Sechs Faktoren, um die OZG-Umsetzung zu beschleunigen

Öffentliche Verwaltung schneller digitalisieren

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Erfolgsfaktor 4: Agile Vorgehensmodelle einführen

Ein Wasserfall wird immer eine touristische Attraktion bleiben. Als Vorgehensmodell für IT-Projekte hat er aber so langsam ausgedient. Die heutige (IT-)Projektwelt ist vor allem eines: dynamisch. Rahmenbedingungen ändern sich rasch, neue Gesetze müssen schnell in der IT umgesetzt werden. Um ­dieser Dynamik zu entsprechen, haben sich in der Industrie, aber zunehmend auch in der Verwaltung agile Vorgehensmodelle wie ­SCRUM und SAFe® als Alternativen zu klassischen Methoden entwickelt. Teams können dadurch flexibler auf Veränderungen reagieren, gehen gleichzeitig äußerst zielorientiert vor: Sie arbeiten in relativ kurzen Projektzyklen, sogenannten Sprints, und können ihre Produkte schneller ausliefern oder Zwischenergebnisse zeigen.

Besonders gut lassen sich agile Vorgehensmodelle mit Low-Code-Plattformen (siehe Punkt 3) verbinden. Denn oft können schon Zwischenergebnisse als vollwertige Software genutzt werden. Gerade für die öffentliche Verwaltung interessant: Die neuen Vorgehensmodelle sind auch kompatibel mit dem Vergabe- und Haushaltsrecht. So ermöglichen sogenannte „Agile Festpreisprojekte“ haushälterische Planungssicherheit und Qualitätskontrolle.

Erfolgsfaktor 5: Souveräne, skalierbare und sichere Plattformen einsetzen

Modernisierte oder neu entwickelte Plattformen, Softwarekomponenten und Fachverfahren werden zukünftig immer unabhängiger von der darunterliegenden Betriebs­infrastruktur, also Betriebssystem und Hardware. Möglich macht es die bereits angesprochene Containerisierung: Die Container enthalten alles, was für den Betrieb der jeweiligen Lösung erforderlich ist, zum Beispiel Frameworks.

Ist es also egal, welche Infrastruktur die öffentliche Verwaltung in Deutschland nutzt? Maßstab wird hier immer der hochsichere Betrieb in eigenen Rechenzentren sein. Mit der Deutschen Verwaltungscloud-Strategie (DVS) ist der strategisch richtige Weg eingeschlagen: Nämlich die bestehende, verwaltungseigene Infrastruktur interoperabel und kompatibel auszurichten, um sie miteinander zu vernetzen.

Darüber hinaus stellt eine umfassende Standardisierung sicher, dass die Zusammenarbeit mit verwaltungsexternen IT-Dienstleistern sicher und unter Beachtung der Souveränität erfolgen kann. So kann die Verwaltung bereits jetzt hochverfügbare und skalierbare Betriebsarchitekturen schaffen, durch die sich eigene Infrastruktur und externe IT-Ressourcen ­sicher im hybriden Betrieb kombinieren lassen.

Erfolgsfaktor 6: Standards nutzen und von Innovationen profitieren

Schon 1989 hat die deutsche Verwaltung eine Leitstelle für Protokollstandards (Online Services Computer Interface, OSCI) aufgebaut, 2011 ist daraus die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) hervorgegangen. Für Ende-­zu-Ende-Prozesse ohne ­Medienbrüche bilden solche Standards die Grundlage. Auch beim weiteren Ausbau der Digitalisierung ist es wichtig, auf die deutschen Standards aufzubauen – sie aber falls nötig auch durch internationale Industriestandards zu ergänzen. Darüber hinaus muss die deutsche Verwaltung künftig weiterhin offen für Innovationen wie neue Technologien sein. Durch automatisierte Analysen und Entscheidungsvorlagen auf KI-Basis lassen sich Verwaltungsprozesse unterstützen und beschleunigen; eine wichtige Komponente, um dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel zu begegnen. Bürger:innen und Wirtschaft erhalten wiederum die vielfach eingeforderte Beschleunigung von Verwaltungsprozessen.

Mitunter lohnt sich in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf bereits etablierte Technologien in der Wirtschaft – etwa SSI-Wallets (Self-Sovereign Identity), also virtuelle Brieftaschen, mit denen die Menschen ihre digitalen Identitätsdaten selbstständig verwalten können. Auch in Zukunftsvisionen wie dem Metaverse können konkrete Anwendungsfälle für die öffentliche Verwaltung stecken – und könnten zum Beispiel den virtuellen Behördengang zur buchstäblichen Realität machen.

Fazit: Digitalisierung ist kein 100-Meter-Lauf

Die Verwaltungsdigitalisierung ist eine umfangreiche Aufgabe, alle Beteiligten stehen vor Herausforderungen. Aber angesichts der beschriebenen, praxiserprobten Erfolgsfaktoren kann und wird sie weiter erfolgreich voranschreiten. Kreative Ideen zur Budgetierung müssen gesucht und gefunden und die Zusammenarbeit über die Ebenen-Grenzen hinweg sollte zum Standard werden. Einen langen Atem werden die Verantwortlichen im IT-Planungsrat im engen Schulterschluss mit den Kommunen sowie den IT-Dienstleistern sicher haben müssen. Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ist eben kein 100-Meter-Lauf – aber auch ein Marathon lässt sich mit Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit erfolgreich meistern.

Dipl. Kaufmann Jürgen Breithaupt
Tribe Head Digitale Verwaltung / OZG, Deutsche Telekom

Bildquelle: Deutsche Telekom AG

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