Smart-City-Apps: ein Wegweiser für Kommunen Die Stadt in der Hosentasche

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Mit Smart-City-Apps können Kommunen den Zugang zu digitalen Diensten und Informationen erleichtern und die Kommunikation mit den Bürgern verbessern. Aber welche Lösung passt? Ein neuer Leitfaden hilft bei der Auswahl, indem er verfügbare Apps bewertet; der Schwerpunkt liegt dabei auf Open-Source-Lösungen.

Echtzeitdaten zu Wetter und Verkehr, Veranstaltungen und News  – über eine City App können nicht nur alle Informationen gebündelt, sondern auch Smartphone-Funktionen wie Navigation besser eingebunden und Fotos leichter geteilt werden. (© Maridav – stock.adobe.com)
Echtzeitdaten zu Wetter und Verkehr, Veranstaltungen und News – über eine City App können nicht nur alle Informationen gebündelt, sondern auch Smartphone-Funktionen wie Navigation besser eingebunden und Fotos leichter geteilt werden.
(© Maridav – stock.adobe.com)

Eine App für die eigene Stadt oder Gemeinde – für viele Kommunen klingt das nach einer attraktiven Lösung, denn damit lassen sich alle Angebote und Informationen einfach und mobil per Smartphone abrufen, die „Stadt in der Hosentasche“, wie es gern heißt.

Allerdings sollte ja längst auch für Webseiten die mobile Nutzung gegeben sein, etwa durch responsives Design. Welchen besonderen Nutzen bietet dann eine App? Das ist die erste Frage, die Forschende des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) in ihrer aktuellen Studie zu Smart-City-Apps stellen. Während eine Website nur bei Bedarf aufgesucht werde, könnten Nutzende auch durch Push-Nachrichten und Gamification-Ansätze angeregt werden, die App regelmäßig zu verwenden. Die Smart-City-App werde somit eher „als Portal für alle relevanten und aktuellen Informationen der eigenen Kommune wahrgenommen“. Auch könnten Smartphone-Funktionen wie Navigation besser eingebunden, Fotos leichter geteilt werden; hinzu kommt der mögliche Zugriff auf Echtzeitdaten etwa zu Wetter, Verkehr oder Luftqualität über integrierte Datenplattformen.

„Der Erfolg einer Smart-City-App hängt von zahlreichen Faktoren ab“, die Wahl einer geeigneten, auf die individuellen Bedürfnisse einer Kommune ausgerichteten Lösung, sei jedoch ausschlaggebend, erklärt Studienautorin Natalie Meides, Smart City Engineer am Fraunhofer IESE. Doch angesichts einer wachsenden Zahl von Anwendungen, die sich auf den ersten Blick ähneln, in Bezug auf Lizenzen und Betriebsmodell und auch Funktionen jedoch stark unterscheiden können, fällt der Überblick nicht leicht. Die vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) herausgegebene Studie „Smart-City-Apps – Möglichkeiten und Lösungen“ will die Verantwortlichen in den Kommunen bei der Bewertung und Auswahl unterstützen.

Dazu sollten zunächst einmal Ziele und Zielgruppen definiert und daraus dann die eigenen Anforderungen abgeleitet werden, wie die Autoren erläutern. In ihrem als Leitfaden konzipierten Papier stellen sie die Vor- und Nachteile proprietärer und Open-Source-Lösungen gegenüber und erklären, was bei der Entscheidung für ein Betriebsmodell – im kommunalen Eigenbetrieb oder in der Cloud – zu beachten ist. Zu den Fragen, die sich Verantwortliche im Vorfeld stellen sollten, gehört zum Beispiel die nach verfügbaren Kompetenzen, um eine Open-Source-Lösung zu betreuen, aber auch generell nach den verfügbaren personellen, technischen oder finanziellen Ressourcen. Auch mögliche Partnerschaften sollten in Betracht gezogen und Fördermöglichkeiten geprüft werden.

Open-Source-Lösungen im Check

Für eine ausführliche Bewertung haben die Forschenden einen speziellen Kriterienkatalog entwickelt. Ausgehend von der zunehmenden Bedeutung von Open-Source-Apps im kommunalen Kontext und auch, weil die technische Bewertung proprietärer Lösungen nur beschränkt möglich ist, fokussiert sich diese Analyse auf Open-Source-Apps. Entsprechend sind auch die technischen Kriterien gefasst: In mehreren Punkten wird beispielsweise die Dokumentation betrachtet. In den allgemeinen Kriterien werden die Zusammenarbeit mit der Community bzw. mit Dienstleistern, Referenzen und Nutzerfreundlichkeit bewertet. Letztere Einschätzung basiert auf der System Usability Scale (von John Brooke); statt manueller Bewertung kam aber hier das vom Fraunhofer IESE entwickelte KI-Tool Quasar zum Einsatz, das Open-Source-Software im Hinblick auf Usability und Dokumentation bewerten kann.

Mit dem Kriterienkatalog erhielten Kommunen ein Hilfsmittel, mit dem sie selbstständig Smart-City- Apps analysieren und vergleichen können, so das Fazit der Autoren.

Übersicht der vorgestellten Smart-City-Apps (©  BBSR Bonn, 2025)
Übersicht der vorgestellten Smart-City-Apps
(© BBSR Bonn, 2025)

Im Anhang werden zudem alle vorgestellten Apps – proprietäre wie auch Open-Source-Lösungen – genau beschrieben und die Kriterien ausführlich erläutert.

Über die Studie

Die Studie „Smart-City-Apps – Möglichkeiten und Lösungen. Ein Marktüberblick für Kommunen“ ist Teil der Begleitforschung für die Modellprojekte Smart Cities und wurde erstellt von Natalie Meides, Dr. Matthias Berg, Tizia Grether, Adeline Silva Schäfer. Die Übersicht basiert auf vorangegangenen Studien und Projekterfahrungen im kommunalen Umfeld des Fraunhofer IESE, auf Desk Research sowie dem Austausch mit Kommunen. Zu sechs der vorgestellten proprietären Apps konnten zudem Interviews mit den Anbietern geführt werden. Eine abschließende Darstellung aller deutschsprachigen proprietären Apps sei aufgrund der Vielfalt und Dynamik im Markt nicht möglich, die Verfasser konzentrieren sich auf die Betrachtung des kleineren Bereichs für Open-Source-Lösungen, für den wachsendes Interesse verzeichnet wird. Hier erhebt die Studie den Anspruch, den Markt „weitestgehend komplett zu erfassen und darzustellen".

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