Digitalisierung Digitale Souveränität und das große „Aber“

Von Susanne Ehneß 2 min Lesedauer

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Digitale Souveränität wollen so gut wie alle. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Im Austausch: (v. l.) Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Dr. Reinhard Brandl, Claudia Plattner und Katharina Schwarz.(Bild:  Matthias Balk)
Im Austausch: (v. l.) Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Dr. Reinhard Brandl, Claudia Plattner und Katharina Schwarz.
(Bild: Matthias Balk)

Auf der Prioritätenliste steht digitale Souveränität ganz oben. Bund, Länder und Kommunen wollen raus aus der technischen Abhängigkeit großer US-Konzerne und vermehrt auf deutsche oder zumindest EU-Lösungen setzen.

Doch der Weg dorthin ist schwierig. „Die Abhängigkeiten haben sich über Jahrzehnte aufgebaut“, sagte Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), kürzlich im Rahmen eines Roundtables von Myra Security. Plattner verwies auf die oft attraktiveren Leistungsangebote der US-Konkurrenz und mahnte: „Wir müssen konkurrenzfähig werden!“ Und zwar sowohl in Bezug auf die Performance als auch auf den Preis. Der Bund könne zwar entsprechende Rahmenbedingungen erfüllen, aber am Ende werde sich der Anwender, der Unternehmer für das entscheiden, was wirtschaftlich sinnvoll sei. Die Lösungen müssten funktionieren und skalierbar sein, in Unternehmen genauso wie in der Bundesverwaltung.

Am Ende des Tages muss der Laden laufen.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner

Die Einschätzung Plattners wird durch aktuelle Studienergebnisse gestützt. Das Unternehmen Myra Security hat in seiner Untersuchung „State of Digital Sovereignty 2025“ rund 1.500 IT-Entscheider hinsichtlich ihrer Bemühungen zu digitaler Souveränität befragt. „84,4 Prozent wollen keine KRITIS made in USA, sind dabei aber selbst nicht konsequent“, fasste Paul Kaffsack, Managing Director von Myra Security, zusammen. Es gebe zwar europäische Alternativen, und diese seien durchaus bekannt, trotzdem gebe es in der Realität einen „US-Login statt Souveränität“. Besonders ausgeprägt sei die Abhängigkeit bei Cloud-Services und Cybersicherheit.

Der Staat als Vorbild

Eine deutliche Diskrepanz also zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Ebenso wie Claudia Plattner betonte auch Kaffsack die Bedeutung einer echten Konkurrenzfähigkeit. Der Wechselwille ist da, sagte er, aber eben nur unter bestimmten Voraussetzungen. Dazu zählen laut Kaffsack eine vergleichbare Performance sowie finanzielle Anreize – Kaffsack betonte hierbei die Gesamtkosten der Lösung, aber auch staatliche Förderprogramme; möglich sei beispielsweise eine Art „Abwrackprämie“. Wichtig seien zudem Leuchtturmprojekte mit dem Staat als Ankerpunkt.

Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker fasste im Kurzinterview die zentralen Punkte zusammen, die auf Bund-, Länder- oder Kommunalebene passieren müssen, um die digitale Souveränität voranzutreiben, ging aber auch auf Barrieren ein:

Auf die Frage, ob das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS), als Anlaufstelle für die Kommunen ausgebaut werden sollte, sagte Kipker:

Kipker machte auch ganz klar, dass digitale Souveränität ein „gesamtgesellschaftliches Thema“ sei, das alle betreffe und sich auf jedes einzelne Produkt beziehe. Dieser Aspekt sei noch nicht überall durchgedrungen.

Dr. Reinhard Brandl, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, hat in den Koalitionsverhandlungen den Bereich „Digitalpolitik“ begleitet und verdeutlichte die umfassende Bedeutung des Themas: „Das ist kein Thema für Nerds, hier geht es um harte Interessen, um Wirtschaftspolitik.“ IT-Security betrachtet er daher als „Schlüsseltechnologie“, die weiter gefördert werden müsse.

Für die Kommunen nahm Claudia Plattner den Druck etwas raus. Zwar sei Souveränität – und ZenDiS-Lösungen wie openDesk – das Ziel, doch es müssten nicht alle zwingend jetzt sofort umsteigen. Vielmehr sollten die Kommunen „vom Service-Aspekt ausgehen“ und könnten anfangs Open-Source-Lösungen als Fallback-Option nutzen. Denn egal ob Unternehmen oder Verwaltung: „Am Ende des Tages muss der Laden laufen.“

Impressionen zum Roundtable von Myra Security:

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