Die Weiterentwicklung der Städte mithilfe neuer Technologien steckt noch in den Anfängen. „Smart Cities“ sollen den Bürgern das Leben in der Stadt erleichtern und gleichzeitig zu einer nachhaltigen Lebensweise beitragen.
Stadt und Natur wachsen wieder stärker zusammen, so wie hier in Singapur
Mit dem „Smart City Index“ hat der ITK-Branchenverband Bitkom erstmals im Jahr 2019 ein Ranking vorgestellt, das die Digitalisierungsmaßnahmen deutscher Großstädte bewertet. Wie schon 2019 führt Hamburg die Liste auch in der aktuellen Ausgabe an, gefolgt von München, Köln, Darmstadt und Karlsruhe. Dafür wurden Maßnahmen aus den Bereichen Verwaltung, IT- und Kommunikations-Infrastruktur, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft evaluiert.
Die unterschiedlichen Kategorien zeigen bereits, dass die Wandlung einer Stadt zu einer Smart City viele Lebensbereiche betrifft und daher ein sehr umfangreiches Vorhaben ist. Verantwortliche, die diesen Wandel vorantreiben wollen, benötigen ein integriertes Gesamtkonzept, in dem innovative, smarte Technologien sinnvoll eingesetzt werden und einen signifikanten Mehrwert liefern.
Lebenswerte und nachhaltige Städte
Dass Veränderungen von den Bürgern durchaus gewünscht sind, zeigt eine Studie von Capgemini: So erwartet etwa die Hälfte der deutschen Teilnehmer, dass Smart-City-Initiativen Städte nachhaltiger machen (49 Prozent) und die Qualität städtischer Dienstleistungen verbessern (52 Prozent). Jeder Dritte (30 Prozent) wäre sogar bereit, für smarte Leistungen zu bezahlen. Es liegt daher an den Städten, die Möglichkeiten jetzt auszuloten. Dabei gibt es bereits weltweit wie auch in Deutschland einige spannende Projekte und Ideen.
Das Bürgerportal der Stadt Mannheim beispielweise erleichtert den Bewohnern viele Behördengänge, indem diese bequem online von überall aus und zu jeder Zeit erledigt werden können. Diese Flexibilität hilft besonders Berufstätigen, die keinen Urlaub nehmen müssen, um einen Bewohnerparkausweis zu beantragen.
Im norwegischen Trondheim wurde mit dem Powerhouse Brattørkaia ein Gebäude fertiggestellt, das Solarenergie für den eigenen täglichen Bedarf speichert und über ein lokales Mikro-Netzwerk sogar Verkehrsmittel (Elektrobusse, Autos und Boote) versorgt.
International ist auch Singapur ein Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung von Smart-City-Initiativen: So können Einwohner mit einer digitalen Ausweiskarte die Grünphase an Ampeln verlängern – eine Erleichterung etwa für Ältere und Gehbehinderte. Auch setzt die Stadt auf begrünte Gebäude, damit die Pflanzen als eine Art natürliche Klimaanlage dienen.
Aber auch weitere Konzepte sind denkbar: Straßenlaternen, die dank eingebauter Sensoren heller leuchten, wenn sich jemand nähert, und über integrierte Notrufknöpfe verfügen, oder auch Mülltonnen, die ihren Füllstand übermitteln, sodass die Müllabfuhr nur vorbeikommt, wenn es wirklich nötig ist. Im Bereich Mobilität sind intelligente Parksysteme möglich, die Autofahrer zu freien Parkplätzen führen, genauso wie Apps, die den öffentlichen Nahverkehr und Sharing-Angebote in Echtzeit miteinander verknüpfen, um den Verkehrsfluss zu optimieren.
Bevor es an die Umsetzung möglicher Projekte geht, müssen die Städte aber zunächst einige Grundvoraussetzungen schaffen. Dazu gehört die Mitnahme und Beteiligung der Bürger. Soll der Wandel zu einer Smart City erfolgreich verlaufen, müssen die Maßnahmen von ihnen angenommen und genutzt werden. Deshalb sollten Verantwortliche überlegen, an welchen Anknüpfungspunkten sie mit den Anwohnern interagieren können und wie sie die Stadtbewohner in den Prozess einbinden - beispielweise indem sie die in ihren Augen größten Probleme angeben oder über Maßnahmen abstimmen können.
Darüber hinaus müssen Städte die benötigte digitale Infrastruktur schaffen. Das erfordert, dass innovative und leistungsfähige Technologien in einem integrierten Gesamtkonzept zum Einsatz kommen. Die COVID-19-Pandemie hat nochmal deutlich gezeigt, dass viele deutsche Städte erst am Anfang ihrer digitalen Transformation stehen und daher oft noch gar nicht in der Lage sind, umfassende digitale Angebote anzubieten.
Smart Data als Grundlage
Mit der Digitalisierung der Kommunen geht die nächste Herausforderung einher. Wie kommen die Städte an die benötigten Daten, und wie können Sie diese zielführend für operative und strategische Entscheidungen einsetzen? Orte, in denen bereits eine weitreichende digitale Infrastruktur besteht, verfügen über große Mengen an Daten. Oftmals können diese aber noch nicht zielführend genutzt werden, da sie in ganz unterschiedlichen Formaten, Qualitäten und Granularitäten vorliegen. Städte brauchen deshalb Smart Data: qualitativ hochwertige, rechtssichere, intelligente Daten, die in Echtzeit vorliegen und nutzbar sind.
Stand: 08.12.2025
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Die Lösung hierfür kann eine zentrale, leistungsfähige Plattform sein, die als Basis aller Smart-City-Maßnahmen dient und den Services die entsprechenden Daten bereitstellt. Dafür muss allerdings sichergestellt werden, dass die Plattform in der Lage ist, verschiedene Datenquellen anzubinden und Daten unabhängig von ihrem Format zu integrieren, und zwar in Echtzeit. Nur so wird es möglich, KI-Anwendungen in großem Maßstab in Städten einzusetzen, wie beispielsweise in einem intelligenten Parkleitsystem. Wer zunächst mit kleineren Projekten startet, sollte bei der Auswahl der Plattform besonders darauf achten, dass sie auch für künftige größere Projekte mitwachsen kann. Eine zentrale Plattform erlaubt, weitere, innovative Projekte umzusetzen so z.B. Daten anonymisiert, und damit DSGVO-konform, mit Unternehmen und Bürgern zu teilen. Dahinter steckt das Open-Data-Konzept: Daten, die für jedermann zugänglich sind und für jegliche Zwecke genutzt werden können. Dadurch können Unternehmen auch in Zusammenarbeit mit den Städten eigene Anwendungen und Dienstleistungen entwickeln, von denen nicht nur die Bürger profitieren, sondern die auch die Transformation der Städte vorantreiben.
Fazit
Die Digitalisierung darf auch vor Städten nicht Halt machen: Zum einen steigen die Erwartungen der Bürger, die im Privatleben und im Beruf bereits von den Vorteilen digitaler Angebote und Dienstleistungen profitieren. Zum anderen können Städte durch innovative Maßnahmen die Lebensqualität erhöhen, die Effizienz steigern und nachhaltiger handeln. Die Verantwortlichen der Städte müssen ein umfassendes Konzept entwickeln, das die großen und kleinen Probleme des Stadtlebens adressiert. Um die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen, sollte diese von Anfang an eingebunden werden. Bei der konkreten Umsetzung können Städte zunächst mit einzelnen Maßnahmen anfangen und nach ersten Erfolgen die Bemühungen ausweiten. Der Verfügbarkeit und Nutzung von Smart Data kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Der Weg zur Smart City ist lang, deshalb sollten Städte keine Zeit mehr verlieren.
*Der Autor: Ulrich Hohmann, Sales Director Central Europe bei Denodo