Smart City (Days) in Herne „Hier rücken wir die Menschen in den Mittelpunkt“

Von Serina Sonsalla 7 min Lesedauer

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Im Februar 2025 finden zum zweiten Mal die Smart City Days in Herne statt. Apropos Smart City – Pierre Herbe ist der ­Fachbereichsleiter für Digitalisierung und Geschäftsführer der Herne.Digital GmbH. Er spricht im Vorfeld der Veranstaltung darüber, was eine smarte Stadt ausmacht, wie Herne dieses Ziel erreicht und welchen Beitrag die Stadtverwaltung dazu leistet.

Ein Projekt im Bereich Smart City ist der Einsatz von KI, um die Sicherheit bei Großveranstaltungen zu erhöhen, z. B. bei der Cranger-Kirmes.(© luna1904 – stock.adobe.com)
Ein Projekt im Bereich Smart City ist der Einsatz von KI, um die Sicherheit bei Großveranstaltungen zu erhöhen, z. B. bei der Cranger-Kirmes.
(© luna1904 – stock.adobe.com)

Wie entwickelt sich eine Stadt zu einer „Smart City“ und wie trägt die Verwaltungsdigitalisierung dazu bei, dass Herne sich als attraktiven Standort für Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger positioniert?

Herbe: In Herne ist die ­Herne.Digital GmbH für die Smart-City-­Themen zuständig, während der Fachbereich für Digitalisierung sich um eGovernment, Infrastrukturen, Online-Services und die Verwaltungsdigitalisierung kümmert. Grundsätzlich bietet eine Verwaltung mehr als 2.000 verschiedene Leistungen an. Eine Bürgerin oder ein Bürger nimmt statistisch betrachtet etwa 1,7-mal im Jahr diese Leistungen in Anspruch. Um den Zugang zu diesen Leistungen für Bürgerinnen und Bürger zu ­erleichtern, haben wir in einem partizipativen Prozess, über mehrere Monate hinweg, die Digitalstrategie 2030+ entwickelt. Diese wurde auch vom Rat der Stadt verabschiedet.

Pierre Herbe (geb. Golz), Fachbereichsleiter für Digitalisierung in Herne. (©  Herne.Digital GmbH)
Pierre Herbe (geb. Golz), Fachbereichsleiter für Digitalisierung in Herne.
(© Herne.Digital GmbH)

Smart City geht jedoch weit über das Thema Verwaltungsdigitalisierung hinaus. Es geht darum, das Leben der Bürgerinnen und ­Bürger mithilfe der Digitalisierung nachhaltig zu verbessern. Dies kann durch die Förderung nachhaltiger Mobilität, die Bereitstellung digitaler On-Demand-Services und die Schaffung multimodaler Vernetzungspunkte erfolgen – etwa zwischen Bus, öffentlichem Nahverkehr (ÖPNV) und privaten ­Sharing-Diensten. Auch eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur gehört dazu und stellt einen wichtigen Standortfaktor dar. Digitalisierung kann durch den Einsatz von KI dazu beitragen, dass jede Bürgerin und jeder Bürger am Ende des Monats mehr Geld in der Tasche hat, indem regenerative Energien effizienter genutzt werden, beispielsweise durch die Steigerung der Energieeffizienz in Haushalten. Ziel ist es, weniger Strom zu verbrauchen und Ressourcen zu schonen. Letztlich bringt Digitalisierung auch im ­Verwaltungsbereich erhebliche Vorteile.

Trifft Ihre Vision einer smarten Stadt bereits auf Herne zu? Welche Herausforderungen müssen denn noch gemeistert werden?

Herbe: Ich bezweifle, dass es viele­ Menschen gibt, die sagen können, dass diese Vorstellungen einer Smart City mit allen erfüllten Bedingungen auf sie zutreffen.

Die ehrliche Antwort lautet daher: Nein, auch in Herne sind wir erst am Anfang dieser Bewegung, aber meiner Meinung nach auf einem sehr guten Weg: Wir haben einen guten Prozess mit der Gesellschaft gestartet und definiert, wie wir vorgehen wollen. Darüber hinaus haben wir viele strukturelle Veränderungen abgeschlossen, die uns langfristig auf diesem Weg helfen. Hierzu zählen Partizipationsformate, der Umbau des Konzerns Stadt oder die Zentralisierung der Digitalthemen für die Verwaltung in unserem neuen Fachbereich ­Digitalisierung.

Wir haben bereits viele kleine vielversprechende Projekte, die gerade wachsen, aber es gibt noch viel zu tun. Das liegt auch daran, dass wir in einem föderalen System leben, in dem es notwendig ist, gesetzliche Barrieren schrittweise abzubauen. Oft geht es nicht um den technologischen Einsatz an sich, sondern um die rechtlichen Rahmenbedingungen, die uns vorgegeben sind – immer unter Berücksichtigung der Wahrung der Rechtsstaatlichkeit. Mit partizipativen Prozessen, einer App, Beteiligungsplattformen, Kommunikationstools und Veranstaltungen sind wir bereits auf einem guten Weg. Letztlich, glaube ich, ist das für uns alle eine Lebensaufgabe.

Wie gehen Sie vor, um Ihren Zielen näher zu kommen?

Herbe: Wir setzen mit der Digitalstrategie 2030+ einen klaren strategischen Rahmen und wissen genau, in welche Richtung wir uns in den nächsten Jahren entwickeln wollen. Gleichzeitig ist uns die Vernetzung mit der Gesellschaft und mit föderalen Ebenen sehr wichtig. Hier stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt unserer Arbeit und pflegen ein offenes Netzwerk.

Für mich ist eine Stadt dann smart, wenn sie diese Entwicklung gemeinsam mit ihren Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen gestaltet. Denn was bedeutet eigentlich „smart“?

Im Kern geht es um Digitalisierung, die sich durch alle Lebensbereiche zieht: Wirtschaft, Privatleben, Staat, Schule, Hobbys, ­eigentlich überall. Die Stadtverwaltung kann all diese Herausforderungen nicht allein lösen, aber sie kann Rahmenbedingungen schaffen, etwa durch die Bereitstellung von Infrastruktur.

Smart City bedeutet auch, die Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, auf ihre Bedürfnisse einzugehen und im Bereich Bildung und Kompetenzen einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Dabei werden sowohl die Chancen als auch die Risiken neuer Technologien transparent gemacht. Am Ende des ­Tages geht es darum, diesen Weg gemeinsam zu beschreiten, auszuprobieren und zu definieren, unter welchen Voraussetzungen wir Dinge umsetzen und unter welchen nicht. Dabei probieren wir auch mal neue Prozesse aus, lassen Fehler zu und evaluieren schließlich, was wir daraus lernen können. Einfach mal anpacken und ­ausprobieren.

Auf der nächsten Seite werden konkrete Projekte in Herne, Best Practices und die Agenda der kommenden Smart City Days beschrieben.

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