openCode als Plattform für den Hochschulunterricht, Forschungsdatenmanagement und Arbeiten in der Open Source Community: Prof. Dr. Nicolai Krüger von der HSPV berichtet von der Kooperation mit dem ZenDiS und was Studierende dabei lernen.
Prof. Dr. Nicolai Krüger ist Professor für Verwaltungsinformatik an der HSPV NRW.
Wenn Open Source Software – aus Gründen der digitalen Souveränität – künftig verstärkt eingesetzt werden soll, dann sollten auch die künftigen Verwaltungsfachleute schon im Umgang mit der Software ausgebildet werden. Die Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW) setzt diese Aufgabe konsequent um und ist 2025 eine Kooperationspartnerschaft mit dem Zentrum für digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) eingegangen. „Unsere Studierenden lernen frühzeitig, souveräne IT-Lösungen zu analysieren und einzuordnen. Das befähigt sie, später fundierte Entscheidungen über den Einsatz offener Verwaltungssoftware zu treffen – und dabei auch langfristige technologische und gesellschaftliche Auswirkungen zu berücksichtigen“, sagt Prof. Dr. Nicolai Krüger, Professor für Verwaltungsinformatik an der HSPV. Im Interview spricht er über die ersten Ergebnisse und Projekte.
Die Initiative für eine Partnerschaft mit dem ZenDiS ging von Ihnen aus. Warum und mit welchen Zielen haben Sie sich dafür eingesetzt?
Krüger: Das ZenDiS hat, so würde ich es formulieren, das offizielle Mandat von der Bundesebene, sich um das Thema digitale Souveränität und Open Source federführend in Deutschland zu kümmern. Und dann ist nur folgerichtig zu sagen, wenn wir in dem Bereich akademische Studienprogramme anbieten, dann sollten wir diese Organisation und die openCode-Plattform kennen und auch in das Curriculum implementieren. Ganz konkret: Wenn unsere Dualstudierenden im Praxissemester oder in ihrem ersten Job zum Beispiel den Auftrag bekommen, nach KI-Lösungen für Smart City zu suchen, dann sollten sie nicht nur auf dem EfA-Marktplatz oder dem KI-Marktplatz der Bundesregierung schauen, sondern automatisch auch an Open-Source-Lösungen denken und eben wissen, wo und wie sie danach suchen können. Deshalb haben wir auch eine offizielle Partnerschaft angestrebt. Gemeinsam mit Janou Feikens, der Community-Managerin des ZenDiS, sind dann auch schnell die ersten Ideen entstanden.
In der Pressemeldung zur Partnerschaft sind einige Vorhaben auch schon genannt: Gastvorträge, zwei Podcast-Episoden – die sind bereits veröffentlicht –, aber auch eine geplante Open-Source-Konferenz mit Schwerpunkt Verwaltung.
Krüger: Die Konferenz ist tatsächlich noch etwas Zukunftsmusik, das ist für dieses Jahr im Plan, aber die Gastvorträge und auch die Übernahme ins Curriculum sind schon gut eingespielt: Das heißt, Mitarbeitende des ZenDiS, zunächst vor allem Janou Feikens, stellen Themen in ihren Gastvorträgen vor und wir übernehmen die Folien und Informationen dann in unsere regulären Vorlesungen. Wir sind da auch kontinuierlich im Austausch, es gibt ja immer wieder Neuerungen, aktuell zum Beispiel im Bereich Software-Lieferketten, DevGuard, dazu wollen wir im Wahlpflichtmodul Software-Architektur Gastbeiträge anbieten und die Informationen dann auch in die Vorlesungen einbinden.
Aber ein entscheidender Punkt ist die Arbeit auf der Plattform selbst. Für die Registrierung auf openCode benötigt man eine Behörden-Mailadresse. Als Hochschule für die Verwaltung konnten wir die Mail-Adressen unserer Studierenden freischalten, so dass sie auch den vollen Zugriff haben. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die hochschulübergreifende Zusammenarbeit in Forschungsprojekten. Derzeit läuft bei uns ein Drittmittelantrag für ein Forschungsprojekt: DEAR-GOV. Das Kürzel steht für Democracy-Enhancing Artificial Intelligence for Resilient Government. Da soll also in einer Doktorarbeit untersucht werden, wie wir künstliche Intelligenz demokratiestärkend und demokratieresilient in Staat und Verwaltung nutzen können. Ich hoffe sehr auf die Bewilligung, das wäre unser erstes Projekt, bei dem das ZenDiS auch als Partner eingebunden ist.
In welcher Form?
Krüger: Wir könnten openCode als Plattform für unser Forschungsdatenmanagement nutzen, also für das Archivieren von Forschungsdaten, das Freischalten dazu, das kollaborative Arbeiten in Echtzeit. Die Plattform ist großartig – wie GitHub, aber behördenintern. Damit beinhaltet es sowohl Projektmanagement-Funktionen als auch Versionskontrolle und natürlich die Möglichkeit zum Datenaustausch.
Das bringt mich auch gleich zu einer weiteren Anwendung. Seit diesem Semester unterrichte ich das erste Fach komplett auf openCode: Softwarearchitekturen mit Schwerpunkt KI. Die erste Übung ist, dass wir uns alle auf der Plattform treffen, alles einrichten und die lokale Programmierumgebung auf den Geräten der Studierenden mit der Plattform verknüpfen – dann läuft alles auf openCode. Wir haben da unbegrenzt Speicher, die Studierenden arbeiten dann wie in einem echten Software-Team in einem Seminar und trainieren quasi in dieser echten Software-Architektur und Programmierwelt.
Stand: 08.12.2025
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Das Fach „Softwarearchitekturen mit Schwerpunkt KI“ läuft an der HSPV NRW komplett auf openCode.
Wie nehmen denn die Studierenden das auf, waren ihnen die Themen Open Source und digitale Souveränität vorher schon bewusst?
Krüger: Noch nicht in dem Maße, es hat schon eine Signalwirkung auf die Studierenden, in die Hochschule und offensichtlich auch in die Hochschullandschaft hinein, dass man sich für Open Source tiefergehend interessieren kann. Und wir können auch Berührungsängste nehmen. Die Resonanz ist sehr positiv und als angehende Informatiker kommen sie mit solchen Plattformen ja gut zurecht.
Sie haben jetzt auch schon die Wirkung auf die Hochschullandschaft angesprochen. Wie kam denn die Idee der Zusammenarbeit mit dem ZenDiS bei Ihnen in der Hochschule an? Und tauschen Sie sich, zum Beispiel in Netzwerken, auch mit anderen Verwaltungshochschulen dazu aus?
Krüger: Wir haben die Formalismen für die Kooperation bei uns an der Hochschule sehr zügig realisiert. Ich denke, auf das Thema Verwaltungsdigitalisierung schauen gerade alle in Deutschland und alles, was sich da tut und was man vorwärtsbringt, ist ein gutes Signal – auch für die Hochschule.
Insbesondere auf LinkedIn gab es viele sehr positive Kommentare zu unserer Pressemitteilung, interessanterweise sowohl aus der Praxis als auch aus der akademischen Landschaft. Ich gehe davon aus, dass solch ein Kooperationsmodell auch für andere Hochschulen interessant sein wird.
Weitere Informationen
Im Podcast „Forschungsimpuls“ spricht Prof. Nicolai Krüger mit Janou Feikens, Community Managerin am ZenDiS, über Community-Mindset.