Warum sollten Digitalisierungsexperten lieber um Entschuldigung als um Erlaubnis bitten? Was lehrt uns Luke Skywalker über die Bewältigung von Krisen? Und was hat Skifahren mit der deutschen Verwaltung zu tun? Antworten auf derlei ungewöhnliche Fragen lieferte die eGovernment Kommunal Digital Conference 2025.
Zwischen Skifahren und Verwaltungsdigitalisierung gibt es laut der eGovernment-Expertin Eugenia Strasser einige Parallelen.
Eine zweite Auflage der eGovernment Kommunal Digital Conference 2025 ist für den 29. Oktober geplant.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Unter dem Titel „Digitale Verwaltung neu denken“ stand Anfang Februar die erste von zwei Ausgaben der eGovernment Kommunal Digital Conference 2025. Dieses Motto schienen sich einige der geladenen Keynote-Speaker und Best-Practice-Präsentatoren zu Herzen genommen zu haben, denn das Programm las sich ebenso spannend wie ungewöhnlich – um nicht zu sagen abenteuerlich. Es sollte auch gleich rasant losgehen, denn die Idee zu ihrer Eröffnungskeynote war Eugenia Strasser, der eGovernment-Beauftragten im Amt für Digitalisierung und Prozessorganisation bei der Stadt Nürnberg, bei einem Ausflug ins Skigebiet gekommen. Und eben solcher sollte nun als Parabel zur Verwaltungsdigitalisierung dienen.
„Verwaltung im Schlepplift-Modus“
Strasser malte mit Worten das idyllische Bild eines sonnigen Wintertags in den verschneiten Alpen, um die rund 300 virtuell zugeschalteten Zuhörerinnen und Zuhörer jäh in die Realität zurückzuholen: „Ihr seid voller Vorfreude – und dann das Chaos. Der Lift funktioniert nicht, der Ticketschalter ist geschlossen und es gibt keine zentrale Anlaufstelle für Informationen. Ihr fühlt euch wahrscheinlich verloren und total frustriert. Willkommen in der deutschen Verwaltung oder wie ich sie nenne: die Verwaltung im Schlepplift-Modus.“ Im weiteren Verlauf ihrer Keynote bemühte Strasser mehrfach das Bild der gut präparierten Skipiste, mit gut durchdachten und reibungslosen Prozessen, um dieses auf ihr Ideal einer digitalisierten Verwaltung zu übertragen. Ein Ideal, dem sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen bei der Stadt Nürnberg hinterherjagt.
Mit voller Bildgewalt trat auch Marcus Ewald, Geschäftsführer der Dunkelblau GmbH & Co. KG, in seiner Keynote auf, als er zeigte, wie Krisenmanagement nach Art von Luke Skywalker funktioniert. Anhand des Star-Wars-Helden erläuterte er die zwölf Phasen einer erfolgreichen Cyber-Krisenbewältigung. Ein Notfallplan beispielsweise sollte auch funktionieren, unterstrich Ewald. „Sie müssen üben, Sie müssen durchdenken, Sie müssen Red Teaming betreiben.“ Nur so werde der kleine Bauernjunge Luke Skywalker zum X-Wing-Piloten. „Hier übt er nämlich, was er zu tun und nicht zu tun hat. Hier wird man Experte. Und hier trifft auch die Kommune selbst die Entscheidung und muss selbst die Kompetenz aufbauen.“ Was braucht es also, damit die Krisenbewältigung zu einer Heldengeschichte wird und nicht in einer Tragödie endet? Wichtigster Faktor ist laut Ewald eine gute Vorbreitung, hilfreich sind aber auch eine vernünftige Priorisierung und eine Prise Mut.
Deutsche Bürokratie als Exportschlager
Über den Mut, neue und vielleicht auch etwas unbequeme Wege zu beschreiten, sprach auch Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring, den der Autor dieser Zeilen zum Ende des Tages interviewen durfte. Wenn beispielsweise der bayerische Finanzminister Albert Füracker eine digitale Dividende fordere, dann entgegne er diesem: „Lieber Finanzminister, pass' auf, digitale Dividende entsteht ab dem Moment, ab dem wir den Mut haben, den analogen Doppelweg abzuschalten.“ Letzteres sei auch der Grund dafür, warum baltische und skandinavische Länder bei der Digitalisierung so viel besser dastünden. „Nicht, weil die gescheiter sind als wir“, so Fabian Mehrings Erkenntnis, „sondern weil die vor sieben Jahren den Mut hatten, ein Datum zu setzen.“ Ab diesem Stichtag habe es „digital only“ geheißen und digitale Servicestellen hätten all jenen geholfen, die damit nicht zurechtgekommen sind. „Das bringt Ihnen den Druck ins System, den Sie brauchen“, so Dr. Mehring.
Anderen Ländern bei der Entwicklung neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz blindlings nachzueifern, hält der bayerische Digitalminister indes für Unsinn: „Das sind Märkte, die sind jetzt aus Asien und den USA gesättigt.“ Der europäische OpenAI-Chef habe ihm im Zwiegespräch dargelegt, dass man etwa 100 Milliarden US-Dollar investieren müsse, um eigene große Sprachmodelle auf den gleichen Stand zu bringen wie ChatGPT im Jahre 2024. „Das heißt, wir können unglaublich viel Geld kaputt machen, um dritter oder vierter Sieger auf neuen Märkten zu sein.“ Viel lieber sähe der bayerische Digitalminister, „dass wir uns auf unsere Stärken besinnen und uns da eigene USPs, Alleinstellungsmerkmale, auf den Märkten von morgen […] schaffen.“ Eine dieser Stärken sei nun einmal die „preußische Bürokratie“, meinte Dr. Mehring: „Wieso also nicht diese Tugend ins Digitale tragen und GovTech und eGovernment zu einem Exportschlager für die deutsche Digitalwirtschaft machen?“
„Einfach mal machen“
Noch mehr zum Thema Mut trug Johannes Schurr, Bürgermeister der Gemeinde Spraitbach, in seiner Keynote bei. Denn er propagiert eine neue Denkweise zur Verwaltungsdigitalisierung, geprägt von Agilität, Zusammenarbeit und einer offenen Fehlerkultur, die Lust auf Innovationen schafft. Viele seien sich nicht darüber im Klaren, was die oft – auch von ihm selbst – ausgelobte Parole „Einfach mal machen“ eigentlich bedeutet. „Einfach mal machen ist der Aufruf als Führungskraft an mein Team, an meine Leute, Fehler zu machen“, so Schurr. Durch eine solche Kultur werde jeder Fehler zu einem Akt des Engagements, in dem jemand ausprobiert, welcher von fünf verschiedenen Wegen zum Ziel führt. „Und hinterher kann ich ihm auf die Schulter klopfen und sagen: ‚Danke, dass du den Weg ausprobiert hast.‘“
Stand: 08.12.2025
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In die gleiche Kerbe schlug später Susanne Kaletta, die als Teamleitung Projektmanagement und Digitalisierung bei der Stadt Lünen das sogenannte Governance-Scrum-, oder kurz GRUM-Modell etabliert hat. Agile Modelle in der Verwaltung zu etablieren, sei durchaus herausfordernd, gab sie zu. „Das funktioniert vielleicht nicht immer und da bietet sich dann der Begriff der Hybridität an.“ Traditionelle Vorgehensmodelle und Methoden eigneten sich beispielsweise immer dann, wenn man den Weg und die Ziele wirklich genau kenne. „Aber agil kann ich zum Beispiel dann die Lösungsansätze erarbeiten.“ Um eine agile Arbeitsweise zu etablieren, unterstützt ihr Team die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter anderem durch klassische Formate wie Workshops: „Wir erzählen nicht nur, was ist eine Retrospektive, sondern wir machen sie auch. Wir sagen nicht nur, was ist ein Kanban-Board, sondern wir arbeiten auch daran, um Theorie und Praxis gut miteinander zu vermischen.“ Dabei bleibe das Team immer in der Verwaltungssprache und am Verwaltungsbeispiel.
Weitere Programmpunkte
Konventionellere Themen durften auf dem Programmplan jedoch auch nicht fehlen. So sprach Michael Pfleger, Gesamtprogrammleiter Registermodernisierung bei der FITKO (Föderale IT-Kooperation), über erreichte Meilensteine und aktuelle Fortschritte im Zuge der Registermodernisierung. Er gab den Kommunen überdies einige Fragen an die Hand, mit denen sie sich gut auf die eigenen Aufgaben vorbereiten könnten: „Als erstes wichtig zu prüfen, für was bin ich eigentlich zuständig? Wo habe ich Regelungskompetenz und Vollzugskompetenz? Was habe ich auch selbst beauftragt? Und wenn Sie das haben, werden Sie merken: So viele Register sind es gar nicht.“ Weitere Tipps gab es im anschließenden Experten-Talk zur Registermodernisierung.
Wie Kommunen voneinander lernen können, zeigten Martina Nolte, Teamleitung eGovernment bei der Stadt Mönchengladbach, und Jan Klumb, Referent für Ordnung, Digitale Verwaltung sowie Bürgerinnen- und Bürgerservice bei der Landeshauptstadt Wiesbaden. Wie das „digitalste Dorf Deutschlands“ mithilfe von offenen Standards und Open Source für eine bessere Wiederverwendbarkeit sorgt, beleuchtete Ulrich Ahle, Ortsvorsteher der Gemeinde Etteln und CEO der Gaia-X European Association for Data and Cloud AISBL. Weitere Themen aus der Praxis steuerten Partnerunternehmen und Sponsoren bei. Während Florian Zube und Kaj-Hendrik Büchting von Fujitsu beleuchteten, wie Private GPT die Kommunen verändern kann, sprachen Andreas Livert und Andreas Helling von Extreme Networks über zukunftsfähige Netzwerktechnologie für kommunale Einrichtungen. Michael Veit von Sophos hatte sich die NIS-2-Verordnung als Thema auserkoren, Tom Goll von STACKIT die Vereinbarkeit von Cloud und digitaler Souveränität. Zur Demokratisierung der Cybersicherheit äußerte sich Michael Hlevnja von Google Cloud; und Sven Lueckerath und Manuel Grois von Juniper Networks ließen in ihrer Session künstliche Intelligenz ins Netzwerk.
Das abwechslungsreich gestaltete Programm kam auch beim Publikum ausgesprochen gut an. „Sehr kurzweilig, auch dank der guten Moderation“, so ein Feedback, das dem Team der Vogel IT-Akademie zuging. Ein weiterer Teilnehmer warf die Frage auf, warum sich im Auditorium nicht noch viel mehr Menschen tummelten: „Diese Veranstaltung ist so erkenntnisreich und wertvoll. Warum sind da nicht zehntausende Teilnehmende aus allen Verwaltungen und Behörden?“ Möglicherweise sind einige von ihnen ja am 29. Oktober 2025 bei der nächsten Ausgabe der eGovernment Kommunal Digital Conference dabei – oder, um die Worte von Bürgermeister Johannes Schurr aufzugreifen: „Einfach mal machen!“