Digitalisierung Der europäische Weg zur Souveränität

Von Susanne Ehneß 2 min Lesedauer

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Von Gaia-X bis DVC: Auf der To-do-Liste stehen Souveränität, Open Source und Cloud ganz oben. Die neue Bundesregierung wird sich fördernd und gestaltend einbringen müssen.

Teilnehmer des Roundtables (v. l.): Ernst Stöckl-Pukall (BMWK), Felix Kronlage-Dammers (SCS), Julia Nitzschner (Silicon Saxony, Moderation), Miriam Seyffart (Open Source Business Alliance), Gernot Hoffstetter (Yorizon Cloud), Oliver Nyderle (T-Systems), Gregor Schumacher (cloud ahead), Till Hertwig (N+P Informationssysteme), Dr. Marius Feldmann (ALASCA). (©  ALASCA)
Teilnehmer des Roundtables (v. l.): Ernst Stöckl-Pukall (BMWK), Felix Kronlage-Dammers (SCS), Julia Nitzschner (Silicon Saxony, Moderation), Miriam Seyffart (Open Source Business Alliance), Gernot Hoffstetter (Yorizon Cloud), Oliver Nyderle (T-Systems), Gregor Schumacher (cloud ahead), Till Hertwig (N+P Informationssysteme), Dr. Marius Feldmann (ALASCA).
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Der Ruf nach digitaler Souveränität wird immer lauter. Vor dem Hintergrund geopolitischer Veränderungen will sich Deutschland unabhängiger von Hyperscalern aus Übersee machen und eine eigene, belastbare Infrastruktur aufbauen – gemeinsam mit den europäischen Nachbarländern. „Europa steht unter Druck“, sagte Julia Nitzschner von Silicon Saxony kürzlich bei einem Roundtable des Verbandes ALASCA, der sich für offene Cloud-Infrastrukturen einsetzt.

Miriam Syffarth, Leiterin Politische Kommunikation bei der OSBA. (©  OSBA)
Miriam Syffarth, Leiterin Politische Kommunikation bei der OSBA.
(© OSBA)

Miriam Seyffart von der Open Source Business Alliance (OSBA) fordert deshalb von der neuen Regierung „massive Investitionen“ in Open-Source-Lösungen. Die bisherigen, geförderten Leuchtturmprojekte stünden in keinem Verhältnis zu den Ausgaben bei proprietären Lösungen. Seyffart bezieht sich dabei auch auf die finanzielle Situation des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS), das dringend mehr Unterstützung durch die Politik brauche, auch finanziell. Seyffart betont, dass die Unterstützung des Bundes für Open Source nicht nur auf Förderebene, sondern auch bei der eigenen Beschaffung ausgebaut werden müsse. Deutschland solle bei der Vergabe in Open-Source-Lösungen investieren. Europa habe ein anderes Wertesystem als beispielsweise die USA: Es arbeite nachhaltig, gemeinsam und kooperativ, auch wenn es dadurch in den Prozessen oft langsamer sei.

ALASCA-Vorstand Dr. Marius Feldmann.(©  ALASCA)
ALASCA-Vorstand Dr. Marius Feldmann.
(© ALASCA)

Die europäischen Werte betont auch Oliver Nyderle, Head of Digital Trust & Web 3 bei der Telekom. Es brauche eine Alternative zu US-Hyperscalern, die europäisch und übergreifend denkt. „Es bringt nichts, wenn wir das kopieren, was andere schon haben“, sagt Nyderle. Zudem habe es beispielsweise mit der Telekom Cloud bereits Bemühungen gegeben, einen Hyperscaler aufzubauen, mit der Sovereign Cloud gebe es mittlerweile sogar den dritten Anlauf. „Der Marktbedarf ist nicht da“, resümiert Nyderle. Auch Miriam Seyffart hält es nicht für notwendig, einen europäischen Hyperscaler aufzubauen und schlägt stattdessen Kooperationen in einem dezentralen System vor. Seyffart wünscht sich von der neuen Bundesregierung „ein klares Open-Source-Commitment“.

Gleichwohl gibt es eine europäische Initiative, die sich bereits seit 2019 für eine souveräne Cloud-Infrastruktur einsetzt: Gaia-X. Als technischer Unterbau dient der Sovereign Cloud Stack. Zwar steht Gaia-X zunehmend in der Kritik und wurde schon oft totgesagt, doch die positiven Auswirkungen des Projekts sind nicht zu leugnen. „Gaia-X halte ich nicht für gescheitert, da es sehr viele Impulse ausgelöst hat“, sagt ALASCA-­Vorstand Dr. Marius Feldmann. Der „Trigger Gaia-X“ habe die Sichtbarkeit für Open Source enorm erhöht.

Ernst Stöckl-Pukall, Leiter des Referates „Digitalisierung, Industrie 4.0“ im BMWK.(©  BMWK)
Ernst Stöckl-Pukall, Leiter des Referates „Digitalisierung, Industrie 4.0“ im BMWK.
(© BMWK)

Auch Ernst Stöckl-Pukall, Leiter des Referates „Digitalisierung, Industrie 4.0“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, verweist auf die positiven Auswirkungen. Gaia-X sei eine „zutiefst europäische Idee“ mit der Kernbotschaft, „kollaborativ und nicht-proprietär“ ein System aufzubauen. Zudem sei Gaia-X laut Stöckl-Pukall nie mit dem Anspruch angetreten, ein Hyperscaler werden. Die Rolle der Bundesregierung beim Ausbau einer ­souveränen Infrastruktur sieht Stöckl-Pukall eher moderierend und fördernd. „Wir wollen gestalten“, betont er.

Mit der Deutschen Verwaltungscloud (DVC) geht der Weg Richtung Souveränität weiter. Das Cloud-Service-Portal für Bund, Länder und Kommunen ist offiziell gestartet und soll die Cloud-Transformation der Verwaltung vorantreiben, und zwar kooperativ. Ganz im Sinne des europäischen Gedankens also.

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