Transformation und Beschaffung

Nachhaltigkeit bei der öffentlichen Vergabe

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Die Kosten sind ein großer Faktor bei der Vergabe. Wie lässt sich dieser Faktor ermitteln, wenn es um nachhaltige Produkte geht? Hier sind die Kosten ja oftmals höher, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis insgesamt ist besser.

Wolinda: Das ist richtig, die angespannte Haushaltslage ist in vielen Kommunen aktuell das beherrschende Thema, das kann ich aus meiner eigenen kommunalpolitischen Arbeit bestätigen. Dennoch würde ich hier zwischen zwei Kostenarten unterscheiden wollen. Das eine sind die unmittelbaren monetären Kosten, die für die beschaffende Verwaltung anfallen. Hier müssen Kompetenzen aufgebaut werden, Lebenszykluskosten­berechnungen für verschiedenste Produkte zu erstellen, um eine echte Wirtschaftlichkeitsprüfung vornehmen zu können.
Wichtig ist hierbei, dass nicht jede Person in jeder Vergabestelle mit jedem Produkt bei Null anfängt, sondern Erfahrungswerte beispielsweise für die Instandhaltung einer Straßenkehrmaschine auf zehn Jahre innerhalb der Kommunen und auch zwischen den Kommunen geteilt werden. Hier wäre möglicherweise eine zentrale Datenbank mit solchen Werten hilfreich.
Darüber hinaus sollte besonders der Staat mit all seinen Gliederungen einen besonderen Fokus auf die gesellschaftlichen Kosten seines Handelns legen. Daher sollten aus meiner Sicht Verantwortliche bei allem Spardruck, den wir aktuell in Kommunen erleben, auch stets im Blick behalten, was eine Vergabeentscheidung für nicht-monetäre Kosten mit sich bringt.

Was muss sich ändern, damit Nachhaltigkeit bereits bei der Beschaffung einen höheren Stellenwert erhält?

Wolinda: Nachhaltigkeit in der ­öffentlichen Beschaffung ist eine strategische Aufgabe. Daher benötigen die umsetzenden Personen in den Verwaltungen entsprechende Ziele und Rückhalt von der ­Führung, dazu zähle ich den Rat und den Verwaltungsvorstand. Herrscht in der Verwaltung in Bezug auf Nachhaltigkeitsziele Unklarheit, fallen sie als vermeintlich weiche Faktoren eher hinten rüber und es bleibt dann vielfach der reine Beschaffungspreis als Kriterium übrig. Aber besonders auf der kommunalen Ebene, wo die Bürgerinnen und Bürger viel dichter an ihrer Verwaltung und ihrer politischen Vertretung dran sind, können sie auch über Bürger­anträge, direkte Gespräche mit Rats- und Verwaltungsmitgliedern und natürlich über ihr Kreuz bei der nächsten Wahl Einfluss auf die Bedeutung von Nachhaltigkeit in ihrer Kommune nehmen.

Studie

Die Studie „Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung“ der Bertelsmann-Stiftung gibt es online kostenfrei zum Download.

Zum Download der Studie

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