Die Cloud gewinnt im öffentlichen Sektor zunehmend an Bedeutung und wird vielerorts sogar als entscheidender Treiber für die Digitalisierung der Verwaltung betrachtet. Allerdings stellen fehlendes Know-how und mangelnde Erfahrung mit dieser Technologie bedeutende Hindernisse dar.
Flexibel und skalierbar – auch für die Öffentliche Hand bietet der Umstieg auf Cloud-Dienste einige Vorteile.
(Bild: Photobank – stock.adobe.com)
„Eine moderne IT-Architektur kommt heute kaum noch ohne Cloud-Lösungen aus“, erklärte Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung Nordrhein-Westfalen, bei der Bekanntgabe der Zusammenarbeit des Landes mit Ionos. Diese würden den Zugang zu digitalen Diensten durch flexible, skalierbare und sichere Infrastrukturen erleichtern. Doch wie weit sind Bund, Länder und Kommunen insgesamt in puncto Cloud-Technologie? Dies hat Wegweiser Research & Strategy mit der Studie „Im Spannungsfeld zwischen Innovation und Souveränität: Cloud & die digitale Zukunft der Verwaltung – Der Markt, seine Entwicklungsperspektiven und Entscheidungsstrukturen“ untersucht.
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Über die Studie
Für die Studie „Im Spannungsfeld zwischen Innovation und Souveränität: Cloud & die digitale Zukunft der Verwaltung – Der Markt, seine Entwicklungsperspektiven und Entscheidungsstrukturen“ führte die Wegweiser Research & Strategy GmbH zwischen dem 29. Februar und dem 17. Mai 2024 eine quantitative Analyse durch. Diese umfasste etwa 1.500 Behörden des Bundes, der Länder und der Kommunen sowie die relevanten öffentlichen IT-Rechenzentren. Zusätzlich wurden Interviews und Erhebungen mit Schlüsselpersonen im Bereich Cloud durchgeführt. Der Fokus lag dabei auf dem aktuellen Stand der Cloud-Strategie und -Implementierung, dem Informationsverhalten und den Entscheidungsstrukturen öffentlicher Auftraggeber sowie dem vorhandenen Angebot und den Anforderungen an den Cloud-Einkauf.
Seit dem 15. Mai wird das Cloud-Angebot für den öffentlichen Sektor in Deutschland mitsamt seiner Entwicklungsperspektiven über Desk-Research erfasst. Der Erhebungszeitraum hierfür endet am 30. Juni 2024. Das ermittelte Angebot wird anhand der Entscheidungskriterien der öffentlichen Verwaltung aufbereitet, um schließlich Handlungsempfehlungen ableiten zu können.
Die Wahl der richtigen Lösung
Demnach erkennen bereits 60 Prozent der Befragten die Bedeutung des Themas an. Über zwei Drittel der Verwaltungen (66 Prozent) planen, in den kommenden Jahren in die Cloud zu migrieren. Doch trotz dieser Pläne haben bisher nur etwas mehr als 20 Prozent eine Cloud-Strategie umgesetzt, und knapp 30 Prozent befinden sich noch in der Planungsphase. Besonders düster sieht es bei der Umsetzung der notwendigen Sicherheitsrichtlinien aus: Nicht einmal 10 Prozent haben die Cloud-Sicherheitsrichtlinie des BSI vollständig umgesetzt, und nur knapp 20 Prozent befinden sich derzeit in der Implementierungsphase.
Bei der Wahl der passenden Lösung zeigen sich dennoch klare Favoriten: Die Private Cloud führt mit 56 Prozent, dicht gefolgt von der Deutschen Verwaltungscloud (DVC) mit 53 Prozent. Die Public Cloud und die Souveräne Cloud liegen mit 23 Prozent beziehungsweise 34 Prozent weiter hinten.
Ein entscheidender Faktor bei der Auswahl ist für die meisten Befragten die Daten- und operative Souveränität. Über die Hälfte betrachtet diese Aspekte als unverzichtbar. Im Vergleich dazu spielt die Open-Source-Basis der Lösung eine eher untergeordnete Rolle – nur 7 Prozent der Befragten halten sie für unerlässlich. Interessanterweise gibt es eine Diskrepanz bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Lösungsanbieter: Hyperscaler werden schlechter bewertet als die öffentlichen IT-Dienstleister.
Die Deutsche Verwaltungscloud
Mit der Deutschen Verwaltungscloud setzt der Bund einen Aspekt aus dem Koalitionsvertrag um. Darin heißt es: „Auf Basis einer Multi-Cloud-Strategie und offener Schnittstellen sowie strenger Sicherheits- und Transparenzvorgaben bauen wir eine Cloud der öffentlichen Verwaltung auf.“ Die Verwaltungen haben an diese Cloud bereits klare Erwartungen. Vorrangig möchten sie Fachverfahren als SaaS nutzen und weniger Infrastruktur als IaaS. So wollen beispielsweise 70 Prozent der Verwaltungen Asylverfahren und 63 Prozent Fahrzeugzulassungsverfahren in die DVC integrieren. Dies überrascht wenig, da 47 Prozent der Befragten bereits Erfahrungen mit SaaS gesammelt haben. Dagegen spielen FaaS, CaaS und DBaaS mit rund 22 Prozent eine geringere Rolle.
Fehlendes Know-how
Trotz der zunehmenden Verbreitung der Cloud-Technologie haben rund 55 Prozent der Verwaltungen noch keine Erfahrungen damit gemacht. Häufig wird die Cloud immer noch als reines IT-Thema angesehen (50 Prozent), und lediglich 20 Prozent investieren bisher in die Schulung ihrer Mitarbeitenden. Dass hier Nachholbedarf besteht, ist den Verwaltungen jedoch bewusst, wie ihre Wünsche nach Beratungs- und Weiterbildungsangeboten zeigen: 15,37 Prozent fordern spezielle Weiterbildungen der Mitarbeiter für die Cloud-Nutzung. Auch Beratungen hinsichtlich Cloud-Strategien (14,63 Prozent), deren Implementierung (12,68 Prozent) und Betrieb (12,20 Prozent) stehen hoch im Kurs. Darüber hinaus wünschen sich die Verwaltungen mehr Aufklärung über Cloud-Modelle (10,49 Prozent), Cloud-Services (10 Prozent) und die Ausschreibung und Beschaffung von Cloud-Lösungen (9,27 Prozent).
Insgesamt, so fassen es die Studienautoren zusammen, ist die Verwaltung beim Thema Cloud gefangen in einem Teufelskreis: Durch das mangelnde Angebot von Verwaltungsleistungen as a Service rückt die Cloud nicht in den Fokus der Fachbereiche. Dadurch finden keine Mitarbeiterqualifikation und somit kein Wissensaufbau statt, wodurch wiederum wenig Innovationsdruck auf die Fachverfahrenshersteller und IT-Dienstleister ausgeübt wird und somit das Angebot nicht ausgebaut wird.
Auf dem diesjährigen Zukunftskongress Staat & Verwaltung wird das Thema Cloud daher auch eine Rolle spielen und in Best-Practice-Dialogen und Zukunftsforen behandelt.
Stand: 08.12.2025
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Der Zukunftskongress Staat & Verwaltung 2024
Wann: 24. bis 26. Juni 2024
Wo: Westhafen Event & Convention Center Berlin
Veranstalter: Wegweiser GmbH
Veranstaltungspreis: ab 390 Euro (für alle drei Kongresstage)