Digitale Schule Bildung ist ein anspruchsvolles Grundrecht

Von Susanne Ehneß 6 min Lesedauer

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In Deutschland gibt es rund 32.000 Schulen, die verschiedenste Herausforderungen bewältigen müssen. Die Digitalisierung kann und soll hier unterstützen, ist aber selbst eine große Challenge.

Digitalpakt 2.0: Die Schulen brauchen Planungssicherheit(©  ImageFlow - stock.adobe.com)
Digitalpakt 2.0: Die Schulen brauchen Planungssicherheit
(© ImageFlow - stock.adobe.com)

Die Hauptaufgabe einer Lehrkraft sollte sein, den Schülern Lerninhalte mit Hilfe geeigneter didaktischer Methoden zu vermitteln. Doch eine Reihe von Herausforderungen erschweren diese Aufgabe. Zu den aktuell größten Schwierigkeiten gehören Disziplinprobleme, fehlende Motivation oder ­Gewalt – sprich: auffälliges Verhalten der Schüler. 34 Prozent der für das „Deutsche Schulbarometer“ der Robert-Bosch-Stiftung im Juni 2023 befragten Lehrer nannten diesen Punkt als wichtigste Herausfor­derung in ihrer alltäglichen Arbeit. Direkt dahinter rangieren

  • Arbeitsbelastung und Zeitmangel (31 %),
  • Lehrkräftemangel (21 %),
  • Verwaltung, Bürokratie und Bildungs­politik (18 %),
  • Eltern (17 %),
  • Leistungsunterschiede und Überforderung der Schüler (14 %) sowie
  • Digitalisierung (ebenfalls 14 %).

Die Digitalisierung sehen also 14 Prozent der Befragten als Herausforderung für ihren Arbeitsalltag. Gleichzeitig sieht die Hälfte der befragten Lehrkräfte großen Verbesserungsbedarf bei der technischen Ausstattung der Schulen. Dieser Punkt dürfte niemanden wirklich überraschen, stecken die Schulen doch aktuell inmitten eines langwierigen Modernisierungsprozesses, der die jahrzehntelangen Versäumnisse aufholen muss.

Inititalzündung

Die Initialzündung hierfür kam vor vier Jahren durch den „Digitalpakt Schule“. Die Verwaltungsvereinbarung des Bundes und der Länder sicherte den Schulen massive Unterstützung zu und sollte dafür sorgen, die Schulen mit zeitgemäßer Technik auszustatten. Fünf Milliarden Euro wurden für die Digitalisierung bereitgestellt, im Zuge der Corona-Pandemie wurde das Budget nochmals um drei Zusatzvereinbarungen aufgestockt. Dadurch gab es weitere 500 Millionen für Lehrer-Tablets, 500 Millionen für Schüler-Endgeräte und 500 Millionen für die IT-Administration. Damit standen satte 6,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen zur Verfügung.

Doch die Gelder sind noch längst nicht vollständig in den Schulen angekommen. Laut Bundesbildungsministerium wurden seit Beginn des Digitalpakts 2019 Bundesmittel in Höhe von 2,3 Milliarden Euro für den Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen abgerechnet; bewilligt seien bereits rund 4,7 Milliarden.

Der Bedarf ist nach wie vor da. Laut Schulbarometer sehen die Lehrkräfte, wie bereits erwähnt, noch immer großen Verbesserungsbedarf bei der technischen Ausstattung, und zwar sowohl bei den Schülern zu Hause als auch in den Schulen und bei den Lehrern. Immerhin 59 Prozent geben an, mittlerweile über eine ausreichend starke Internetverbindung zu verfügen.

Social Gap

Besonders auffällig ist der Social Gap. Schulen in einem eher benachteiligten Umfeld, in dem mehr als die Hälfte der Eltern Bürgergeld oder Sozialhilfe beziehen, sind auch hinsichtlich der technischen Ausstattung benachteiligt. Ganze 70 Prozent der befragten Lehrer monieren hier fehlende Endgeräte bei Schülern. Und an den Schulen in einem sozial benachteiligten Umfeld sieht es nicht besser aus: 61 Prozent der Lehrer erkennen hier Verbesserungsbedarf bei der technischen Ausstattung – dabei wäre eine stärkere Investition doch gerade an diesen Schulen nötig, da die Schüler auch zu Hause über eine geringere Ausstattung verfügen.

Entlasten digitale Tools? Sie sollten es, denn dafür sind sie da. Gerade im Hinblick auf die oben genannten Herausforderungen – und hier vor allem Lehrermangel, Arbeitsbelastung und Bürokratie – kann Digitalisierung unterstützen. Dieser Ansicht ist aber noch längst nicht jede Lehrkraft. 55 Prozent der Befragten glauben beispielsweise nicht, dass der Einsatz digitaler Lernformate zu einer Arbeitsentlastung führen wird.

Zunehmende Nutzung

Digitale Medien werden dennoch über alle Schulen hinweg zunehmend genutzt. 79 Prozent ­aller Lehrer haben Zugang zu einer Lern- und Arbeitsplattform, und bereits zwei Drittel der Lehrkräfte bauen Erklärvideos oder Lern-Apps in ihren Unterricht ein. Eher wenig verbreitet sind hingegen digitale Tools für Partner- oder Gruppenarbeit, für Tests oder zum Feststellen von Lernrückständen.

Breite Zustimmung erfahren adaptive Lern-Apps. 77 Prozent der Lehrer befürworten diese Tools, die sich dem individuellen Lerntempo der Schüler anpassen können. Gerade im Hinblick auf inklusiven Unterricht liegt hier viel Potenzial.

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