Cloud in der Verwaltung Cloud-Plattformen als Schlüssel für eine moderne Verwaltung

Ein Gastbeitrag von Michael Kiefer 5 min Lesedauer

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Cloud-Plattformen sind der entscheidende Hebel, um die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung umzusetzen. Welche Mehrwerte die Transformation in die Cloud bringt – und wie sie souverän, sicher und praxisnah gelingen kann.

Der Deutschland-Stack liefert den Bauplan. Cloud-Plattformen liefern das Fundament.(Bild:  KI-generiert)
Der Deutschland-Stack liefert den Bauplan. Cloud-Plattformen liefern das Fundament.
(Bild: KI-generiert)

Zwei Drittel der öffentlichen Verwaltungen planen in den kommenden Jahren den Wechsel in die Cloud. Viele haben ihre Digitalisierungsstrategie bereits konsequent darauf ausgerichtet – und der Großteil ist überzeugt: Ohne Cloud wird die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung kaum gelingen.

Eine digitale Verwaltung ist die Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit unseres Staates: Bürgerinnen und Bürger profitieren von einem schnellen Zugang zu Leistungen. Und Behörden, die sich mit immer komplexer werdenden Verfahren, Fachkräftemangel und gleichzeitig höheren Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Skalierbarkeit konfrontiert sehen, werden entlastet. Cloud-Plattformen schaffen dafür die gemeinsame Grundlage: Sie stellen Infrastruktur, Integration und Basisdienste standardisiert bereit und ermöglichen so, dass digitale Services wiederverwendbar in die Fläche kommen. Moderne Technologien wie künstliche Intelligenz lassen sich so sicher und als Teil einer skalierbaren Verwaltungsarchitektur einführen.

Cloud-Plattformen als Basis für den Deutschland-Stack

Mit der Deutschen Verwaltungscloud und dem Deutschland-Stack (D-Stack) gibt es dafür bereits die richtigen Grundlagen: Bund und Länder bauen föderale Multi-Cloud-Strukturen auf, über die Cloud-Services verwaltungsweit bereitgestellt werden können. Bis 2028 soll eine souveräne Technologie-Plattform entstehen, die skalierbare Lösungen für Bund, Länder und Kommunen bereitstellt. Zentral dafür sind gemeinsame Standards und Basiskomponenten, die eine flächendeckende Nachnutzung ermöglichen sollen.

Die aktuelle Ausgestaltung des Deutschland-Stacks orientiert sich an technischen Standards wie Kubernetes für die Orchestrierung, einem konsequenten API-First-Ansatz für die Integration und virtualisierten, softwarebasierten Infrastrukturen. Diese Technologien setzen moderne Cloud-Architekturen voraus, da sie ihre Stärken in dezentralen Infrastrukturen nicht ausspielen können.

Cloud-Plattformen werden damit zur notwendigen Voraussetzung, um den Deutschland-Stack effizient umzusetzen. Nur über cloudbasierte Standards werden Anwendungen portierbar und das Prinzip „Einer für Alle“ auch technisch praktikabel. Durch resiliente und hochredundante Cloud-Plattformen auf Basis einer zentralisierten IT-Infrastruktur werden die unterschiedlichen Anforderungen von Bund, Ländern und Kommunen flexibel abgedeckt. Durch die gemeinsame Basis entsteht eine starke Grundlage für Synergien, Effizienz und Zusammenarbeit über alle Ebenen hinweg. Fachverfahren, Verwaltungsprozesse werden vereinfacht und standardisiert und Anwendungen werden den Nutzenden individuell zur Verfügung gestellt.

Gemeinsame Plattform statt Insellösungen

Wie schaffen wir also den Umstieg zu cloudbasierten Plattform-Infrastrukturen so, dass er schnell, sicher und souverän gelingt? Wir benötigen klare strategische Prioritäten: Cloud-first, Standard-first und AI-first. Damit wird die Integration und Wiederverwendbarkeit ermöglicht. Für eine flächendeckende Nachnutzung – und damit für den Deutschland-Stack – ist die Einbeziehung von bewährten Bausteinen, der Einsatz von Cloud-Technologie in allen Schichten des Tech-Stacks (also IaaS, PaaS und SaaS) und der Betrieb aller Verfahren in einer Umgebung, die klare Anforderungen an Sicherheit, Datenverarbeitung und Zuständigkeiten erfüllt, entscheidend. Spätestens wenn Leistungen bundesweit nachgenutzt werden sollen, braucht es diese gemeinsame technologische Basis.

Durch resiliente und hochredundante Cloud-Plattformen auf Basis einer zentralisierten IT-Infrastruktur werden die unterschiedlichen Anforderungen von Bund, Ländern und Kommunen flexibel abgedeckt.

Eine gemeinsame Cloud-Plattform schafft standardisierte Integrationsschichten, die dezentrale Systeme abstrahieren. Sie ermöglicht Shared Services – wiederverwendbare Bausteine etwa für Identität, Zahlungsabwicklung, Fallmanagement oder Registerzugriffe. Genau so wird auch das Once-Only-Prinzip praktisch umsetzbar: Daten müssen nur einmal erfasst werden und können verwaltungsweit verfügbar gemacht werden.

Für die Behörden vor Ort bedeutet dieser Plattform-Gedanke einen Kulturwandel: Weg von der „Projekt-Logik“, bei der für jedes Fachverfahren eine eigene Hardware beschafft wird, hin zur Konsum-Logik. Die Aufgabe ist, die eigene IT anschlussfähig zu machen, um diese zentralen Dienste einfach nutzen zu können.

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Mit konkreten Use-Cases Tempo aufnehmen

Die gute Nachricht: Wir müssen nicht warten. Im Gegenteil: Jede Behörde kann sofort wirksam werden und konkrete Use-Cases vorantreiben. Sie sollten sich auf einzelne, fachlich abgegrenzte Lösungen fokussieren, die sofort einen Mehrwert bieten und auf die Modernisierungsagenda einzahlen. Exzellente, cloudbasierte Lösungen können dann durch eine gemeinsame Infrastruktur und Standards anderen zur Verfügung gestellt werden.

Jede Behörde kann sofort wirksam werden und konkrete Use-Cases vorantreiben.

Damit dieses Prinzip funktioniert, braucht es jedoch einen kulturellen Wandel in den Amtsstuben. Echte Nachnutzung bedeutet nicht nur, stolz die eigenen Lösungen zu präsentieren. Es bedeutet auch, Lösungen anderer zu adaptieren – auch wenn diese vielleicht „nur“ 90 Prozent der eigenen lokalen Wünsche abdecken. Wer den Deutschland-Stack will, muss bereit sein, funktionierende Standards von anderen zu übernehmen, statt das Rad (oder das Formular) neu zu erfinden. Cloud-Technologie macht dieses Teilen technisch trivial – die organisatorische Bereitschaft dazu muss die Verwaltung selbst mitbringen.

Sicherheit und Souveränität als Ergebnis

Nachvollziehbare Bedenken bei der Einführung von Cloud-Plattformen betreffen vor allem Sicherheit und digitale Souveränität. Natürlich müssen Cloud-Lösungen, die in der Verwaltung eingesetzt werden, strenge Sicherheitsanforderungen erfüllen und entsprechende Prüf- und Freigabeprozesse durchlaufen. Doch diese Anforderungen stehen einer Cloud-Strategie nicht entgegen – im Gegenteil: Richtig umgesetzt, können Cloud-Plattformen dazu beitragen, die Verwaltung sicherer zu machen und ihre digitale Handlungsfähigkeit zu stärken.

Eine professionell gemanagte Cloud-Infrastruktur kann das Schutzniveau der Verwaltung deutlich erhöhen: Durch automatisierte Updates, redundante Systeme und anerkannte Zertifizierungen wird Sicherheit zu einer Designvorgabe, die zentral gewährleistet wird und lokale IT-Abteilungen massiv entlastet.

Wenn Behörden Standardsoftware, Open-Source-Lösungen und Eigenentwicklungen sinnvoll kombinieren, schafft das Flexibilität – und damit Wahlfreiheit und Wechselfähigkeit innerhalb klarer rechtlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen.

Digitale Souveränität bedeutet vor allem eins: handlungsfähig zu bleiben. Cloud-Systeme können genau das ermöglichen, weil sie Anwendungen, Daten und technische Komponenten stärker entkoppeln und damit modularer nutzbar machen. Wenn Behörden Standardsoftware, Open-Source-Lösungen und Eigenentwicklungen sinnvoll kombinieren, schafft das Flexibilität – und damit Wahlfreiheit und Wechselfähigkeit innerhalb klarer rechtlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen.

Damit diese Vielfalt nicht zu neuen Insellösungen führt, braucht es offene Standards, definierte Schnittstellen und ein interoperables Ökosystem. Nur so bleiben Systeme integrierbar, Bausteine austauschbar und Lösungen über föderale Ebenen hinweg nachnutzbar. Wer Cloud-Dienste auf dieser Basis nutzt, behält die Hoheit über seine Prozesse und Daten, und profitiert gleichzeitig von der Innovationskraft des Marktes.

Sicherheit und Souveränität sind damit keine Hindernisse für den Weg in die Cloud, sondern können das Ergebnis einer konsequenten Plattform-Strategie sein.

Fazit: Gemeinsam in die Umsetzung

Der Deutschland-Stack liefert den Bauplan. Cloud-Plattformen liefern das Fundament. Das Haus bauen alle gemeinsam durch konkrete Anwendungen. Für die Verantwortlichen heißt das: Die Cloud-Transformation ist die Chance auf die Gestaltung einer europäisch anschlussfähigen und interoperablen digitalen Architektur für Bund, Länder und Kommunen. Gemeinsam können alle Beteiligten zukunftsfähige Lösungen schaffen, um nicht nur die eigene Handlungsfähigkeit zu sichern, sondern aktiv den digitalen Staat von morgen aufzubauen.

Der Autor
Michael Kiefer arbeitet seit 2011 bei SAP und ist verantwortlich für das Technologiegeschäft mit der deutschen Bundesverwaltung. Er arbeitet mit seinem Team daran, heterogene IT-Landschaften der Bundesverwaltung zu modernisieren und Ende-zu-Ende-Verfahren umzusetzen.

Bildquelle: SAP

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