktive Whiteboards angeschafft und die Räume mit WLAN vernetzt. Digitale Bildungsmedien wiederum, die das methodisch-didaktische Potenzial moderner Technik ausnutzen, verändern den Wissenserwerb, fördern vernetztes Denken, stärken kollaborative Arbeitsformen und berücksichtigen individuelle Lernwelten. Natürlich ist noch nicht jede Schule – trotz der Milliarden, die die Politik für die Schuldigitalisierung bislang bereitgestellt hat – in der neuen Welt angekommen. Und deshalb ist es mehr als verständlich, dass 80 Prozent der Deutschen ein einklagbares Recht auf digitale Bildung fordern, wie eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom zeigt. Hinzu kommt, dass sich 92 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger eine verpflichtende Weiterbildung für Lehrkräfte zum Einsatz digitaler Technologien im Unterricht wünschen. 82 Prozent fordern darüber hinaus, dass allen Schülerinnen und Schüler vom Staat ein Tablet oder Laptop zum Lernen zur Verfügung gestellt wird. Genauso viele sind der Meinung, für die digitale Ausstattung von Schulen brauche es bundesweite Mindeststandards.

Wo stehen wir nun bei der Digitalisierung an den Schulen? Was muss und kann noch geändert werden? Die Ausstattung hat sich sicherlich in den letzten Jahren auf Initiative der Politik verbessert. Allerdings lassen sich die verpassten Jahre davor nicht einfach nachholen, indem man Geld zur Verfügung stellt. Eine Klasse mit Endgeräten auszustatten hilft nicht, wenn die komplette Infrastruktur dahinter, also Server, Storage und das passende Netzwerk, fehlen – ganz abgesehen von dem nach wie vor schleppenden Breitbandausbau in strukturschwachen, dünn besiedelten Gebieten. Das sind die Bereiche der Digitalisierung, die als Grundvoraussetzung vorhanden sein müssen. Die aktuellen Förderprogramme sind zudem allesamt Anschubfinanzierungen. So lobenswert sie sind – auch die Folgekosten etwa für Support oder Reparatur müssen bedacht werden. Diese nämlich haben am Ende die Sachaufwandsträger bereitzustellen, denen oft das notwendige Budget fehlt. Werden Fördertöpfe neu ausgelegt, sollte die Politik diesen Punkt unbedingt mit auf die Agenda nehmen. Idealerweise bekommen die Schulen sogar ein frei verfügbares Budget zugeteilt, um eigenverantwortlich digitale Endgeräte, Lernsoftware oder Support-Dienstleistungen einzukaufen. Das würde ihnen den Freiraum geben, die Ausstattung schnell und den eigenen Bedürfnissen entsprechend verbessern zu können. Auch die Weiterbildung der Lehrkräfte muss stärker in den Mittelpunkt rücken. Warum nicht schulinterne Fortbildungen untereinander organisieren, damit sich mehr Lehrerinnen und Lehrer mit den neuen digitalen Möglichkeiten vertraut machen können? Unterstützung ist zudem in einem weiteren Bereich dringend notwendig: Es kann nicht die Aufgabe einer Schulleitung sein, sich um die Ausschreibung einzelner Anschaffungen zu kümmern. Vielmehr könnte beispielsweise die Schulbehörde Musterverträge mit den Herstellern aushandeln und somit das Vergaberecht deutlich vereinfachen. Verbesserungspotenzial ist jedenfalls vorhanden.

Deshalb ist es richtig, dass sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt hat, einen DigitalPakt 2.0 auf den Weg zu bringen, um die Finanzierung der Digitalisierung von Schulen über 2024 hinaus sicherzustellen und Antrags- und Genehmigungsverfahren zu entbürokratisieren. Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut für eine intensivere Kooperation von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft: Das Thema Bildung hat die notwendige Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhalten, der Erwartungsdruck an politisches Handeln ist entsprechend gewachsen. Bildung und deren Digitalisierung kostet Geld, und das dauerhaft. Wenn man das einmal verstanden hat, wird man auch in zwei bis drei Jahren einen völlig anderen Ausstattungsgrad der Schulen sehen und die Vorteile der Digitalisierung spüren können. Jetzt gilt es, die Zukunft im Blick zu behalten, um Fehler bei der heutigen Planung zu vermeiden.

Joachim Rieß
ist Account Executive Public Sector bei Dell Technologies Deutschland.

Bildquelle: Dell

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