Von der Smart City zum Smart Country Die Vorteile eines smarten Landes

Von Johannes Kapfer 5 min Lesedauer

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Das Leben wird immer digitaler. Auch die Öffentliche Verwaltung profitiert davon enorm. Wie sehr, lässt sich Jahr für Jahr am Smart-City-Index des Bitkom ablesen.

Vernetzte Gebäude und smarte Sensoren gehören schon seit einiger Zeit zum Stadtbild moderner Industrienationen. Damit eröffnen sich für Entscheider im Public Sector stets neue Operatoren, um ihre Kommunen und Behörden effizienter zu gestalten.(©  jamesteohart - stock.adobe.com)
Vernetzte Gebäude und smarte Sensoren gehören schon seit einiger Zeit zum Stadtbild moderner Industrienationen. Damit eröffnen sich für Entscheider im Public Sector stets neue Operatoren, um ihre Kommunen und Behörden effizienter zu gestalten.
(© jamesteohart - stock.adobe.com)

Bedarfsgesteuerter Straßenverkehr, intelligente Sensorik und ein hoher Digitalisierungsgrad sind in vielen Städten bereits fester Alltagsbestandteil geworden. Gemäß des Smart-City-Index des Branchenverbands Bitkom sind jedoch teilweise himmelweite Unterschiede zwischen verschiedenen Kommunen zu erkennen, die allerdings auf den ersten Blick nicht unmittelbar auf finanzielle Gegebenheiten zurückzuführen sind. Auch kann nicht, wie bei anderen Statistiken, ein Nord-Süd- oder gar ein Ost-West-Gefälle beobachtet werden. Vielmehr scheinen die Gründe, weswegen manche Kommunen besser „ausgestattet“ sind als andere, völlig willkürlich zu sein und keinerlei Muster zu folgen. Doch bei näherer, intensiverer Betrachtung lassen sich interessante Zusammenhänge erkennen, welche in langer Instanz auch als Blaupause für die Transformation Deutschlands zu einem Smart Country genutzt werden können.

Mitnichten korelliert ein hoher Digitalisierungsgrad nämlich direkt mit der Finanzstärke einer Stadt oder Kommune. Zwar gilt auch im Bereich der Verwaltungsdigitalisierung das Sprichwort „viel hilft viel“, dennoch zeigen auch kleinere Kommunen – mit dementsprechend geringeren Digitalbudgets –, dass durch geschickte Kommunalpolitik und die Zusammenarbeit mit ortsansässigen Verbänden, Firmen und Institutionen strahlkräftige Projekte realisiert werden können. Die bayerische Stadt Ingolstadt beispielsweise konnte sich im kürzlich veröffentlichten Smart-City-Index 2024 den Spitzenplatz im Bereich Energie und Umwelt sichern. Ingolstadt, welches die Mehrheit der Deutschen wohl mit dem Fahrzeughersteller Audi in Verbindung bringt, hat dieses Top-Ergebnis aufgrund mehrerer, ineinandergreifender Faktoren einfahren können. Zunächst verfügen die Ingolstädter – pro Kopf gerechnet – über die meisten öffentlichen Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Deutschland. Als Autostadt liegt solch ein infrastruktureller Fokus zwar nahe – Wolfsburg, Rüsselsheim, Stuttgart und weitere Städte mit traditionsreicher Ansiedelung von KfZ-Herstellern hätten jedoch ebenfalls die Chance diesbezüglich nutzen können.

Ein weiterer Faktor, weswegen Ingolstadt auf Platz eins im neuesten Bitkom-Ranking steht, ist die kommunale Förderung hinsichtlich Photovoltaik. Diese besteht bereits seit einiger Zeit. Wenngleich auch Städte wie Paderborn, Gütersloh oder Wolfsburg in der letzten Dekade deutlich mehr PV-Anlagen errichtet haben – den Vorsprung der Ingolstädter einzuholen war ihnen dadurch jedoch nicht möglich.

Viel Bewegung im Index

Eine weitere Kommune, welche seit dem letzten Smart-City-Index viele Tabellenplätze nach oben klettern konnte, ist Lübeck. Im vergangenen Jahr wurde hier die „Smarte Hanse“ etabliert. Seit 2020 wird Lübeck zudem als Modellprojekt Smart City vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), das dem BMI unterstellt ist, finanziell unterstützt. Dieses Wiederaufleben des berühmten Handelsbündnisses aus dem Hochmittelalter gepaart mit kommunalpolitischem Bestreben und finanziellen Hilfen scheint Früchte zu tragen. Immerhin konnte die „Königin der Hanse“ – im Vergleich zu 2023 – gleich elf Plätze gutmachen und rangiert nun in den Top-Ten der smartesten Städte Deutschland. Auf Platz acht, um genau zu sein.

Den ersten Platz im Gesamt-Ranking des Branchenverbands Bitkom konnte München in diesem Jahr verteidigen und dabei sogar den Abstand auf den Zweitplatzierten – Hamburg – ausbauen. Insbesondere der hohe Erschließungsgrad der bayerischen Hauptstadt mit Glasfaser sowie eine nahezu vollständige Abdeckung des Stadtgebiets mit dem Mobilfunkstandard 5G rechtfertigt in den Augen des Bitkom diese erneute Spitzenposition. Den dritten Platz im Smart-City-Index 2024 belegt – ebenfalls wie im Vorjahr – Köln. In puncto Verwaltungsdigitalisierung konnte die Rheinmetropole gar an München und Hamburg ­vorbeiziehen.

Berlin ist Mobilitätssieger

Für ein Novum sorgte in diesem Jahr die Bundeshauptstadt Berlin. Zum ersten Mal seit Bestehen des Bitkom Smart-City-Index konnte eine Kommune volle 100 Punkte in einer Kategorie erreichen. Nach den Kriterien des Branchenverbands Bitkom verfügen die Berliner über den am besten digitalisierten Mobilitätssektor. Sei es das intelligente Parkraummanagement in der Innenstadt, smarte Angebote des ÖPNV oder die zahlreichen Sharing-Angebote. Die Hauptstadt konnte in allen Unterbereichen der Mobilität 100 Punkte für sich beanspruchen. Besonders erwähnenswert ist auch der Umgang der Hauptstädter mit der sogenannten „letzten-Meile-Logistik“. In keiner anderen deutschen Stadt sei dies so gut und konsequent umgesetzt wie in Berlin, betonte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst bei der Vorstellung des Smart-City-Index.

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