Deutschland hat erstmals ein eigenständiges Digitalministerium – eine wichtige Voraussetzung für den überfälligen Ausbau der digitalen Verwaltung. Ein Blick nach Dänemark zeigt, wie es gehen kann: Dort verfolgt man seit über 20 Jahren eine ambitionierte Digitalstrategie.
Insbesondere mit Blick auf Infrastruktur, digitale Identitäten sowie Innovationsklima und Serviceorientierung ist Dänemark gut aufgestellt.
(Bild: coffeemill - stock.adobe.com)
Ein leistungsfähiger digitaler Staat braucht eine robuste, flächendeckende und zukunftssichere digitale Infrastruktur. Dänemark erfüllt diese Anforderung bereits nahezu vollständig: 98 Prozent aller Haushalte im Land verfügen über einen Zugang von mindestens 100/30 Mbit/s, und 94 Prozent sogar über einen noch schnelleren Anschluss mit 1 Gbit/s. In Kombination mit einem flächendeckenden 5G-Netz – selbst in ländlichen Regionen – sorgt dies für eine jederzeit stabile Verbindung ins Internet.
Diese Verlässlichkeit bildet das Rückgrat der digitalen Verwaltung und ermöglicht es Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen gleichermaßen, sämtliche staatlichen Dienstleistungen digital und ohne Unterbrechung in Anspruch zu nehmen. Doch wie kann Deutschland von Dänemarks Erfahrung profitieren und welche Rahmenbedingungen sind dafür nötig?
Digitale Infrastruktur als Fundament der Verwaltungsmodernisierung
In Deutschland besteht nach wie vor deutlicher Aufholbedarf in der Bereitstellung von zukunftsfähigen Infrastrukturen. Zwar kommt der Glasfaserausbau voran – laut BREKO lag die Ausbauquote Ende 2024 bei 48,8 Prozent der Haushalte, während die Anschlussquote bei 24,5 Prozent lag – doch die Lücken sind spürbar. Gerade in strukturschwachen Regionen hemmen langsames Internet und unzureichender Mobilfunk die Einführung digitaler Verwaltungsangebote. Die Bundesregierung hat ambitionierte Ziele formuliert, darunter eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser- und 5G-Netzen bis 2030. Dennoch bleibt der Erfolg abhängig von einem beschleunigten Ausbau, schnelleren Genehmigungsverfahren und klaren Zuständigkeiten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.
Redundanz: Resilienz durch doppelte Absicherung
Redundanz ist ein Grundpfeiler digitaler Souveränität – die gezielte Auslegung technischer Systeme und Netzwerke mit parallelen Strukturen, die im Falle einer Störung sofort übernehmen können. Die digitale Verwaltung Dänemarks basiert auf einer Infrastruktur, die genau diesem Prinzip folgt: Mehrere redundante Rechenzentren, unterschiedliche Datenrouten und alternative Zugangspunkte gewährleisten den kontinuierlichen Betrieb, selbst bei Ausfällen oder Cyberangriffen. Infrastrukturanbieter haben diese Entwicklung über die Jahre maßgeblich mit vorangetrieben. Sie erkennen die Bedeutung einer robusten Infrastruktur und integrieren gezielt Resilienz Mechanismen, um das digitale Rückgrat des Landes zu schützen.
In Deutschland ist das Thema Redundanz bislang nur punktuell adressiert. Zwar bestehen gesetzliche Anforderungen an die Ausfallsicherheit kritischer Infrastrukturen, doch oft fehlt es an durchgängigen Konzepten, die über Einzelmaßnahmen hinausgehen. Gerade angesichts steigender Cyberbedrohungen und wachsender Abhängigkeit von digitalen Systemen wäre es notwendig, Redundanz strategisch zu verankern, z.B. durch ein nationales Konzept für digitale Resilienz, in dem Netzsicherheit, Datenhaltung, dezentrale IT-Strukturen und Notfallmechanismen integriert gedacht werden.
Über GlobalConnect
Mit mehr als 244.000 Kilometern Leitungen betreibt GlobalConnect eines der größten Glasfasernetze in Nordeuropa. Durch diese geografische Ausdehnung ist es möglich, mehrfache Routen zwischen Standorten zu schaffen. Diese pfadredundanten Verbindungen garantieren, dass auch bei einer Störung der Datenverkehr über alternative Leitungen fortgeführt werden kann.
Weiterhin betreibt das Unternehmen mehrfach abgesicherte Rechenzentren, diese arbeiten standortübergreifend redundant. Kunden erhalten dedizierte Dual-WAN- oder Multi-WAN-Lösungen mit automatischem Failover. Durch sein internationales Backbone und die Präsenz in mehreren Ländern (z. B. Dänemark, Deutschland, Schweden, Norwegen, Finnland) ist GlobalConnect in der Lage, auch länderübergreifende Redundanzkonzepte umzusetzen – ein wichtiger Aspekt für international tätige Unternehmen.
Digitale Identitäten und Zugang: Alltagstauglich oder ausbaufähig?
Die Nutzung digitaler Verwaltungsdienste hängt entscheidend davon ab, wie einfach, sicher und alltagstauglich der Zugang gestaltet ist. In Dänemark ist die digitale Identität MitID (Vorgänger NemID wurde bereits 2003 eingeführt) zentraler Bestandteil des digitalen Lebens: Sie wird für nahezu alle Online-Dienste genutzt, ist intuitiv bedienbar und flächendeckend verbreitet. Portale wie borger.dk für Bürger oder virk.dk für Unternehmen bündeln die Verwaltungsleistungen klar strukturiert und benutzerfreundlich.
Ein aktuelles Beispiel für die digitale Reife des Landes: Ab 2026 stellt das dänische Postunternehmen PostNord die Briefzustellung vollständig ein, weil der Bedarf kaum noch vorhanden ist – nahezu die gesamte Behördenkommunikation läuft längst digital. Ein weiterer Schritt in der fortschreitenden Digitalisierung Dänemarks, während in Deutschland vielerorts Behörden noch immer Faxe verschicken. Der Kontrast könnte kaum größer sein und verdeutlicht, wie weit Deutschland in der digitalen Verwaltungsmodernisierung noch hinterherhinkt.
Stand: 08.12.2025
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In Deutschland ist das Potenzial der digitalen Identität (eID) bisher nur teilweise ausgeschöpft. Zwar zeigt der eGovernment Monitor 2024 eine steigende Nutzungsrate (39 Prozent aktiviert, 22 Prozent mindestens einmal genutzt), doch von einer breiten Integration in den Alltag ist man noch entfernt. Auch die Vielzahl an Portalen und fehlende Standardisierung erschweren den Zugang: Nutzerinnen und Nutzer müssen häufig zwischen unterschiedlichen Plattformen und Zuständigkeiten wechseln, was Vertrauen und Nutzungshäufigkeit reduziert.
Innovationsklima und Serviceorientierung: Verwalter versus Gestalter
Dänemark überzeugt durch eine konsequent nutzerzentrierte Verwaltungskultur. Die öffentliche Hand versteht sich als Dienstleister, nicht als bürokratische Instanz. Kombiniert mit einer Digital-First-Strategie, einer aktiven Open-Data-Politik und Innovationsförderung – etwa im Smart-City-Bereich – entsteht ein dynamisches digitales Ökosystem, das auch wirtschaftliche Impulse setzt.
In Deutschland hingegen dominiert vielerorts noch die klassische Verwaltungslogik. Zwar existieren Pilotprojekte, digitale Labore und Ansätze für API-Nutzung, doch diese bleiben oft in Modellregionen oder Abteilungen stecken. Rechtliche Unsicherheiten, Ressortdenken und fehlende Skalierungsmöglichkeiten bremsen Innovation aus. Eine echte Servicekultur mit Fokus auf Nutzerfreundlichkeit und Effizienz ist bislang nicht flächendeckend verankert.