EUDI Wallet

Warum die ÖV jetzt praktische Erfahrung sammeln muss

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Dieses weltweit anerkannte Know-how blieb nicht in der Theorie. Schon im April 2024 zeigten Partner wie die msg und AKDB im Rahmen des Zukunftsworkshops BundID, wie eine Anbindung der Wallet an die zentrale Verwaltungsinfrastruktur Deutschlands technisch aussehen kann. Parallel dazu sammelten Kommunen wie Leipzig, Dresden und Köln in konkreten Wallet-Projekten bereits wertvolle, bürgernahe Erfahrungen.

Die Botschaft dieser Historie ist klar: Die technologische und konzeptionelle Expertise für eine erfolgreiche Umsetzung ist in Deutschland in einzigartiger Dichte vorhanden. Es geht nun darum, diese verkannte Führungsrolle anzuerkennen und die Umsetzung mit dem nötigen Tempo voranzutreiben, um diese Chance nicht zu verspielen.

Von der Theorie zur Praxis: Aktuelle Entwicklungen in Deutschland

Die in Deutschland aufgebaute Expertise mündet nun in konkrete und wegweisende Umsetzungsschritte. Anstatt auf finale Vorgaben aus Brüssel zu warten, hat Deutschland als erstes EU-Land einen offenen Konsultationsprozess zu eIDAS 2.0 gestartet und damit frühzeitig die Weichen für eine praxisnahe Implementierung gestellt. Aus diesem Dialog ging ein umfassendes Architekturkonzept für das deutsche EUDI-Wallet-Ökosystem hervor, das unter der Leitung der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) entwickelt wurde und als technische Blaupause für die nationale Umsetzung dient. Um die besten technologischen Lösungen zu identifizieren, wurde zudem ein ambitionierter Innovationswettbewerb ins Leben gerufen. In diesem anspruchsvollen Verfahren, an dem sich auch globale Tech-Konzerne wie Google und Samsung beteiligten, konnte sich Lissi als einziges deutsches Unternehmen bis in die letzte Runde durchsetzen.

Der entscheidende Schritt in die Öffentlichkeit erfolgte im Mai 2025 auf der re:publica, als BSI-Präsidentin Claudia Plattner die von SPRIND und BSI entwickelte offizielle deutsche Wallet erstmals live demonstrierte und damit die theoretischen Konzepte für alle greifbar machte. Die strategische Ausrichtung wurde vom Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) bekräftigt: Deutschland wird auf ein duales System setzen, bestehend aus einer staatlich herausgegebenen Wallet sowie einer Zertifizierungsmöglichkeit für private Anbieter, um Innovation und Wahlfreiheit zu fördern. Trotz dieser Fortschritte verdeutlicht der Bundeshaushalt die Notwendigkeit einer effizienten Umsetzung: Die für 2026 geplanten Mittel für das EUDI-Wallet-Projekt entsprechen in etwa den Kosten für nur fünf Kilometer Autobahn. Angesichts der fundamentalen Bedeutung dieser Infrastruktur für die Zukunftsfähigkeit des Landes muss das Thema höchste politische Priorität erhalten.

Der Fahrplan zur Umsetzung: Was jetzt auf die Verwaltung zukommt

Die Dynamik der letzten Monate hat die abstrakte Vision der EUDI-Wallet in einen konkreten und zeitkritischen Fahrplan für die öffentliche Verwaltung überführt. Die Zeit des theoretischen Abwägens ist vorbei; die Phase der praktischen Umsetzung beginnt jetzt. Noch in diesem Herbst wird die SPRIND eine sogenannte Sandbox-Umgebung bereitstellen, die es Organisationen erstmals ermöglicht, die technische Anbindung an die offizielle deutsche Wallet in einem gesicherten Rahmen zu testen. Dies ist die erste, entscheidende Gelegenheit, um internes Know-how aufzubauen und die eigenen Systeme vorzubereiten.

Direkt im Anschluss, Anfang 2026, startet die Pilotphase, in der alle realen Betriebsprozesse – vom Incident-Management über den Nutzer-Support bis hin zu Skalierungs- und Funktionstests – erprobt werden. Parallel dazu muss die Verwaltung auch die Ausstellenden Register als Nachweis-Quellen der Wallet in den Blick nehmen. Gemäß Artikel 45e der Verordnung (EU) 2024/1183 müssen Register, die als authentische Quellen für Nachweise dienen (z.B. Melde- oder Gewerberegister), bis Ende 2026 digitale Schnittstellen bereitstellen. Das Once-Only Technical System (NOOTS) kann diesen Prozess bündeln und potenziell vereinfachen, ist aber nicht der einzig mögliche Weg. Diese Entwicklungen münden in einer unumstößlichen Frist: Spätestens Ende 2026, so schreibt es Artikel 5f (1) der Verordnung (EU) 2024/1183 vor, müssen öffentliche Stellen in der gesamten EU die EUDI-Wallet für den Zugang zu ihren Online-Diensten akzeptieren. Entscheidend ist hierbei: Diese Pflicht gilt nicht nur für die deutsche Wallet, sondern für alle 27+ zertifizierten Wallets aus allen Mitgliedstaaten. Eine Komplexität, die den sofortigen Beginn praktischer Vorbereitungen unabdingbar macht.

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