Thüringer eGovernment- und IT-Strategie

Strategisch zur Verwaltungsdigitalisierung

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Dabei können wir die technische Unterstützung und die notwendige Gesamtarchitektur bereitstellen, aber die fachliche Expertise muss verstärkt von den Fachressorts kommen. Jedes Ressort sollte sich aktiv ­darum bemühen, seine Fachanwendungen, die oft auf kommunaler Ebene durchgeführt werden, zu digitalisieren. Außerdem müssen alle Register an das sogenannte National-Once-Only-Technical-System (NOOTS) angebunden und aktiv weiter­entwickelt werden.

Was können Sie zur Umsetzung und den aktuellen Herausforderungen sagen?

Dr. Schubert: Insgesamt wird die Verwaltungsdigitalisierung schwer umzusetzen sein, da sie neben den alltäglichen Aufgaben bewältigt werden muss, insbesondere in den Fachressorts, die bereits völlig ausgelastet sind. Deshalb ist es notwendig, ­eigenes Fachpersonal zu haben, das sich ausschließlich auf die Digitalisierung konzentriert. Auf kommunaler Ebene ist die Herausforderung ­besonders groß, weil den kleinen Kommunen oft das nötige Personal fehlt und es sich ­finanziell nicht leisten können, um die erforderlichen Fachleute einzustellen. Deshalb müssen wir verstärkt auf Aus- und Weiterbildungen setzen, um aktuelle und zukünftige E-Government-Spezialisten auszubilden.
Wir sollten die neuen Auszubildenden und Absolventen verstärkt in Richtung Verwaltungsinformatik schulen, damit sie die Digitalisierung in den Ressorts, bei uns und in den Kommunen vorantreiben können. Dies erfordert auch einen Kulturwandel in den Verwaltungen, der nicht einfach über Nacht geschehen kann.

Die Verwaltungsdigitalisierung ist eine ­Daueraufgabe. Sie entwickelt sich ständig weiter, zum Beispiel durch maschinen­lesbare Gesetzestexte. Hier haben wir ein KI-Projekt mit der Universität Jena gestartet. Gesetzestexte müssen so gestaltet sein, dass Computer sie verstehen und digital verarbeiten können. Solche Entwicklungen stehen noch am Anfang und müssen kontinuierlich weitergeführt werden. Es ist wichtig, dass Abgeordnete bei der Verabschiedung von Gesetzen im Landtag oder Bundestag berücksichtigen, dass diese am Ende auch digital umsetzbar sind. Die Regeln müssen zur Verwaltung passen.

Was haben Sie darüber hinaus bisher erreicht?

Dr. Schubert: In Thüringen haben wir zwei neue Ausbildungswege eingeführt. Zum einen bieten wir an der dualen Hochschule Gera-Eisenach Ausbildungen für Beamte im mittleren und gehobenen Dienst an, speziell für Verwaltungsinformatiker. Das sind später genau die Menschen, die zwischen den Programmierern und den Verwaltungsfachleuten stehen und beide Welten verbinden. Diese Fachkräfte werden in Zukunft überall gebraucht, um die Digitalisierung in der Verwaltung voranzutreiben.
Zum anderen haben wir einen Studiengang an der Fachhochschule Schmalkalden etabliert, der zu einem Bachelor-Abschluss führt und schließlich eine Verbeamtung im gehobenen Dienst ermöglicht. Hier wird ebenfalls eine IT-Ausbildung angeboten. Diese beiden Bildungswege gewinnen langsam an Bedeutung und wir verzeichnen mittlerweile auch zunehmend mehr Bewerber. Da ist das Interesse doch ganz groß. Trotzdem werden in den nächsten Jahren noch viele Mitarbeiter ausscheiden, und die zu ersetzen wird nicht möglich sein. Heißt, wir müssen mit der Automatisierung einfache Aufgaben deutlich reduzieren. In den Großstädten sind teilweise bereits lange Wartezeiten in Verwaltungsangelegenheiten üblich, während es solche Probleme in ländlicheren Regionen eher weniger gibt. Dort ist der Fachkräftemangel aber noch gravierender.

(ID:50111992)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung in der Verwaltung

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung