Digitale Schule

Bildung ist ein anspruchsvolles Grundrecht

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Medienkompetenz

Hinsichtlich der Medienkompetenz gibt es allerdings kritische Blicke. 79 Prozent der Lehrer denken, dass ihre Schüler Informationen aus dem Internet nicht kritisch hinterfragen und einordnen können. Dabei ist die Fähigkeit, digitale Medien sinnvoll zu nutzen, eine der Grundvoraussetzungen für eine gelungene Integration in den Unterricht. Allgemein das Thema „digitale Bildung“ sollte mehr Aufmerksamkeit erfahren, meinen auch die deutschen Unternehmen. Laut einer Bitkom-Umfrage erwarten 55 Prozent der Befragten, dass sich die Bundesregierung prioritär um die ­digitale Bildung kümmern soll.

Koalitionsvertrag

Dabei ist digitale Bildung im Koalitionsvertrag zwischen SPD, FDP und Grünen festgeschrieben. Neben dem Digitalpakt, für den klar ein Nachfolger vereinbart wurde, ist dort auch festgelegt, dass „die Einrichtung einer Bundeszentrale für digitale Bildung“ geprüft werden soll. Und: „Wir werden gemeinsam mit den Ländern digitale Programmstrukturen und Plattformen für Open Educational Ressources (OER), die Entwicklung intelligenter, auch lizenzfreier Lehr- und Lernsoftware sowie die Erstellung von Positivlisten datenschutzkonformer, digitaler Lehr- und Lernmittel unterstützen“, heißt es im Koalitionsvertrag.

Netzwerk Bildung Digital

Ein bereits abgeschlossenes Projekt ist das „Netzwerk Bildung Digital“. Hier konnten sich Akteure aus allen Bildungsbereichen vernetzen und gemeinsam an Konzepten arbeiten. Das Projekt wurde von Juni 2021 bis März 2023 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und erarbeitete Leitlinien zur Weiterentwicklung der digitalen Bildung in Deutschland.

Die fünf zentralen Leitlinien für eine gute digitale Bildung sind demnach:

  • Zielfindung: Ziele formulieren – als Wegweiser und Verständigungshilfe über die Bildungsbereiche hinweg.
  • Haltung entwickeln: Eine offene Haltung braucht die Möglichkeit, sich ausprobieren zu können – in einem geschützten Rahmen und nach eigenem Tempo.
  • Technische Ausstattung: Die technische Ausstattung entlang der Bildungsbiografie denken und alle Bildungsbereiche mit entsprechenden Ausstattungsprogrammen versehen.
  • Fortbildung & Beratung: Fortbildung und Beratung als kontinuierliche Begleitung betrachten, die kompetenz- und bedarfsorientiert organisiert und umgesetzt wird.
  • Kommunikation & Austausch: Kommunikation und Austausch als institutionalisierter Normalzustand statt als optionale Zusatzaufgabe – gebündelt und koordiniert durch regionale Gremien.

„Die Leitlinien zeigen deutlich, dass wir eine Gesamtvision für digitale Bildung in Deutschland brauchen“, lässt sich Jacob Chammon, Vorstand Forum Bildung Digitalisierung, zitieren. „Ob Haltung, Qualifizierung oder technische Ausstattung – die Herausforderungen in allen Bildungsbereichen sind ähnlich. Die Kultur der Digitalität erfordert von uns, dass wir das Silodenken überwinden und Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg bringen, von denen alle Bildungsbereiche profitieren.“

Bildung ist keine Einbahnstraße

Bildung ist aber keine Einbahnstraße, auch die Lehrer brauchen entsprechende Fortbildungen. „Seit 2020 haben eine Million Lehrkräfte an Fortbildungen im Bereich digitale Bildung teilgenommen“, erläuterte Katharina Günther-Wünsch, Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Zudem habe es 40.000 Fortbildungsmaßnahmen und 33.000 Beratungs- und Unterstützungsleistungen für Schulen gegeben.

Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger will sich „mit Nachdruck“ für den Digitalpakt Schule 2.0 einsetzen(©  BMBF/Hans-Joachim Rickel)
Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger will sich „mit Nachdruck“ für den Digitalpakt Schule 2.0 einsetzen
(© BMBF/Hans-Joachim Rickel)

Für eine bessere Qualifizierung der Lehrer und Schulen steht die mehrteilige Fortbildung „Digital Leadership und die Gestaltung schulischer Transformationsprozesse“ in den Startlöchern. Bundesweit machen Schulleitungsteams aus rund 240 Schulen mit, wobei die Umsetzung den Bundesländern obliegt. Die Teams sollen ermutigt werden, Projekte zur digitalen Schulentwicklung aufzusetzen und zu steuern. Zudem wird eine nachhaltige Vernetzung aller Beteiligten angestrebt – dazu soll passenderweise auch eine Lernplattform beitragen, über die Dokumente und Vorlagen ausgetauscht werden können. Die Umsetzung der Schulleitungsqualifizierung in den Ländern wird wissenschaftlich begleitet und soll voraussichtlich bis Juni 2024 abgeschlossen sein. Das Konzept und die Inhalte der Qualifizierungsmaßnahme – inklusive Begleitmaterial – sind online frei zugänglich.

Schlussspurt beim Digitalpakt 1.0

„Beim Digitalpakt steuern wir mit erhöhtem Tempo auf den Schlussspurt zu“, sagte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger kürzlich und machte klar, wohin die Reise für die Schulen geht: „Angesichts der Größe der Herausforderung setze ich mich mit Nachdruck dafür ein, die Schulen in unserem Land mit dem Digitalpakt 2.0 noch zielgenauer und unbürokratischer bei der Digitalisierung zu unterstützen.“

Zeit wird es. Denn laut Katharina Günther-Wünsch haben einige Bundesländer die Mittel aus dem ersten Digitalpakt im kommenden Jahr aufgebraucht. Entsprechend erfreut ist sie über das „klare Bekenntnis der Bundesministerin“ zur Fortsetzung des Digitalpakts. „Hier müssen wir schnell zu einer Einigung kommen“, fordert sie.

Auch ­VITAKO, die Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen IT-Dienstleister, mahnt eine schnelle Umsetzung des Digitalpakts 2.0 an. „Er muss ein echter Pakt sein, als schlankes Förderprogramm aufgebaut sein sowie eine flexible Mittelverwendung für die Kommunen ermöglichen“, sagt Vorstandsvorsitzender Dr. Rolf Beyer.

Technik und Know-how – diese zwei Dinge gehen Hand in Hand. Im schulischen Bereich sogar ­verstärkt, da die Lehrkräfte ihr erworbenes Know-how zusätzlich an die Schüler weitergeben müssen. Digitalisierung in den Schulen heißt also in besonderem Maße: ausstatten und befähigen.

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