Innovative Gestaltung von Arbeitsabläufen auf Basis offen standardisierter Dokumentenformate

Softwareindustrie auf dem Weg zur Interoperabilität der Formate

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Standardisierung verbessert Interoperabilität

In vielen Bereichen der IT haben sich – historisch bedingt – für ähnliche Aufgabenstellungen unterschiedliche Standards entwickelt und etabliert. Das ist keine Besonderheit der IKT-Branche: Auch heute noch muss der Bahnverkehr in Europa mit unterschiedlichen Spurweiten zurechtkommen, und jedermann hat wohl schon einmal erfahren müssen, dass in einem fremden Land der Stecker eines Elektrogerätes nicht in die ortsüblichen Anschlüsse passt oder auch die Spannung der Stromnetze anders genormt ist. Unterschiedliche Standards hatten und haben ihre Berechtigung, wenn auf diese Weise Anforderungen der Anwender besser erfüllt werden können.

In der Informations- und Kommunikationstechnologie kann meist mit speziellen Übersetzungswerkzeugen zwischen solchen parallelen Standards eine Brücke geschlagen werden. Aber wie das Beispiel Spurweite im Bahnverkehr zeigt, behindern unterschiedliche Standards auch die Interoperabilität der Systeme.

Die Industriegeschichte lässt Muster erkennen, nach denen die am Markt agierenden Wettbewerber schließlich vereinheitlichte Standards im Konsens finden: Anfangs, bei der Herausbildung einer Industriebranche, gehen die Pionier-Unternehmen getrennte Wege und entwickeln ihre Produkte in Konkurrenz zueinander. Sie etablieren jedoch schon eigene Unternehmensstandards, aus denen dann nach einer gewissen Zeit Industriestandards hervorgehen, die – von den Kunden eingefordert – im weiteren Verlauf zu einvernehmlich beschlossenen offenen Konsortialstandards der an einem Markt beteiligten Wettbewerber heranreifen.

Erst in dieser Phase der bis dahin individuell motivierten Standardisierungsbemühungen zeigt sich in der Regel der große Nutzen von darüber hinaus gesellschaftlich formalisierten Standards, die im Rahmen des DIN (Deutsches Institut für Normung) oder der ISO (International Organization for Standardization) unter Beteiligung der Marktteilnehmer erarbeitet werden und repräsentativ sind für den jeweils erreichten Stand der Technik. Die heute verfügbaren Dokumentenformate in der IKT sind Ergebnis von Vereinheitlichungen über verschiedene Konsortien und wurden auch formal von Standardisierungsgremien verabschiedet.

Die Normierungsorganisation Ecma International hatte Office Open XML im Dezember 2006 ratifiziert – seit 2008 ist Office Open XML als ISO-Standard nach ISO/IEC 29500 anerkannt. Die Spezifikation des ISO/IEC-Standards (IS29500) für Office Open XML ist von der ISO/IEC veröffentlicht und steht jedem Nutzer im Rahmen der ISO-Rahmenbedingungen zur Verfügung. Office Open XML der Ecma ist heute das Standard-Datenformat von Office 2007 und kann mit älteren Microsoft-Office-Versionen über einen kostenlosen Add-in genutzt werden. Die Unterstützung der IS29500-Spezifikation wurde von Microsoft für die nächste Version von Office, Codename „Office 14“ angekündigt.

Wenn es auch wünschenswert wäre, nur einen alles umfassenden Standard nutzen zu können, setzt auch die IT-Wirtschaft aus pragmatischen Erwägungen häufig noch parallele Standards ein, die unterschiedliche Anforderungen optimal unterstützen, beispielsweise bei Bildern und Grafiken (JPEG, PNG, TIFF, etc.). Der Umgang mit verschieden Formaten ist dann unproblematisch, wenn die relevanten Standards von vielen Produkten unterstützt werden und wenn es Konvertierungswerkzeuge zur Umwandlung der Daten gibt.

So unterstützt Microsoft Office eine Vielzahl von Dokumentenformaten (beispielsweise TXT, PDF, ODF, Office Open XML). Die jüngste Entwicklung ist die Erweiterung von OASIS ODF 1.1 in Microsoft Office 2007, das auch als Standard-Speicherformat eingestellt werden kann.

Auch die zurzeit verfügbaren Dokumentenformate haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entlang unterschiedlicher Anforderungen herausgebildet: Von der ISO standardisierte Formate sind neben Office Open XML unter anderem das Open Document Format (ODF) und das Portable Document (PDF). In China wird zurzeit an einem den dortigen Sprachanforderungen gerecht werdenden Unified Office Format (UOF) auf XML-Basis gearbeitet. All diese Dokumentenformate können vom Anwender parallel genutzt werden.

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