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Wer ist wer im Internet?

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Wie kann es gelingen, persönliche Identifikationssysteme zukunftstauglich auch in dem Sinne zu machen, als sie nicht nur den gegenwärtigen Stand der Technologieentwicklung und die gegenwärtigen Ansprüche an Sicherheit im Netz repräsentieren?

Thomas Walloschke: Jetzt schon von einem existierenden „Identity-Markt“ auszugehen erscheint mir verfrüht, denn Bürger, Unternehmen und öffentliche Verwaltungen „denken“ noch nicht in Identitäten – also auch nicht in sicheren Identitäten. Wir müssen lernen, unsere natürliche Identität als etwas Wertvolles zu verstehen, dessen Verlust oder verantwortungsloser Umgang einem Vermögensschaden gleichkommt. Der Vorgang der sicheren persönlichen Identifikation, dem wir uns tagtäglich unterbewusst in der zwischenmenschlichen Kommunikation routiniert unterwerfen, wird künftig auch technologisch in Unternehmens- und Verwaltungsprozesse alltagstauglich abzubilden sein. Wir befinden uns hier alle noch in einem gesamtgesellschaftlichen Lernprozess, der im Netz adäquat nachzuvollziehen sein wird.

Michael Grözinger: Ein wichtiger Aspekt ist die Offenheit der Identitäts-Systeme und wie sie in vorhandene und zukünftige Anwendungen integriert werden. Wenn diese Offenheit gegeben ist, kann sich ein Identitätssystem weiterentwickeln, und der Integrationsaufwand hält sich in Grenzen. Zudem ist es meines Erachtens wichtig, dass Anwendern die praktische Nutzung dieser Systeme so einfach wie nur irgend möglich gemacht wird. Dies gilt besonders für die Benutzerschnittstelle am PC oder am Smartphone. Eine zukunftsweisende und anwenderfreundliche Entwicklung sind beispielsweise die sogenannten InfoCards, die von Microsoft in der CardSpace Technologie umgesetzt sind. Das Datenformat der InfoCards ist übrigens unter der Open Specification Promise frei verfügbar, und sie können somit unabhängig von der jeweiligen Plattform implementiert werden. Die Technologie erlaubt einer Anwendung, die verschiedenen Identitäten zu verwalten und gleichzeitig die Integration in das von vielen IT-Unternehmen wie auch Microsoft angestrebte Meta-System vorzunehmen.

Dirk Arendt: Es bleibt festzuhalten, dass sich mit der Einführung des elektronischen Personalausweises in Deutschland erstmals ein Staat mit großer Entschiedenheit des für die Sicherheit so relevanten Themas „elektronische Identität“ umfassend annimmt. In erster Linie wird der Erfolg des Projektes elektronischer Personalausweis in Deutschland davon abhängen, wie weit es uns gelingt, plakative und plausible Lösungen aufzuzeigen, dem Nutzer die Vorteile sichtbar zu machen und Angst vor z.B. staatlicher Überwachung zu nehmen. Es geht um Vertrauen – Vertrauen in die Technologie, die Infrastruktur, die Prozesse und die Abläufe. Auf der technischen Ebene gilt für alle zukünftigen Gesetzesvorhaben, die die Abwicklung elektronischer Prozesse beinhalten und eine Authentifizierung notwendig machen, die Anforderung, sich einer Zertifizierung auf eCard-API-Konformität zu unterziehen.

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