Bundesländer im Vergleich KI-Strategie: Wie geht’s richtig?

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves & Jan Westermann 6 min Lesedauer

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Eine gute KI-Strategie ist spezifisch, bündelt Ressourcen, schafft Synergien und stärkt (regionale) Netzwerke. Lesen Sie, was eine gute Strategie ausmacht und welche Bundesländer mit ihren KI-Strategien als Best Practice glänzen können.

Von anderen, die schon weiter sind, lernen.(©  BillionPhotos.com - stock.adobe.com)
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Strategien, auch KI-Strategien, sind vor allem für eines gut: Sie sollen die richtigen Projekte in der richtigen Reihenfolge zur richtigen Zeit in der richtigen Art und Weise ermöglichen. Warum also stürzen sich Menschen und Organisationen in dieses teilweise risikoreiche Unterfangen, eine eigene KI-Strategie zu entwickeln, anstatt einfach ein Projekt nach dem anderen zu machen? Nun, gute Gründe gibt es genug:

  • Spezifische Rahmenbedingungen und Bedarfe vor Ort. Auch wenn man „in der Theorie“ meinen könnte, KI-Strategien wären­ doch überall halbwegs gleich, sie sind es nicht. Eine gute KI-Strategie berücksichtigt die spezifischen Anforderungen und Ziele der jeweiligen Organisation. Nur so lassen sich KI-Projekte wirklich passgenau ausrichten.
  • Netzwerke. Eine KI-Strategie bringt die richtigen Akteure zusammen – innerhalb der Verwaltung, in der Wissenschaft und der Wirtschaft. Durch die frühzeitige Einbindung entstehen fruchtbare Kooperationen und natürlich auch positive Entwicklungen außerhalb der Verwaltung.
  • Ressourcen. Strategien vermeiden unnötige Kosten, indem sie Projekte koordinieren und Synergien schaffen. Ein gemeinsames Vorgehen begünstigt die effiziente Umsetzung und entlastet die einzelnen Mitwirkenden (z. B. Abteilungen oder Behörden).
  • Kompatibilität. Durch strategische Planung werden Lösungen auf interoperable Standards ­abgestimmt, damit alles zusammenpasst. Das minimiert Folgekosten und sorgt für nachhaltige, flexible technische Infrastrukturen.
  • Externe Förderung. Fördermittel sind oft an strategisch fundierte und politisch unterstützte Projekte gebunden. Eine klare Priorisierung erhöht die Chancen auf externe Mittel – abhängig, natürlich, vom jeweiligen Förderprogramm.
  • Vom Getriebenen zum Treiber werden! Mit einer KI-Strategie übernehmen Verwaltung und Politik die aktive Steuerung, positionieren sich und werden selbst zum aktiven Gestalter, anstatt nur auf externe Entwicklungen zu reagieren.

Genau deshalb machen sich viele öffentliche Verwaltungen auf den Weg, das Thema Künstliche Intelligenz strategisch zu erschließen. Bund, Länder und Kommunen, ­alle sind dran und haben sich zum Teil auch bereits mit einer eigenen KI-Strategie positionieren können. Für die vorliegende Kolumne haben wir einen genaueren Blick auf die Strategien der Bundesländer geworfen und insgesamt zehn KI-Landesstrategien gefunden (eine davon eher eine „lose Blattsammlung“ ohne systematische Verschriftlichung, eine andere aktuell zu Redaktionsschluss noch ohne politischen Beschluss). Also, mehr als 60% der deutschen Bundesländer verfügen über eine eigene KI-Strategie und das erscheint uns, da KI ja die Hauptstadt von „Neuland“ ist, doch eine beachtlich hohe Abdeckung.

Entsprechend neugierig waren wir auf die Analyse der KI-Landesstrategien. Welche macht es richtig gut, wo finden sich die Best Practices und was können andere KI-Strategieprojekte – auch zum Beispiel in Kommunen – generell daraus lernen? Dazu haben wir sechs wichtige Kriterien erfolgreicher KI-Strategien für die Kolumne ausgewählt. Für die vollständige Analyse mit insgesamt zehn Kriterien einschließlich der landesspezifischen Auswertung sprechen Sie uns gern (z. B. bei LinkedIn oder per eMail) an. Also, KI-Strategie, wie geht’s richtig?

1. Kontextualisierung der KI-Strategie

KI findet nicht auf der grünen Wiese statt! Daher sollte sich eine gute KI-Strategie in den bestehenden regulatorischen und strategischen Kontext einfügen. Die Einbettung in die Strategien der EU, des Bundes und anderer relevanter Landesstrategien ist essenziell, um Kohärenz zu gewährleisten, bestehende Strukturen zu stärken und Synergieeffekte zu fördern.

Derzeit verfügen jedoch nur 50% der analysierten KI-Strategien über eine hinreichend klare Kontextualisierung. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die anderen 50% der KI-Strategien eher für sich ­stehen und keinen hinreichenden Bezug zu anderen relevanten Ansätzen aufweisen, mit den entsprechenden Nachteilen.

Best Practices hierzu finden sich in Schleswig-Holstein und in Baden-Württemberg. Die KI-Strategie Schleswig-Holsteins verweist z. B. explizit auf die separate Datenstrategie des Landes und zeigt damit, wie zentrale Grundlagen für datenbasierte KI-Anwendungen geschaffen werden. Die KI-Strategie in Baden-Württemberg verweist nicht nur auf Initiativen in Europa und Deutschland, sie ist auch eng mit der übergeordneten Digitalstrategie „Digital.Länd“ verzahnt, was eine kohärente Ausrichtung aller digitalen Transformationsprojekte begünstigt.

2. Saubere Analyse der Ausgangslage

Von wo aus starten wir? Der Erfolg einer KI-Strategie fußt auf einer fundierten Analyse des IST-Zustandes. Eine strukturierte, kritische Auseinandersetzung mit den vorhandenen Ressourcen, Kompetenzen und Potenzialen ist die Grundlage für die Entwicklung ­einer belastbaren und zielgerichteten KI-Strategie. Eine unzureichende Analyse der gegenwärtigen Lage wird zwangsläufig die Wirksamkeit der Strategie beeinträchtigen und Potenziale ungenutzt lassen.

Einzig Brandenburg hebt sich durch eine sehr systematische Analyse hervor, die über eine bloße Beschreibung bisheriger Aktivitäten hinausgeht. Die umfassende Stakeholder- und SWOT-Analyse des brandenburgischen KI-Ökosystems ermöglicht eine präzise Einschätzung der Rahmenbedingungen und erhöht die Zielgenauigkeit der geplanten Maßnahmen. Ein echter Best Practice!

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