Bewährtes bewahren, Besseres begrüßen

Niedersachsen setzt auf Mix aus Open Source und Microsoft

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Die erste Sitzung des IT-Planungsrats in diesem Jahr sowie der Fachkongress fanden kürzlich in Hannover statt. Wie wichtig ist der Austausch mit den anderen Bundesländern?

Baier: Aufgrund der föderalen Struktur sind wir auf eine enge Zusammenarbeit mit allen Ländern und dem Bund angewiesen. Die Umsetzung der Digitalisierung in Deutschland ist aus verschiedenen Gründen zu langsam. Ein Grund sind unsere heterogenen Strukturen und Vorgehensweisen. Jedes Land und vor allem jede Kommune hat eine komplett individuelle IT-Struktur mit einem immensen Aufwand bei der Einführung zentraler Komponenten wie den Onlinediensten oder der Modernisierung von Registern. Wenn wir die Strukturen nicht stärker standardisieren, werden wir beim nächsten Großprojekt Registermodernisierung wieder viel zu langsam und auch zu teuer sein.
Von den Kommunen kommen in Niedersachsen aufgrund der Komplexität auch zunehmend Forderungen, die IT zu standardisieren und zu vereinfachen. Daher bin ich sehr zufrieden mit der aktuellen Entwicklung im IT-Planungsrat und der FITKO. Wir haben uns auf Schwerpunktthemen fokussiert und gerade in der letzten Sitzung mit der Deutschen Verwaltungscloud, Architekturrichtlinien und dem Marktplatz wichtige Schritte zur Konsolidierung der IT-Landschaft beschritten.
Das neu geschaffene Standardisierungsboard unter Beteiligung des DIN und privater Anbieter wird auch einen wichtigen Beitrag zur Beschleunigung der Digitalisierung leisten. Unabhängig davon sind wir zwischen den CIOs in einem sehr vertrauensvollen Austausch über Methoden und Hemmnisse zur Digitalisierung in den Ländern. Wir lernen gerne von guten Beispielen aus allen Ländern.

Wenn wir die Strukturen nicht stärker standardisieren, werden wir beim nächsten Großprojekt Registermodernisierung wieder viel zu langsam und auch zu teuer sein.

Welche nächsten Schritte geht Niedersachsen bei der Verwaltungsdigitalisierung?

Baier: Zunächst müssen wir die OZG-Umsetzung in der Fläche zu einem guten Abschluss bringen. Wir haben hier ein Konsortium von kommunalen IT-Dienstleistern beauftragt, die Kommunen bei der Umsetzung aktiv zu unterstützen. Die Anbindungszahlen gehen seitdem in die Höhe. Bei der Registermodernisierung haben wir unter Einbindung von Kommunen und Fachverfahrensherstellern Pilotprojekte zur Modernisierung von Registern und den Abruf von Identifikationsnummern gestartet. Hieraus erwarten wir Erkenntnisse für einen Flächenrollout in Niedersachsen und vielleicht auch in anderen Ländern.
Ein wichtiges Thema ist die Schaffung von Kompetenzen und Strukturen in den Bereichen KI, RPA, Low-Code und Cloud bei unseren IT-Betrieben. Sehr zufrieden bin ich mit dem Rollout der E-Akte auf ca. 30.000 Arbeitsplätzen, der ohne Probleme in absehbarer Zeit abgeschlossen sein wird. In diesem Rahmen wurden Workflows für viele Routineprozesse aufgebaut. Aktuell arbeiten wir auch an der Anbindung von Fachverfahren an die E-Akte.
Eine Herausforderung stellt die Steuerung der IT im Land Niedersachsen dar. Ich verfolge das Ziel, die über viele Ressorts verteilten Finanzmittel stärker zentral zu bündeln und der IT damit im Land einen höheren Stellenwert zu geben. Angesichts knapper Finanzmittel müssen wir stärker darauf achten, Synergien zu schaffen und Doppelentwicklungen zu vermeiden. Hierbei spielt auch die Stärkung eines zentrales IT-Architekturmanagements eine wichtige Rolle. Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit unserer IT-Betriebe haben wir ein Benchmark aufgesetzt, aus dem wir bereits viele Anregungen für Kostenreduktionsmaßnahmen erhalten haben.
Letztlich stehen auch die Stärkung der Cybersicherheit und der Resilienz im Fokus. Durch die geplante Anschaffung eines cloudbasierten SIEM-Systems mit KI-Technologie und der Implementierung eines Business Continuity Managements stellen wir uns den Gefahren aus Cyberangriffen. Wir bauen gerade in allen Ressorts Kapazitäten für ein BCM auf und müssen in Zukunft verstärkt Übungen durchführen, um für den Fall eines erfolgreichen Angriffs gerüstet zu sein.

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