Das Bundeskabinett hat die Hightech-Agenda beschlossen. Damit soll der Wirtschaftsstandort Deutschland einerseits gestärkt und die Abhängigkeiten von anderen signifikant reduziert werden. Noch in diesem Jahr sollen erste Projekte daraus realisiert werden.
Deutschland soll durch die im Bundeskabinett beschlossene Hightech-Agenda seine wirtschaftliche Strahlkraft wiedererlangen.
(MH - stock.adobe.com)
Ursprünglich wurde das Siegel „Made in Germany“ im ausgehenden 19. Jahrhundert in Großbritannien eingeführt, um „minderwertige“ Importwaren aus dem deutschen Kaiserreich zu kennzeichnen. Spätestens seit Ende des zweiten Weltkriegs hat sich der vermeintliche Malus zu einem Bonus gewandelt. Lange Zeit galt Made in Germany – unabhängig von den Produktklassen – als Gütesiegel und versprach höchste Qualität, Langlebigkeit und Ingenieurskunst. Doch mit immer stärker abnehmender Qualität und Margenoptimierungsmaßnahmen durch Auslandsfertigung hat das Siegel in den letzten Jahren deutlich an altem Glanz verloren.
Mit der jüngst beschlossenen Hightech-Agenda möchte das Bundeskabinett „Made in Germany“ erneut zum Markenzeichen Deutschlands machen. Darüber hinaus soll der Standort Deutschland jungen Talenten, finanzstarken Investoren sowie innovativen Start-ups attraktive Angebote bieten, sodass mehr Wertschöpfung, eine größere Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt eine erhöhte Souveränität geboten sind.
Im Wesentlichen konzentriert sich die Hightech-Agenda auf folgende sechs Schlüsseltechnologien:
Künstliche Intelligenz
Quantentechnologien
Mikroelektronik
Biotechnologie
Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung
Technologien für die klimaneutrale Mobilität
Das Ziel besteht darin, die Innovations- und Wirtschaftsstärke Deutschlands erheblich zu steigern, indem gezielt in diese Technologien investiert wird. Dies soll vorrangig durch eine beschleunigte Erforschung, Entwicklung und Nutzung von Technologien sowie durch eine konsequente Fokussierung auf den Ausbau von Technologiekapazitäten in Deutschland und Europa erreicht werden.
Wer Standards setzt, gewinnt Märkte
Sarah Bäumchen, Geschäftsführerin des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), sagt zur Hightech-Agenda der Bundesregierung, dass diese ein klares Bekenntnis zu einer technologiegetriebenen Standortpolitik sei und ein dringend notwendiges Signal setze, die Technologien von Morgen stärker ins Rampenlicht zu stellen und zu fördern. Die Agenda erkenne damit das hohe Wertschöpfungspotenzial von Wachstumsmärkten wie industrieller KI, Mikroelektronik oder intelligenter Energietechnik an und denke Innovationen endlich gesamtheitlich: von der Forschung, über die Entwicklung bis hin zur industriellen Skalierung.
„Deutsche und europäische Unternehmen haben gerade in diesen Bereichen eine hohe Innovationsstärke – das gilt insbesondere für die Elektro- und Digitalindustrie, aus der jede dritte Neuerung im verarbeitenden Gewerbe hervorgeht“, so Bäumchen. Allerdings blieben bei vielen Innovationen die Skalierung und Marktdurchdringung weiterhin eine große Herausforderung.
Die Umsetzung der Hightech-Agenda sollte deswegen um die Einführung einer steuerlichen Normungsförderung analog zur Forschungszulage synchronisiert werden, betont Bäumchen. Die Agenda sei ein wirkungsvoller Hebel, um neue Technologien schneller in die Anwendung zu bringen und international zu skalieren. So könne man weiterhin – auch international – Standards setzen. „Denn wer Standards setzt, gewinnt Märkte.“
Außerdem gelte es, den regulatorischen Rahmen weiter zu entschlacken und Ressourcen gezielt einzusetzen. Insbesondere mittelständische Unternehmen würden unter widersprüchlichen und überlappenden Vorgaben – etwa beim AI Act oder der Medical Device Regulation – ächzen. Es brauche daher in den Augen des ZVEI einen konsequenten „Digital-Omnibus“-Ansatz für EU-weit einheitliche, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen.
„Wir müssen Spitzentechnologien Made in Germany stärken“
Auch Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst hat sich zur Hightech-Agenda geäußert und betont, dass die Agenda die „genau richtigen“ Schwerpunkte setze. Namentlich seien dies Digitalisierung, Energieversorgung sowie Sicherheit. Die neue Hightech-Agenda markiere darüber hinaus eine Abkehr vom über Jahrzehnte praktizierten Gießkannenprinzip, womit von der Bundesregierung jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge breit über die Forschungsinstitute und Unternehmen hinweg verteilt worden seien. Künftig würden die Mittel dort konzentriert, wo Deutschland besonders große Chancen, aber auch einen besonders großen Bedarf habe. Künstliche Intelligenz, Quantum Computing und Mikroelektronik gehörten zu jenen Technologien, die von der Bundesregierung schwerpunktmäßig gefördert werden sollten.
Nun seien in Wintergersts Augen zweierlei Dinge von hoher Wichtigkeit. „Die Bundesregierung muss auf Kurs bleiben und darf diesen guten Ansatz im weiteren Prozess nicht zerreden lassen. Und sie muss die Verfahren der Projektförderung agiler gestalten.“ Technologien wie KI entwickelten sich derart schnell weiter, dass die traditionell trägen Ansätze der Projektförderung nicht Schritt halten könnten, so Wintergerst. Es müsse in den laufenden Förderprojekten leichter möglich sein, Anpassungen vorzunehmen und so den zwischenzeitlichen Fortschritt der technologischen Entwicklung umfassend zu berücksichtigen. Ziel müsse es weiterhin sein, Deutschland zu einem digital souveränen Land zu machen. „Dazu müssen wir nicht alles selbst machen und jedwede Schlüsseltechnologie in Deutschland im Detail beherrschen. Was wir brauchen, sind weltweit einzigartige Fähigkeiten in ausgewählten Technologiefeldern, so dass wir in der sich verändernden geopolitischen Situation adäquat reagieren können, wenn wir von unseren Wettbewerbern oder auch unseren Partnern unter Druck gesetzt werden“, betont Wintergerst.
Stand: 08.12.2025
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Im Bereich künstliche Intelligenz enthalte die Agenda aus Bitkom-Sicht unter anderem wichtige Impulse für KI-Spitzenforschung und -Infrastruktur. Was bislang weitgehend fehle, seien Maßnahmen zur Talentförderung, eine koordinierte KI-Anwendungsstrategie in der Verwaltung sowie vereinfachte Zugänge für Startups. Entscheidend werde sein, ob gezielt in englischsprachige Studiengänge, digitale Förderverfahren und eine stärkere Verzahnung mit dem Mittelstand investiert werde. In der Mikroelektronik seien vor allem die Unterstützung für die geplanten europäischen Initiativen sowie der Aufbau neuer Chip-Fabriken im Rahmen des EU Chips Act ein wichtiger Ansatz. Bei Quantentechnologien brauche es dazu einen stärkeren Fokus auf konkrete Anwendungen. Der wirtschaftliche Nutzen entstehe durch die Entwicklung von Software und Algorithmen gemeinsam mit Hardware-Herstellern und Anwenderindustrien. Die Einbindung industrieller Nutzer sollte als strategisches Ziel in der Hightech-Agenda verankert werden, hebt Wintergerst hervor. „Wir müssen Spitzentechnologien Made in Germany und damit unsere digitale Souveränität insgesamt stärken und die Hightech-Agenda muss und kann hierfür einen wichtigen Beitrag leisten.“