Smart City (Days) in Herne

„Hier rücken wir die Menschen in den Mittelpunkt“

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Welche konkreten Projekte aus der Digitalstrategie sind derzeit im Bereich Smart City besonders relevant?

Herbe: Aktuell beschäftigen wir uns im Smart-City-Bereich vor allem mit den Energie- und Infrastrukturthemen, insbesondere mit dem Rollout von Smart Metering und der Digitalisierung der Netze. Dabei geht es nicht nur um die Digitalisierung, sondern auch um die Steuerung der Netze bis hin zur Umspannwerksebene. Das ist für den Energiebereich besonders wichtig und nicht ganz trivial, da diese Systeme hochsicher sein müssen. Wir sprechen hier von BSI-konformen Projektrealisierungen, bei denen auch hunderte von Sensoren verbaut werden, die bestimmte Qualitätsstandards erfüllen müssen.

Ein weiteres Thema ist das Umweltmonitoring, insbesondere im Bereich der Schächte: Hier geht es um die Erfassung von Daten zu Temperatur, PV-Einstrahlung, Niederschlagsmenge und Oberflächenzuständen. Wofür brauchen wir diese Daten? Ein Beispiel ist das Projekt „KI in der Straßenzustandserfassung“, bei dem Daten zum Zustand der Straßen und der Oberflächenbeschaffenheit erfasst werden. Ziel ist es, den optimalen Zeitpunkt für Reparaturen oder die Wiederherstellung der Straßen effizient zu bestimmen. Langfristig könnte KI sogar dazu führen, dass wir eine Vorhersage treffen können, wann und mit welcher Wahrscheinlichkeit Reparaturen erforderlich sind und welcher Investitionsbedarf damit verbunden ist.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir mit diesen Daten auch Rückschlüsse auf die Produktion von nachhaltiger Energie ziehen können. Das ist wiederum für das Lastmanagement der Stadtwerke von Bedeutung.

Viele Stadtwerke stehen derzeit vor der Herausforderung, Millionenbeträge in die Netzinfrastruktur zu investieren, um die Integration erneuerbarer Energien zu ermöglichen.

Mit den Tools, die wir ­zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen entwickelt haben, sind wir jedoch in der Lage, ein digitales Management der Netze zu ermöglichen. So reduzieren wir die Investitionsbedarfe massiv, da die Lasten effizienter verteilt werden.

Ein Projekt umfasst die Entwicklung eines Tools namens „Building Digital“: Dieses Tool erstellt einen digitalen Zwilling eines Gebäudes. Damit werden sämtliche Ressourcenverbräuche in ­einem Gebäude erfasst und steuerbar gemacht. Der nächste Schritt ist, dieses Tool mit KI zu erweitern, um eine automatisierte Gebäudesteuerung zu ermöglichen, die auch Faktoren außerhalb des Gebäudes berücksichtigt.

Ein weiteres spannendes Projekt betrifft den Einsatz von KI zur Erhöhung der Sicherheit bei Großveranstaltungen. Ein Beispiel ist die Cranger-Kirmes, eines der größten Volksfeste in Deutschland, bei dem wir mit den Ordnungsbehörden zusammenarbeiten, um das Sicherheitsniveau zu erhöhen. Dabei kommen Technologien wie die Geräuschpegelmessung und optische Sensoren zum Einsatz, die den Platz überwachen. Durch den Einsatz von KI wird eine Vorhersage potenzieller Gefahrenlagen oder der Menschenmenge an bestimmten Orten erstellt, um im Notfall besser reagieren zu können. Dabei werden Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet oder die Polizei wird darüber informiert, dass bestimmte Zugverbindungen überfüllt sind und daher vermieden werden sollten. Dies sind nur einige Beispiele; es gibt noch viele weitere Projekte, die wir momentan in Angriff nehmen.

Bieten sich diese Projekte bereits als Best Practices oder als Erfolgsrezept für eine smarte ­Stadt an?

Herbe: Das hoffe ich doch. Wir versuchen immer, kleine Pilot­projekte mit größeren Forschungs­initiativen zu verbinden. Zwei ­unserer Projekte sind auch Teil großer Fördervorhaben, die der Standardisierung von Datensätzen dienen. Eines davon trägt den Namen „Be Open AI“ und zielt darauf ab, standardisierte Datensätze für den Einsatz von KI zu entwickeln und den Lebenszyklus von Daten zu optimieren.

Ja, ich würde diese Projekte als Best-Practice-Beispiele bezeichnen. Aber der Mix macht es aus:

Einerseits geht es darum, pragmatische Lösungen vor Ort zu schaffen, andererseits einen Beitrag zur Standardisierung zu leisten und an der Entwicklung von Referenzarchitekturen mitzuwirken. Das halte ich für sehr wichtig.

Am 5. und 6. Februar 2025 ­werden die Smart City Days wieder in Herne veranstaltet. Unter welchem Motto findet die Veranstaltung im neuen Jahr statt und was steht auf der Agenda?

Herbe: Das Motto 2025 ist ­„Transformationsprozess Metropolregion Ruhr“. Dabei stehen drei ­Themen im Mittelpunkt: künstliche ­Intelligenz, Datenräume und IT-Infrastruktur. Besonders hervorzuheben ist, dass es dabei um die praxisorientierte Entwicklung und anschließende Umsetzung von Ideen gehen wird, auch im interkommunalen Kontext.

Ein Fachaustausch, der echten Mehrwert schaffen soll. Hoffentlich werden wir auch dieses Mal wieder Politikerinnen und Politiker begrüßen und große Organisationen wie Gaia-X und FIWARE Foundation e.V. sowie den Dachverband kommunaler IT-Dienstleister mit an Bord haben. Gemeinsam mit Vertreterinnen und ­Vertretern aus Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft, Staat und der Bürgerschaft möchten wir den besten Weg für die Zukunft unserer Städte diskutieren. Denn schließlich geht es hierbei um die Alltags-Lebensräume unserer ­Bürgerinnen und Bürger. Die Anmeldung zu den Smart ­City Days ist bereits über unsere Homepage smart-people-city.de möglich. Die Teilnahme ist kostenlos – ­Interessierte sind herzlich eingeladen.

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