Anreize für kostenbewusstes Handeln

Neue Steuerungsmethoden bringen Kirchen finanziellen Spielraum

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Hohe Eigenverantwortung im Rheinland

Die evangelische Kirche im Rheinland ist dezentral geprägt und baut vor allem auf Freiwilligkeit und Gemeinschaftsgeist. Die heute rund 770 Kirchengemeinden besitzen ein starkes regionales Selbstbewusstsein. Laienbeteiligung und Selbstverwaltung werden großgeschrieben. Während andere die Doppik unter anderem mit dem Ziel einführen, die Eigenverantwortung zu stärken, ist diese bei den Gemeinden der rheinischen Kirche schon immer vorhanden.

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Neuland ist hingegen das einheitliche ERP-System, mit dem die technische Umstellung flächenweit realisiert wird. Dass „Rheinische Vielfalt“ und „einheitliche Software“ miteinander harmonieren, liegt vor allem daran, dass die Lösung flexibel auf die unterschiedlichen Strukturen angepasst werden kann. Jede Gemeinde lässt sich buchungstechnisch als eigenständiger Mandant führen und auf die speziellen Bedürfnisse konfigurieren. So können unter anderem individuelle Buchungskreise eingerichtet oder eine feingliedrige Berechtigungsstruktur hinterlegt werden. Die Autonomie ist gewahrt, da keine Gemeinde und auch nicht die Landeskirche auf die Daten der anderen Mandanten zugreifen können.

Der Nutzen der neuen Lösung war vor Ort schnell erkennbar: Nebenbücher wie die Anlagenbuchhaltung werden direkt bei der Belegerfassung mit angesprochen. Insellösungen und „selbst gestrickte“ Hilfstabellen gehören hier der Vergangenheit an, sodass sich Aufwände verringert haben. Auch Auswertungen lassen sich einfacher erstellen. Der größte Nutzen verbindet sich für alle Beteiligten allerdings mit der spezifischen Ausprägung der Doppik: Aufwände, Erträge und Investitionen werden nicht nur technisch erfasst, sondern mit der Gemeindekonzeption verbunden.

Das Werkzeug hierfür ist das sogenannte Haushaltsbuch. Es besteht aus fünf Handlungsfeldern, die für alle Kirchengemeinden und Kirchenkreise gleich sind (Gottesdienst und Kirchenmusik, Allgemeine Gemeindearbeit, Seelsorge). Pro Handlungsfeld werden Ziele formuliert und die dazugehörigen Maßnahmen geplant. Die anfallenden Aufwände und Erträge werden in Kostenstellen erfasst und auf die verschiedenen Handlungsfelder verteilt. Damit wird deutlich, welche Kostenanteile etwa der Verwaltung oder des Pfarrdienstes auf die einzelnen Handlungsfelder entfallen.

Nicht nur der Einsatz von hauptamtlich Mitarbeitern und die Finanzen werden transparent ausgewiesen, sondern auch die ehrenamtliche Tätigkeit und das Vermögen. Qualitative oder quantitative Kennzahlen dienen als Zielvorgaben. Das Presbyterium erhält wertvolle Informationen zum Steuern des „Gemeindeschiffs“. Werden die Ziele in den einzelnen Handlungsfeldern mit weniger Aufwand erreicht, können die Mittel bei Budgetierung für Folgejahre genutzt werden. Das schafft Anreize für kostenbewusstes Handeln.

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