Digitale Souveränität verstehen, Teil 2

Souveräne Verwaltungs-IT – von der Strategie zur Praxis

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Offene Standards als Basis technologischer Unabhängigkeit

Ein zentrales Element souveräner IT ist der Einsatz offener Standards. Diese schaffen Interoperabilität, ermöglichen die freie Wahl von Anbietern und schützen vor proprietären Abhängigkeiten. Offene Schnittstellen, offene Datenformate und nachvollziehbare Protokolle sind dabei essenziell. Sie ermöglichen es öffentlichen Einrichtungen, digitale Lösungen flexibel einzusetzen, weiterzuentwickeln und bei Bedarf zu migrieren. Gleichzeitig stärken offene Standards die europäische Innovationsfähigkeit, da sie lokale Anbieter in die Lage versetzen, sich in bestehende Infrastrukturen einzubringen und wettbewerbsfähig zu agieren.

Transparenz über Technologien und Prozesse schaffen

Transparenz ist eine weitere technische Voraussetzung für souveräne IT. Sie betrifft sowohl den Quellcode als auch die Architektur und den Betrieb von IT-Systemen. Nur wenn nachvollziehbar ist, wie Systeme funktionieren, welche Daten verarbeitet werden und welche externen Komponenten integriert sind, lässt sich Vertrauen schaffen. Transparenz ermöglicht es zudem, Schwachstellen zu erkennen, Sicherheitslücken gezielt zu schließen und Manipulationen frühzeitig zu identifizieren. Besonders im Bereich kritischer Infrastrukturen ist diese technische Klarheit unabdingbar.

Dokumentation als Grundlage für Wartung und Weiterentwicklung

Eine umfassende und systematische Dokumentation ist mehr als eine administrative Pflicht. Sie bildet die Grundlage dafür, dass digitale Lösungen langfristig betreibbar und weiterentwickelbar bleiben. Gerade im öffentlichen Sektor, in dem IT-Lösungen oft über viele Jahre im Einsatz sind, ist Dokumentation entscheidend für Wissenstransfer, Wartbarkeit und Unabhängigkeit von externen Dienstleistern. Gute Dokumentation unterstützt darüber hinaus die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und trägt zur IT-Compliance bei.

Kontrolle über Infrastruktur und Softwarekomponenten

Technische Souveränität bedeutet, jederzeit die Kontrolle über eingesetzte Systeme und Komponenten zu behalten. Dies betrifft sowohl physische Infrastruktur wie Server und Netzwerke als auch Software, deren Konfiguration und Updateprozesse. Kontrollfähigkeit erfordert Transparenz, aber auch technische Gestaltungsmöglichkeiten. Öffentliche IT sollte in der Lage sein, selbst zu entscheiden, wo und wie Daten gespeichert werden, welche Software eingesetzt wird und wie Sicherheitsrichtlinien durchgesetzt werden. Nur mit dieser Kontrolle lassen sich Sicherheitsrisiken minimieren und strategische Ziele verfolgen.

Abhängigkeiten identifizieren und gezielt auflösen

Viele heutige IT-Systeme sind tief in proprietäre Ökosysteme eingebunden. Diese Abhängigkeiten betreffen Betriebssysteme, Datenbanken, Entwicklungsumgebungen oder Cloud-Plattformen. Wer souveräne IT schaffen will, muss diese Abhängigkeiten systematisch analysieren und bewerten. Ziel ist es, Alternativen zu identifizieren, Migrationspfade zu schaffen und Schritt für Schritt Unabhängigkeit herzustellen. Das erfordert Zeit, Know-how und politische Entschlossenheit, ist aber die einzige Möglichkeit, langfristig handlungsfähig zu bleiben und digitale Selbstbestimmung zu sichern.

Souveräne IT kann nur auf einer technisch robusten, offenen und kontrollierbaren Grundlage entstehen. Offene Standards, Transparenz, vollständige Dokumentation, technische Kontrollfähigkeit und die aktive Reduktion von Abhängigkeiten sind die entscheidenden Bausteine. Wer diese Elemente konsequent berücksichtigt, schafft die Basis für eine digitale Verwaltung, die unabhängig, sicher und zukunftsorientiert handeln kann.

Souveränität braucht Haltung, Struktur und Technik

Dauerhafte digitale Souveränität erfordert mehr als technische Lösungen oder punktuelle Projekte. Sie braucht eine übergreifende Strategie, klare institutionelle Strukturen und den politischen Willen, Verantwortung zu übernehmen. Der langfristige Erfolg entscheidet sich nicht allein auf dem Papier, sondern in der inneren Haltung der Organisationen und im aktiven Engagement der Nutzerinnen und Nutzer. Wer souveräne IT nachhaltig etablieren will, muss diesen kulturellen und organisatorischen Wandel bewusst gestalten.

Nur wenn souveräne Prinzipien tief in der Struktur, der Kultur und den Prozessen verankert sind, entsteht eine digitale Verwaltung, die unabhängig, anpassungsfähig und zukunftsfähig ist. Technisch basiert souveräne IT auf einer robusten, offenen und kontrollierbaren Architektur. Offene Standards, Transparenz, vollständige Dokumentation, technische Kontrollfähigkeit sowie die gezielte Auflösung von Abhängigkeiten bilden dabei die zentralen Bausteine.

Wer diese Elemente strategisch und konsequent verfolgt, schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch eine belastbare Grundlage für eine digitale Verwaltung im Sinne der öffentlichen Werte, der Sicherheit und der Selbstbestimmung.

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Björn Wessel
beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren intensiv mit Cloud-Angeboten und deren Nutzbarkeit für die digitale Transformation in der Verwaltung. Er arbeitet bei CONET als Vice President Managed Service und ist Evangelist für das Thema „Souveräne Cloud“.

Bildquelle: CONET

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