Bauwirtschaft Zeitenwende durch KI-Automatisierung

Von Susanne Ehneß 2 min Lesedauer

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„Die meisten Bauämter sind in den 1980ern stehen geblieben“, sagt Klaus-Peter Stöppler. Der Bau- und Immobilienexperte spricht sich für mehr Digitalisierung aus und erläutert, wie die gesamte Baubranche von künstlicher Intelligenz profitieren kann.

Keine Zukunftsmusik mehr: KI-gesteuerte Baukräne.(Bild:  visoot – stock.adobe.com)
Keine Zukunftsmusik mehr: KI-gesteuerte Baukräne.
(Bild: visoot – stock.adobe.com)

Das Thema „Building Information Modeling (BIM)“ ist in der Baubranche angekommen. Hierbei werden Bauvorhaben digital geplant und kontrolliert, indem ein digitales Modell erstellt wird. Die BIM-Methode wird durch die Bundesregierung vorangetrieben. „Das Ziel der Bundesregierung ist es, die BIM-Methode flächendeckend und nach bundeseinheitlichen Rahmenbedingungen bei der Planung, der Genehmigung, dem Bau und Instandhaltung von Bundesverkehrswegen und Infrastruktur anzuwenden“, heißt es dazu. Mit der Bundesinitiative „BIM Deutschland“ wurde sogar ein nationales Zentrum für die Digitalisierung des Bauwesens ins Leben gerufen.

Klaus-Peter Stöppler, Bau- und Immobilienexperte sowie Executive Interim Manager, ist überzeugt, dass die Bauwirtschaft vor einer Zeitenwende steht – geprägt durch künstliche Intelligenz. „Die Baubranche ist prädestiniert für den Siegeszug der Real-world AI, also der Nutzung künstlicher Intelligenz in der realen Welt“, ist Stöppler überzeugt. Real-world AI stehe dabei als Gegenentwurf zur Gen AI, der generativen KI. Während Gen AI wie etwa ChatGPT lediglich Texte, Bilder, Grafiken oder Videos generieren könne, umfasse Real-world AI beispielsweise KI-Roboter oder Baumaschinen mit KI-Steuerung. „Die Baubranche wird beides kombinieren“, glaubt Stöppler.

BIM plus KI-Algorithmen

Beim Thema BIM erwartet Stöppler die Verknüpfung mit KI-Algorithmen. Dadurch ließen sich Planungsfehler nicht nur frühzeitig erkennen, sondern auch automatisch korrigieren. „Der Einsatz künstlicher Intelligenz verändert die Prozesse, Planungslogiken und Geschäftsmodelle der Branche grundlegend. Dabei geht es perspektivisch nicht nur um digitale Baupläne oder automatisierte Ausschreibungen. Vielmehr werden intelligente Systeme künftig Einzug in nahezu alle Phasen eines Bauprojekts halten: von der Bedarfsplanung über die Bauausführung bis zum Gebäudebetrieb“, erläutert Stöppler.

Er verweist auf eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) aus dem vergangenen Jahr, wonach allein durch frühzeitige Fehlervermeidung und optimierte Materiallogistik bis zu 20 Prozent der Projektkosten eingespart werden könnten. „Studien zufolge setzen heute schon knapp drei Viertel der deutschen Bauunternehmen KI in Planung und Entwurf ein, aber bei der Umsetzung auf der Baustelle fällt der Anteil deutlich niedriger aus“, erklärt Stöppler.

Dank Home Office erreicht man heutzutage im Gegensatz zu damals selbst telefonisch kaum noch jemanden im Amt.

Das werde sich in den nächsten Jahren allmählich ändern: „Sensorik, Drohnen und autonome Baumaschinen liefern Daten in Echtzeit, die mithilfe von KI analysiert werden. So entstehen prädiktive Modelle, die etwa den Verschleiß von Maschinen vorhersagen oder Arbeitsabläufe dynamisch anpassen, um Verzögerungen zu vermeiden.“ Auch selbstfahrende Bagger, Radlader und Muldenkipper sowie KI-gesteuerte Kräne und Betonmischer seien im Kommen.

Verbesserungsbedarf sieht Stöppler bei der Verzahnung mit Bauämtern und anderen staatlichen Stellen mit geringem Digitalisierungsgrad. „Die meisten Bauämter sind in den 1980ern stehen geblieben, mit einem Unterschied: Dank Home Office erreicht man heutzutage im Gegensatz zu damals selbst telefonisch kaum noch jemanden im Amt“, moniert Stöppler. Er bezeichnet die mangelnde Digitalisierung in den Bauämtern als „Flaschenhals für die gesamte Bauwirtschaft“.

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