Was passiert, wenn ausländische Gesetze Zugriff auf deutsche Behördendaten erlauben? Auch in Sachsen bringt diese Sorge vor Abhängigkeit einen Stein ins Rollen. Wie Anbieter profitieren wollen.
Neues Augusteum, das Hauptgebäude der Universität Leipzig am Augustusplatz.
Bund und Länder wollen verstärkt eigene digitale Infrastrukturen aufbauen – auch in Sachsen. Ein sichtbares Zeichen dafür entsteht derzeit in Leipzig. Dort eröffnete die Delos Cloud GmbH, eine Tochter des deutschen Softwarekonzerns SAP, Ende Januar bereits ihr zweites Betriebszentrum für eine neue Cloud-Plattform der öffentlichen Verwaltung.
Aus dem sogenannten „Operations Center“ wird der Betrieb der Systeme gesteuert, mit denen Behörden Software und Daten zentral über das Internet nutzen, statt sie auf eigenen Servern zu betreiben. Ein drittes Center ist nach Unternehmensangaben bereits in Planung.
Nach Angaben der Staatskanzlei bedeutet die Ansiedlung in Leipzig jedoch keine Festlegung auf einen einzelnen Anbieter. Der Freistaat beobachte derzeit verschiedene marktverfügbare Cloudangebote und bewerte diese fachlich, um Bedarfe der öffentlichen Verwaltung abzudecken.
Sorge vor amerikanischen Behörden
Mit der Plattform reagiere das Unternehmen auf einen Wunsch der Bundesregierung, sagt der Geschäftsführer von Delos Cloud, Nikolaus Hagl. Ziel sei es, eine souveräne deutsche Lösung für die öffentliche Verwaltung zu schaffen, staatliche Daten besser zu schützen und rechtliche Abhängigkeiten zu vermeiden.
Hintergrund sind insbesondere US-Gesetze wie der sogenannte Cloud Act, der amerikanischen Behörden unter bestimmten Voraussetzungen Zugriff auf Daten von US-Unternehmen erlaubt – auch dann, wenn diese im Ausland gespeichert sind.
Der Mutterkonzern SAP und Delos Cloud arbeiten beide mit dem US-Anbieter Microsoft zusammen. Der Tochterkonzern selbst habe jedoch bewusst keine weiteren Geschäftsbeziehungen in die USA – aus Sorge, dass sonst der Cloud Act greifen könne, erklärt Hagl.
Weltpolitische Lage wirkt als Beschleuniger
Aus Sicht von Experten kommt der entscheidende Impuls nicht aus der Verwaltung selbst. „Die öffentliche Verwaltung ist deutlich über den Punkt raus, sich die Frage zu stellen, ob sie digitalisieren sollte oder nicht“, sagt Mario Hesse, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums für kommunale Infrastruktur Sachsen an der Universität Leipzig.
Die internationale Lage habe das Thema beschleunigt. „Durch das, was gerade in den USA passiert, sind viele unangenehm aufgeschreckt worden“, erklärt Hesse. Man habe erkannt, „dass wir mit unserer IT-Infrastruktur relativ schutzlos dastehen“. Die Debatte über digitale Souveränität habe dadurch an politischer Bedeutung gewonnen, sagt Hesse.
Der Nachholbedarf sei groß, betont Hesse. Bund, Länder und rund 11.000 Kommunen nutzen Hesse zufolge derzeit sehr unterschiedliche IT-Systeme. „Jeder macht das ein bisschen anders.“ Viele Lösungen seien historisch gewachsen und kaum kompatibel. Zentrale Cloud-Strukturen könnten helfen, Abläufe stärker zu vereinheitlichen.
Dabei gebe es nicht die eine Lösung: Neben Delos Cloud arbeiteten auch andere Anbieter und öffentliche IT-Dienstleister an vergleichbaren Konzepten – etwa der schleswig-holsteinische IT-Dienstleister Dataport, der bereits von mehreren Bundesländern genutzt wird, sagt Hesse.
Sachsen und Bund prüfen Nutzung
Die Sächsische Staatskanzlei sieht in der Ansiedlung der SAP-Tochter in Leipzig einen Beitrag zur Stärkung digitaler Infrastrukturen und zur Rolle Sachsens als wachsender IT-Standort. Der Freistaat verfolge dabei bewusst einen offenen Ansatz und prüfe mehrere Cloud-Lösungen parallel, teilte die Staatskanzlei mit. Mit Delos Cloud habe es erste Austauschtermine gegeben, über einen Einsatz für Landesbehörden oder Kommunen sei jedoch bislang nicht entschieden.
Auch der Bund prüft entsprechende Angebote. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung erklärte, kommerzielle Cloud-Lösungen könnten das Angebot für die Bundesverwaltung ergänzen, sofern sie die Anforderungen erfüllten.
Was Bürger davon merken sollen
Für Bürgerinnen und Bürger dürfte sich der Umbau zunächst kaum bemerkbar machen. Langfristig gehe es um einfachere und verlässlichere Verfahren, sagt Hesse von der Universität Leipzig. Das Bewusstsein für Risiken sei deutlich gewachsen. „Was machen Sie, wenn Sie morgens den Rechner einschalten und Sie können sich nicht mal in Ihrem Windows-Login einloggen?“, schildert Hesse ein Szenario, das inzwischen offen diskutiert werde.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Solche Überlegungen hätten lange kaum eine Rolle gespielt, hätten durch die politische Entwicklung in den USA aber an Gewicht gewonnen. „Ich glaube schon, dass das gerade ein richtiges Momentum bekommen hat“, sagt Hesse. Zwar könne man sich in den nächsten fünf Jahren noch nicht flächendeckend von der Abhängigkeit lösen, dafür werde es „nennenswerte“ Pilotprojekte geben, die den Kurs vorgeben. „Wir machen uns unabhängiger“, fasst Hesse die Richtung zusammen – auch wenn diese zunächst teuer werde.