Roundtable Interoperabilität

Wer ist wer im Internet?

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Besteht die Gefahr, dass sich in Deutschland eine Insellösung herausbildet? Wie kann es gelingen, die Interoperabilität der verwendeten Systeme weltweit zu gewährleisten?

Dirk Arendt: Wir müssen uns in den kommenden Jahren verstärkt darum bemühen, international zu solchen eID-Lösungen zu kommen, die einander über alle Grenzen hinweg verstehen. Die Beachtung und Entwicklung von Standards und öffentlichen Schnittstellen sind deshalb mindestens so wichtig wie die Gewährleistung allerhöchster Sicherheit.

Thomas Walloschke: Die eID-Technologien basieren letztlich alle auf internationalen Standards, deren Interpretation und nationale Profilierung allerdings z. B. durch die EU-Mitgliedsstaaten unter Berücksichtigung der jeweils gültigen Gesetzte erfolgt, denn eine ID-Card, also in unserem Fall der elektronische Personalausweis, unterliegt lediglich nationaler Gesetzgebung. Als gutes Vorbild weltweit gelungener Interoperabilität gilt der elektronische Reisepass, der nach den Regeln der internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO für maschinenlesbare Reisedokumente als kontaktloser Token ausgeführt wurde. Die darin gespeicherten Daten können im hoheitlichen Bereich von den Border-Control-Systemen weltweit gelesen werden. Da das deutsche Personalausweisdokument im Schengen-Raum auch ein Reisedokument darstellt, wurde dieser Teil des Token ICAO-kompatibel ausgestaltet.

Dirk Arendt: Die Interoperabilität der eID-Systeme wird entscheidend für deren Akzeptanz in der Bevölkerung sein. Denn die Menschen nehmen neue Technologien und Verfahren nicht automatisch an, wie wir alle wissen. Dass die Verantwortlichen in Deutschland bei der Einführung des elektronischen Personalausweises hier die Lehren der Vergangenheit berücksichtigen, zeigt die Ausschreibung von sogenannten Anwendungstests, die ab dem 1. Oktober dieses Jahres beginnen. Ein Jahr vor der flächendeckenden Einführung werden somit in verschiedenen Projekten die einzelnen Komponenten des Identifizierungssystems von zahlreichen Testern auf Herz und Nieren geprüft. Das ist eine völlig neue, eine löbliche Herangehensweise an ein solches Projekt.

Michael Grözinger: Die Vielzahl der Anwendungen in der EDV, die zueinander oft inkompatibel waren, hat uns ja in den letzten Jahren zum Teil schmerzhaft bewusst gemacht, wie wichtig es ist, dass die Systeme interoperabel sein müssen, dass sie also problemlos und ohne zusätzlichen Aufwand Daten untereinander austauschen können. Interoperabilitäts-Probleme sind grundsätzlich immer über die Einrichtung von solchen Schnittstellen lösbar, die als offene Standards verfügbar und somit auf den unterschiedlichsten Technologieplattformen implementierbar sind. Das gilt auch für den elektronischen Personalausweis: Die direkte Kommunikation mit der Smartcard sowie die Interaktion in den Protokollen wie der eID-Funktion müssen über offene Standards erfolgen. Die vom BSI entwickelte eCard-API erfüllt diese Voraussetzungen, wie wir in einem Anwendungsszenario zusammen mit unseren Partnern Fujitsu Technology Systems und Open Limit auf der CeBIT 2009 haben aufzeigen können.

Thomas Walloschke: Da viele EU-Staaten ebenfalls nationale Systeme zur Identitätserkennung bzw. Authentisierung entwickeln, hat die EU-Kommission 2008 das EU-Projekt STORK in 13 teilnehmenden Mitgliedsstaaten initiiert, um künftig grenzüberschreitende Interoperabilität von ID-Cards im Schengen-Raum zu garantieren. Deutschland beteiligt sich an diesem Projekt und bringt den neuen elektronischen Personalausweis zusammen mit dem durch das BSI spezifizierten „eCard-API-Framework“ als „Cross Border Interoperability Technology“ für unterschiedliche kontaktbehaftete und kontaktlose Token ein.

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