Politisch motivierte Cyberkriminelle wollen vor allem eins: Aufmerksamkeit. Dafür setzen sie auf DDoS-Attacken, am liebsten in Zeiten politischer Umbrüche, beispielsweise bei Neuwahlen. Myra Security hat die Aktivitäten analysiert.
Mithilfe von Distributed-Denial-of-Service-Angriffen stören Cyberkriminelle weltweit Wahlen.
Im Juli verzeichnete Myra den meisten schädlichen Datenverkehr, danach nahm das Volumen deutlich ab.
(Bild: Myra Security)
Die gute Nachricht des Myra Cybersecurity Reports 2025: Die Anzahl schädlicher Requests ist in der zweiten Jahreshälfte 2024 stark zurückgegangen. Die schlechte Nachricht: Im Gesamtjahr 2024 ist die Anzahl um 25 Prozent gestiegen. Der Cybersicherheitsanbieter Myra Security hat die Daten seines Security Operation Centers (SOC) genutzt, um das Volumen an schädlichen Traffic-Strömen auszumachen. In der ersten Jahreshälfte 2024 stieg dieser signifikant an, um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Juli 2024 gab es den meisten schädlichen Traffic, danach waren die Angriffe den Analysten zufolge rückläufig. Als Grund dafür benennen sie die erfolgreichen Operationen internationaler Ermittlungsbehörden, die mehrere zentrale Cybercrime-as-a-Service-Plattformen offline nahmen.
49 Attacken pro Unternehmen pro Jahr
Dennoch bleibt die Bedrohung, der Unternehmen ausgesetzt sind, erheblich. Ein besonders prägendes Ereignis für die IT-Welt war der Backdoor-Angriff auf xz-Utils. Cyberkriminelle hatten über drei Jahre lang das Open-Source-Projekt infiltriert, um Schadcode einzuschleusen, der dann den Fernzugriff auf betroffene Systeme ermöglichte. Und auch das fehlerhafte Crowdstrike-Update hat weltweit für den Ausfall von etwa 8,5 Millionen Windows-Systemen geführt. Dabei belaufen sich die Kosten laut Myra auf etwa 5,4 Millionen Dollar für die Fortune-500-Unternehmen in den USA. Weltweit wird der Gesamtschaden auf circa 15 Milliraden Dollar geschätzt.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker Research Director cyberintelligence.institute und Myra Advisory Board Member „Cybersicherheit wird immer mehr vom abstrakten Kostenfaktor zum konkreten Verkaufsargument avancieren, denn nur wenn ich als Unternehmen hinreichend sichere Prozesse habe, können sich die Kunden auch auf meine Leistungsfähigkeit verlassen.“
Bildquelle: Myra Security
Öffentlicher Sektor ist Cyberhotspot
Myra zufolge sind Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) die beliebteste Methode unter Cyberkriminellen, um Cybervorfälle mit möglichst hoher öffentlicher Beachtung zu provozieren. In Europa sei der öffentliche Sektor dabei mit Abstand am stärksten von Überlastungsangriffen betroffen. Ein Drittel aller gemeldeten Attacken ziele auf die Webseiten und Dienste von Behörden ab. Und hinter 40 Prozent der DDoS-Angriffe würde mutmaßlich eine politische Motivation oder aktivistische Agenda stecken, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem (Cyber-)Krieg in der Ukraine.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhalten Cyberkriminelle, wenn sie Attacken während Wahlen starten. Myra habe im September 2024 über einen längeren Zeitraum hinweg mehrere DDoS-Angriffe auf österreichische Organisationen im Zusammenhang mit den Nationalratswahlen beobachtet. Eine Attacke, die über 24 Stunde angedauert habe, habe der Hersteller von einer zentralen Landesbehörde abgewehrt. Auch das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz warnte im November 2024 vor Cyberangriffen im Zusammenhang mit der anstehenden Bundestagswahl, möglicherweise eingeleitet von anderen Staaten.
Bereits im Dezember 2024 war in Rumänien zu sehen, wie Cyberangriffe demokratische Wahlen gefährden. Dem rumänischen Geheimdienst zufolge war die Wahlinfrastruktur des Landes im Kontext der Präsidentschaftswahl das Ziel von 85.000 Cyberangriffen, die von Desinformationskampagnen in den sozialen Medien begleitet wurden. Woraufhin das oberste Gericht Rumäniens die erste Runde der Wahl für ungültig erklärte.
Sergej Epp CISO bei Sysdig und Myra Advisory Board Member „Die sabotierten Präsidentschaftswahlen in Rumänien liefern die Blaupause: Ein KI-Botnetz reicht aus, um unsere Demokratie vollständig zu untergraben. Die Zeit der Warnungen ist vorbei – entweder wir rüsten unsere digitale Resilienz jetzt auf oder wir verlieren die Kontrolle über unsere demokratischen Prozesse.“
Bildquelle: Myra Security
„Auch wenn die geringeren Angriffszahlen im zweiten Halbjahr 2024 Hoffnung geben, hat sich die Gesamtlage leider abermals verschärft“, erklärt Christof Klaus, Director Global Network Defense bei Myra. „Politisch und wirtschaftlich befinden wir uns in herausfordernden Zeiten. Durch Cyberangriffe und Desinformation versuchen politisch motivierte und teils staatlich unterstützte Cyberakteure, diese Gemengelage auszunutzen. Das dürfen wir nicht zulassen – zum Schutz unserer Wirtschaft und vor allem zum Schutz unserer Demokratie. Noch nie war es so wichtig, unsere digitale Verteidigungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und weiter auszubauen.”
Stand: 08.12.2025
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