Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft, doch ihr Erfolg entscheidet sich nicht allein an technischen Lösungen. Professor Niehaves und Staatsrat Dr. Hagen zeigen am Beispiel der KI-Strategie Bremens, dass die eigentliche Herausforderung in der Akzeptanz durch die Beschäftigten liegt.
Welche Dinge braucht es, damit KI-Tools angenommen werden?
Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. KI-Lösungen fluten den Markt, Anbieter überbieten sich mit Versprechen, und auch Verwaltungen greifen zunehmend beherzt zu. Die Argumente scheinen eindeutig: Mehr Produktivität, mehr Effizienz, mehr Schlagkraft in Zeiten von demografischem Wandel, Fachkräftemangel und knapper werdenden Budgets.
Doch so klar die technischen Potenziale sind, so schwierig ist die Umsetzung in der Praxis. Denn die beste Lösung allein nützt nichts, wenn die Beschäftigten sie nicht akzeptieren. Genau hier regt sich der berühmt-berüchtigte „organisatorische Widerstand“. Er entsteht immer dann, wenn etwas ganz Wesentliches außer Acht gelassen wird: die Perspektive der Mitarbeitenden. Die entscheidende Frage lautet also: Was treibt die Akzeptanz von KI wirklich an?
KI-Strategie
Bremen hat eine gute Tradition darin, Veränderungsprozesse gemeinsam mit den Beschäftigten zu gestalten. Dieser Ansatz prägt auch den aktuellen Umgang mit KI. Während viele Bundesländer an Strategien arbeiten, verfolgt die Freie Hansestadt Bremen hier einen Weg, der die Mitarbeitenden ausdrücklich in den Mittelpunkt stellt. Es geht nicht darum, Technik um ihrer selbst willen einzuführen, sondern darum, Veränderungen gemeinsam anzupacken. Deshalb entsteht die (neue) Bremer KI-Strategie unter der Leitung des Senators für Finanzen, in enger Zusammenarbeit mit allen Ressorts, mit dem Gesamtpersonalrat als zentralem Partner und unter wissenschaftlicher Leitung der Universität Bremen.
Um herauszufinden, was genau die Akzeptanz von KI in der Praxis fördert oder hemmt, haben wir die gesamte Kernverwaltung in Bremen und Bremerhaven untersucht. 18.397 Beschäftigte wurden eingeladen, an einer Befragung von Juni bis Juli 2025 teilzunehmen. 3.690 vollständig ausgefüllte Fragebögen und eine Beteiligungsquote von über 20 Prozent liefern ein repräsentatives Bild, das wertvolle Einsichten erlaubt. Ergänzt wurde diese Erhebung durch Interviews und Fokusgruppen, die uns ein tieferes Verständnis für Einstellungen, Sorgen und Erwartungen der Mitarbeitenden vermittelt haben.
Überraschende Ergebnisse
Und die Ergebnisse überraschen! Beginnen wir mit dem, was keinen oder nur einen zu vernachlässigenden Einfluss auf KI-Akzeptanz hat, also darauf, ob Beschäftigte bereit sind, KI-Lösungen an ihrem Arbeitsplatz zu nutzen. Weder Alter, noch Geschlecht, noch Bildungshintergrund spielen wirklich eine Rolle! Damit können wir mit einigen gängigen Vorurteilen direkt aufräumen. Die oft erzählte Anekdote, jemand wolle die nächste Technologiewelle aussitzen, weil er oder sie ohnehin in zehn Jahren in Rente gehe, bleibt genau das: eine Anekdote. Wissenschaftlich betrachtet gehört sie ins Reich der Mythen.
Kommen wir nun zum Eingemachten. Denn hinter den nüchternen Zahlen zeigt sich eine Stimmung, die man nicht ignorieren darf. Knapp ein Drittel der Beschäftigten (30,64 Prozent) äußert die Sorge, beim Fortschritt von KI nicht Schritt halten zu können. Und mehr als jede und jeder Fünfte (20,52 Prozent) befürchtet, dass KI den eigenen Arbeitsplatz zumindest teilweise ersetzen könnte. Die Ängste, beim KI-Fortschritt abgehängt oder durch ihn überflüssig zu werden, sind somit sehr real und prägen die aktuelle Stimmung in der Verwaltung. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen, welche Faktoren die Akzeptanz von KI tatsächlich beeinflussen.
Drei zentrale Faktoren
Ob KI am Arbeitsplatz in der Verwaltung tatsächlich genutzt wird, hängt von drei zentralen Faktoren ab. Erstens – und das ist wenig überraschend – kommt es darauf an, ob die eingesetzten Systeme einen erkennbaren Mehrwert in Bezug auf Effektivität und Effizienz liefern. Nur wenn Beschäftigte spüren, dass ihre Arbeit durch KI wirklich unterstützt und erleichtert wird, entsteht Bereitschaft zur Nutzung.
Zweitens spielt das grundsätzliche Vertrauen in KI-Technologie eine Rolle. Wer KI nicht pauschal ablehnt, sondern ihr mit einer offenen Haltung begegnet, ist eher bereit, sie in den eigenen Arbeitsalltag zu integrieren.
Drittens zählt die eigene Vorerfahrung, sei es durch private Nutzung, durch Schulungen oder durch erste praktische Anwendungen im beruflichen Kontext. Kurz: Wer KI einmal genutzt hat, wird dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft noch häufiger tun.
Stand: 08.12.2025
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Besonders spannend ist der zweite Faktor, das grundsätzliche Vertrauen. Denn Vertrauen in KI-Technologie ist keineswegs ein Mysterium, sondern lässt sich selbst mit den Studiendaten ebenfalls gut erklären. Es hängt erstens davon ab, ob man bereits eigene Vorerfahrungen gesammelt hat. Zweitens spielt eine mögliche Algorithmus-Aversion eine Rolle, also die Tendenz, menschliche Entscheidungen grundsätzlich für überlegen zu halten – selbst dann, wenn die Ergebnisse von KI objektiv besser wären (vgl. Kolumne „Vertrauenssache KI: Wenn das bessere Ergebnis nicht genügt“). Und drittens beeinflussen ethische Bedenken das Vertrauen, etwa die Sorge vor unethischen Entscheidungen oder Konflikten rund um den Einsatz von KI. Gerade diese Dimension ist spannend, weil KI in der öffentlichen Debatte stark polarisiert ist: Entweder erscheint sie als Teufelszeug oder als Allheilsbringer, und selten wird die Mitte dazwischen ausgelotet.
Einladung zur gemeinsamen Diskussion
„KI-Akzeptanz in der öffentlichen Verwaltung – Erfolgsfaktoren, Best Practices, Lösungsansätze“
In einer gemeinsamen Veranstaltung mit eGovernment präsentieren Professor Björn Niehaves und Staatsrat Dr. Martin Hagen die Ergebnisse ihrer aktuellen Praxisstudie zur KI-Akzeptanz in der öffentlichen Verwaltung.
Im Mittelpunkt stehen die zentralen Treiber und Hemmnisse, die über Erfolg oder Scheitern von KI-Einführungen entscheiden. Die Veranstaltung bietet Raum, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Best Practices zu teilen und konkrete Handlungsansätze für die Verwaltungspraxis zu diskutieren.
Wann? 29. Oktober 2025
Wo? virtuell (den Link erhalten Sie nach Anmeldung)
Was kann man also tun? Und noch wichtiger: Was werden wir in Bremen konkret tun? Die Ergebnisse unserer Untersuchung erfordern konkrete Maßnahmen, um die Akzeptanz von KI in der Verwaltung gezielt zu fördern.
Kompetenzen stärken! KI-Kenntnisse und Vorerfahrungen lassen sich durch Schulungen hervorragend stärken. Das wirkt direkt auf die Akzeptanz von KI und zugleich indirekt, indem die Vorteile bekannter werden und das grundsätzliche Vertrauen in KI-Technologie wächst. Wichtig ist jedoch, hier über reine Produktschulungen und Basis-Schulungen mit Blick auf Art. 4 der EU KI-Verordnung hinauszugehen und die Mitarbeitenden zu Mitgestaltenden der KI-Transformation zu machen.
Use Cases mit wirklichen Mehrwerten entwickeln! Gemeinsam mit den Mitarbeitenden suchen wir systematisch nach den besten KI-Anwendungsfeldern und wollen aus dem breiten Angebot an marktreifen Lösungen gezielt diejenigen auswählen – oder bei Bedarf (weiter)entwickeln, – die den größten Mehrwert für den Verwaltungsalltag bringen. Dabei darf man ein wichtiges Element nicht unterschätzen: Kommunikation. Nur wenn die erzielten Mehrwerte auch sichtbar gemacht und klar vermittelt werden, entsteht echte Nutzung. Also, Werbung darf bzw. muss sein.
Einen ethischen Ansatz verfolgen! Die Einführung von KI muss von Partizipation und Diskussion über Werte und Zielkonflikte begleitet werden. Instrumente wie „Ethical Impact Assessments“ bieten dafür zum Beispiel eine praxisnahe Möglichkeit. Sie sind einfach umzusetzen, eröffnen aber viel Raum für Debatte und Mitgestaltung.
Die Mitarbeitendenumfrage in Bremen unterstreicht damit, dass eine KI-Strategie nicht bei der Technik stehen bleiben darf. Entscheidend ist, die Menschen einzubinden, ihre Sorgen ernst zu nehmen und sie aktiv in den Veränderungsprozess einzubeziehen. KI wird den Verwaltungsalltag verändern, doch ob sie ihr Potenzial tatsächlich entfalten kann, hängt vor allem von der Akzeptanz durch die Beschäftigten ab. Wenn es gelingt, Ängste zu adressieren, Kompetenzen aufzubauen und Wertefragen offen zu diskutieren, dann kann KI von einem Reizthema zu einem Erfolgsfaktor für die Verwaltung werden.
Genau zur Diskussion der Treiber und Hemmnisse von KI-Akzeptanz im öffentlichen Sektor, und damit auch der Inhalte unserer Studie sowie dieser Kolumne, laden wir Sie herzlich zu einer gemeinsamen Online-Veranstaltung am 29. Oktober ein.
Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves ist Informatikprofessor und Politikwissenschaftler, leitet die Arbeitsgruppe „Digitale Transformation öffentlicher Dienste“ an der Universität Bremen und berichtet in der wissenschaftlichen Kolumne über aktuelle Forschungsergebnisse zur digitalen Verwaltung.
Dr. Martin Hagen ist Staatsrat für Haushalt, Personal und Digitalisierung beim Senator für Finanzen der Freien Hansestadt Bremen. Er ist Mitglied im IT-Planungsrat und ständiger Vertreter in der Digitalministerkonferenz.