Projekt AKIRA KI-Assistenz für die Gerichte

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Kann Künstliche Intelligenz Richterinnen und Richter bei ihrer Arbeit, speziell beim Lesen der Gerichtsakten, entlasten? Das soll in einem neuen Projekt der Justiz Baden-Württemberg gemeinsam mit den Partnern Aleph Alpha, GovTech Campus Deutschland, Infora und Materna erforscht werden.

Erforscht wird die KI-Richterassistenz zunächst am Sozialgericht Ulm, künftig sollen sie Richterinnen und Richter in ganz Deutschland nutzen können.(© Visual Vortex - stock.adobe.com / KI-generiert)
Erforscht wird die KI-Richterassistenz zunächst am Sozialgericht Ulm, künftig sollen sie Richterinnen und Richter in ganz Deutschland nutzen können.
(© Visual Vortex - stock.adobe.com / KI-generiert)

Klar ist: Die KI soll nicht die Urteile fällen. „Am Ende entscheidet immer der Mensch“, sagt Elmar Steinbacher, Ministerialdirektor im baden-württembergischen Ministerium der Justiz und für Migration. Doch vor einer Entscheidung müssen Richter pro Fall teils hunderte oder sogar tausende Seiten an Gerichtsakten lesen und verstehen, das kostet sehr viel Zeit.

In dem neuen Projekt AKIRA will das Ministerium zusammen mit Partnern jetzt erforschen, wie Künstliche Intelligenz (KI) durch inhaltliche Zusammenfassung und Vorstrukturierung der Inhalte bei dieser Aufgabe unterstützen kann. Wenn Richterinnen und Richter Akteninhalte in kürzerer Zeit korrekt und vollständig erfassen können, bleibt ihnen mehr Zeit, sich auf die Leitung des Verfahrens vorzubereiten und mit den Parteien zu kommunizieren.

AKIRA steht für „Allgemeine KI-Richterassistenz“ und für die Vision „eine KI-Assistenz zu entwickeln, die auch hochkomplexe Akteninhalte aufbereiten und vorstrukturieren kann“, wie Elmar Steinbacher erklärt. Justizangehörigen solle so ein schneller und präziser Erstzugriff auf den Sach- und Streitstand ermöglicht werden. Und das nicht nur in Baden-Württemberg: Richterinnen und Richter aller Gerichtsbarkeiten in ganz Deutschland sollen den KI-Assistenten künftig nutzen können.

In dem Projekt, das im Rahmen der Digitalisierungsinitiative der Justiz von Bund und Ländern beauftragt wurde, arbeiten die IT-Stellen der baden-württembergischen Justiz gemeinsam mit den Partnern Aleph Alpha GmbH, GovTech Campus Deutschland, Infora GmbH und Materna Information & Communications SE. Dabei wird die neue generative KI-Technologie PhariaAI von Aleph Alpha getestet. Und auch der Praxisbezug ist gegeben: Im Rahmen von AKIRA „erarbeiten wir zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen des Sozialgerichts Ulm einen ersten Entwurf, der die Marschrichtung für das Erreichen dieser Vision aufzeigen wird“, so Elmar Steinbacher.

Tobias Pelster, Projektleiter aus der Materna-Gruppe, sieht die Anforderungen in mehrfacher Hinsicht als anspruchsvoll: Lebenssachverhalte und Tatbestandsmerkmale seien sehr heterogen. „Auch die Struktur der Eingangsdokumente unterscheidet sich aufgrund abweichender zuständiger Behörden je Rechtsgebiet teils deutlich.“ Das Projekt werde zusätzlich zu den technischen Erkenntnissen auch wertvolle Erfahrungswerte für die systematische Annäherung an komplexe KI-Use-Cases in der Justiz liefern, so Pelster.

Künstliche Intelligenz habe das Potenzial, Staat und Verwaltung grundlegend zu revolutionieren – und damit die vielfältigen Herausforderungen, mit denen die Verwaltung konfrontiert ist, zu adressieren, betont Ammar Alkassar, Vorstand beim GovTech Campus Deutschland. „Wir freuen uns, dass wir mit dem plattform-basierten Ansatz die Grundlage für eine Nachnutzung legen.“

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