Cybersicherheit im Public Sector Kompetenzmangel, unterschätzte Risiken und ungenutztes Potenzial

Ein Gastbeitrag von Stefan Karpenstein 5 min Lesedauer

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Bereits zum vierten Mal ist G DATA CyberDefense der Frage nachgegangen, wie es um die IT-Sicherheit in Deutschland steht. Trotz steigender Cyberangriffe auf Kommunen schätzen die Hälfte der Befragten das Risiko, Opfer von Cyberkriminalität oder Datendiebstahl zu werden, als gering beziehungsweise sehr gering ein. Eine Fehleinschätzung, die schwerwiegende Folgen haben kann.

Der neue Cybersicherheitsreport von G Data ist in Kooperation mit Statista entstanden.(©  G Data)
Der neue Cybersicherheitsreport von G Data ist in Kooperation mit Statista entstanden.
(© G Data)

Die G DATA CyberDefense AG hat gemeinsam mit Statista und brand eins im Rahmen der Studie „Cybersicherheit in Zahlen“ eine Bestandsaufnahme zur IT-Sicherheit in Deutschland gemacht. Befragt wurden mehr als 5.000 Menschen aus allen Branchen. Auch mehr als 750 Angestellte aus dem öffentlichen Sektor gewähren einen Einblick in den aktuellen Status und zukünftige Einschätzungen. Grundsätzlich gilt: Arbeitnehmende im öffentlichen Dienst weisen signifikante Defizite in der IT-Sicherheitskompetenz auf. Zudem kämpfen Kommunen mit einer Kluft zwischen wahrgenommenem und tatsächlichem Risiko und ist im Vergleich zu anderen Branchen bei Schulungsmaßnahmen und der Integration von Künstlicher Intelligenz weit zurück. Es besteht in zahlreichen Feldern dringender Handlungsbedarf.

Kompetenzdefizit bei der IT-Sicherheit: Der öffentliche Sektor hinkt hinterher

Die Ergebnisse der aktuellen Studie „Cybersicherheit in Zahlen“ zeigen deutlich, dass der öffentliche Dienst im Bereich der persönlichen IT-Sicherheitskompetenz deutlich hinter anderen Branchen zurückbleibt. Nur einer von fünf der Befragten aus dem öffentlichen Sektor schätzen ihre persönliche Kompetenz beim Thema IT-Sicherheit als (sehr) hoch ein – ein deutlich geringerer Anteil im Vergleich zum branchenübergreifenden Durchschnitt von rund 30 Prozent.

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Dieser Unterschied verdeutlicht einen erheblichen Nachholbedarf. Besonders kritisch ist, dass auf der anderen Seite etwa ein Drittel der Befragten ihre Kompetenz als schlecht oder sehr schlecht bewertet. Das deutet darauf hin, dass viele Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung nicht ausreichend Vertrauen in ihre digitalen Fähigkeiten haben. Angesichts immer komplexer werdender Bedrohungen, wie täuschend echten Phishing-Mails oder Deepfakes, sind verstärkte Investitionen in Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen unerlässlich.

Die Kluft zwischen Risikoempfinden und Realität

Trotz der Tatsache, dass viele Kommunen wie beispielsweise die Stadt Witten, in letzter Zeit Opfer von Cyberangriffen geworden sind, scheint die Bedrohung für viele im öffentlichen Sektor weiterhin abstrakt. Rund 80 Prozent der Befragten fühlen sich durch die angewendeten IT-Sicherheitsmaßnahmen (sehr) gut geschützt. Zudem schätzen 50 Prozent das Risiko, Opfer von Cyberkriminalität oder Datendiebstahl zu werden, als gering oder sogar sehr gering ein.

Diese Kluft zwischen dem realen Bedrohungspotenzial und der Risikowahrnehmung ist auf ein trügerisches Gefühl von Sicherheit zurückzuführen, das durch bereits vorhandene technische Maßnahmen entsteht. Solche Fehleinschätzung führen dazu, dass die tatsächlichen Gefahren unterschätzt werden und ein sorgloser Umgang mit Cyberrisiken entsteht.

Unzureichende Weiterbildung im Bereich Cybersicherheit

Auch die Bedeutung von Cybersicherheitsschulungen für alle Mitarbeitenden wird oft unterschätzt, obwohl sie eine zentrale Rolle im Schutz von öffentlichen Einrichtungen spielen. Der menschliche Faktor ist oft das schwächste Glied in der Sicherheitskette und nur geschulte Mitarbeitende können Bedrohungen schnell erkennen und unterbinden. Die Zahlen aus der Studie verdeutlichen jedoch ein gravierendes Defizit im öffentlichen Dienst: Ein Viertel der Befragten haben noch nie von Schulungen, Veranstaltungen oder Trainings zum Thema Cybersicherheit an ihrem Arbeitsplatz gehört. Weitere 20 Prozent berichten, dass solche Angebote nur ausgewählten Abteilungen zur Verfügung stehen. Lediglich jede und jeder vierte der befragten Arbeitnehmenden gibt an, dass im eigenen Unternehmen regelmäßige IT-Sicherheitsschulungen durchgeführt werden. So sind es im Bereich Finanzen und Versicherungen vergleichsweise 35 Prozent mehr.

Auch hier bildet der öffentliche Sektor im Branchenvergleich das Schlusslicht. Ein alarmierendes Ergebnis, denn IT-Sicherheit betrifft jeden einzelnen Mitarbeitenden. Es reicht nicht aus, allein auf technische Sicherheitsmaßnahmen zu vertrauen – die Belegschaft muss zum integralen Bestandteil des IT-Sicherheitskonzeptes gemacht werden. Fehlt es Mitarbeitenden an grundlegendem Wissen um Cybersecurity, etwa das Verständnis für Passwortsicherheit oder das Erkennen von Phishing-Nachrichten, ist die Sicherheit des gesamten Unternehmens gefährdet. Security Awareness Trainings sind daher unerlässlich, um Angestellte für Cybergefahren zu sensibilisieren und ihnen das Wissen zu vermitteln, wie sie im Ernstfall richtig reagieren.

Dass auf der anderen Seite ein starkes Interesse an IT-Sicherheitsschulungen besteht, zeigt sich deutlich: Rund drei Viertel der Befragten betonen, dass die Sensibilisierung und Schulung aller Mitarbeitenden entscheidend für eine effektive IT-Sicherheit sind. Trotz dieses klaren Bedürfnisses bleibt der öffentliche Sektor im Vergleich zu anderen Branchen deutlich zurück. Während im Branchendurchschnitt etwa 36 Prozent der Beschäftigten regelmäßig an Cybersicherheitstrainings teilnehmen, sind es im öffentlichen Sektor nur ein Viertel – ein Defizit, das dringend behoben werden muss.

Künstliche Intelligenz: Wissenslücke und fehlende Integration im Arbeitsalltag

Das Potenzial von Künstlicher Intelligenz bleibt im öffentlichen Sektor ebenfalls noch ungenutzt: Mehr als die Hälfte der befragten Mitarbeitenden (56 Prozent) gibt an, KI noch gar nicht in ihrer täglichen Arbeit zu verwenden. Zudem behaupten lediglich 63 Prozent, ein grundlegendes Verständnis in der Anwendung von KI zu haben. Auch hier besteht Nachholbedarf. Um die Chancen, die Künstliche Intelligenz bietet, voll auszuschöpfen, müssen sowohl das Bewusstsein für die Technologie als auch ihre Integration in den Arbeitsalltag deutlich verstärkt werden. Nur so können öffentliche Einrichtungen gleichermaßen von den Vorteilen der KI profitieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.

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IT-Sicherheit geht alle an

Die Ergebnisse der Studie „Cybersicherheit in Zahlen“ zeichnen ein klares Bild: Der öffentliche Sektor steht in vielen Bereichen der IT-Sicherheit vor erheblichen Herausforderungen. Kompetenzdefizite, ein trügerisches Schutzgefühl und unzureichende Schulungsmaßnahmen tragen dazu bei, dass der Sektor hinter anderen Branchen zurückbleibt. Gleichzeitig besteht aber auch Potenzial. Das Interesse an Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen ist vorhanden, und durch gezielte Investitionen in Weiterbildung und Technologieintegration, wie etwa Künstliche Intelligenz, kann die Sicherheit deutlich gestärkt werden. Es liegt nun an den Verantwortlichen, die Weichen für eine zukunftssichere IT-Sicherheitsstrategie zu stellen, die nicht nur technische Maßnahmen umfasst, sondern auch die Belegschaft umfassend einbezieht.

Weitere Informationen

„Cybersicherheit in Zahlen“ zeichnet sich durch eine hohe Informationsdichte und besondere methodische Tiefe aus: Die Researcher und Marktforscher von Statista haben Zahlen, Daten und Fakten aus mehr als 300 Statistiken zu einem einzigartigen Gesamtwerk zusammengeführt. Mehr als 5.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland wurden im Rahmen einer repräsentativen Online-Studie zur Cybersicherheit im beruflichen und privaten Kontext befragt. Die Fachleute von Statista haben die Befragung eng begleitet und können dank einer Stichprobengröße, die weit über dem branchenüblichen Standard liegt, belastbare und valide Marktforschungsergebnisse im Heft „Cybersicherheit in Zahlen“ präsentieren.

Download „Cybersicherheit in Zahlen“

Stefan Karpenstein
ist IT-Sicherheitsexperte bei G DATA CyberDefense

Bildquelle: G Data

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